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Vorwort zum Jahresbericht 2001

Aktien sind politisch!
Ihr Stimmrecht ist ein Wahlrecht!

Vor einem Jahr konnte ich Ihnen an dieser Stelle berichten, dass wir 1.500 Aktionärinnen und Aktionäre in den Hauptversammlungen deutscher Unternehmen vertreten haben. Die Druckfarbe unseres Jahresberichts 2000 war noch nicht ganz getrocknet, als sich diese Zahl verdoppelte: Zur ersten Hauptversammlung der Deutschen Post AG nach ihrem Börsengang übertrugen uns fast 1.500 Inhaber der „Aktie Gelb“ ihre Stimmrechte. Insgesamt haben sich im Jahr 2001 deutlich mehr als 3.000 Aktionärinnen und Aktionäre für uns entschieden – für die ökologische und soziale Opposition in deutschen Hauptversammlungen.

Klingt das für Sie, liebe Leserinnen und Leser, wie Parteien-Werbung? Das nehme ich gerne in Kauf, denn ist Ihre Entscheidung zwischen uns und den rein monetär ausgerichteten Aktionärsvereinigungen SdK und DSW nicht auch eine Richtungsentscheidung und damit ein politischer Entschluss?

Während Sie diesen Bericht in Händen halten, organisieren die Parteien bereits ihren Kampf zur Bundestagswahl im Herbst 2002 und reklamieren dabei die jeweils größte soziale Kompetenz für sich selbst. Deshalb dürfen wir wohl fragen: Was hat die rot-grüne Bundesregierung für soziale Gerechtigkeit geleistet?

Sie hat den deutschen Konzernen viele Milliarden Euro Steuern erlassen. Das mag manchen Aktionär erfreuen, doch diese Milliarden fehlen nun in den Kassen der Städte und Kommunen, fehlen für Kindergärten, Schulen, Straßenbahnen, Schwimmbäder und tausend andere soziale Einrichtungen. Die Steuer-Schere öffnet sich derweil weiter: Der Deutsche Gewerkschaftsbund rechnet vor, dass die Gewinnsteuern von 77 Milliarden Euro in 2000 rasant auf 56 Milliarden in 2001 gefallen sind, während die Lohnsteuern gleichzeitig nur von 136 auf 133 Milliarden Euro sanken.

Und diese Bundesregierung hat deutsche Soldaten zum zweiten mal in einen Angriffskrieg geschickt – entgegen der Verfassung, entgegen jeder Lehre aus der deutschen Geschichte. Einige Rüstungsmanager jubilieren bereits über eine „nachhaltig verbesserte Auftragslage“ durch den sogenannten Krieg gegen den Terror, der im Wahrheit ein Krieg um den Zugriff auf Rohstoffe ist.

Es ist kein Geheimnis, dass unser Verband 1986 auch aus „grünen“ Strukturen entstanden ist. Die Umweltschutz-, Friedens- und Dritte-Welt-Bewegungen der achtziger Jahre sind unsere Wurzeln. Ihre Ziele sind bis heute unsere Ziele. Deshalb müssen wir uns jetzt zur Politik einer Regierung äußern, deren kleinerer Teil die gleichen Wurzeln hat – nein: hatte! Und deshalb müssen unsere Partner in der Parteienlandschaft heute andere sein als damals.

Die Reaktion der amtierenden Regierung bleibt natürlich nicht aus. Noch vor der Bundestagswahl will sie wichtige Garantien des Minderheitenschutzes aus dem Aktiengesetz tilgen. Deshalb werden Sie ab 2003 keine schriftlichen Gegenanträge mehr in Ihren Hauptversammlungs-Unterlagen finden. Die Schrempps, Koppers, Pierers und Zumwinkels dürfen sich freuen, denn sie brauchen unsere Kritik an ihrem Sozialabbau, ihren Waffen- und Atomgeschäften nicht mehr verschicken. Auf der Strecke bleibt ein weiteres Stück Demokratie, ein Stück Aktionärsdemokratie.

Aktienbesitz, liebe Leserinnen und Leser, war immer politisch und wird immer politisch bleiben. Deshalb freuen wir uns sehr über Ihre wachsende Zustimmung für unsere konsequente Position, die in der Satzung unseres Verbands verankert ist: „Der Verein bekennt sich zur Sozialbindung des Eigentums, wie sie in Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland definiert ist.“

In diesem Sinne werden wir Ihre Stimmrechte auch in Zukunft fĂĽr
mehr Umweltschutz und fĂĽr mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen!

Herzlichst Ihr

Henry Mathews

geschäftsführendes
Vorstandsmitglied