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Vorwort zum Jahresbericht 2002

Hoffnung und Engagement
sind die Eltern aller VerÀnderungen

Henry Mathews, geschÀfts-
fĂŒhrendes Vorstandsmitglied

BerufstÀtige Frauen verdienen im Durchschnitt
weiterhin weniger als MĂ€nner, wie unsere
Unternehmensbefragung im Jahr 2002 ergab.
KonzernvorstÀnde vernichten weiterhin zehn-
tausende ArbeitsplÀtze, was sie unter dem
Stichwort „Kostenreduzierung“ auch noch stolz
in ihren GeschĂ€ftsberichten verkĂŒnden. Umwelt-
und Klimaschutz geraten aus dem Blickfeld der
Öffentlichkeit, denn Arbeitslosigkeit und soziale
Ungerechtigkeit plagen immer mehr Familien.
Ein nicht gewÀhlter PrÀsident wird die arabische
Welt fĂŒr viele Jahre mit Kriegen um Erdöl und die
Weltherrschaft ĂŒberziehen, weil ihn ein Gericht
ins Amt gehievt hat.

Was, liebe Leserinnen und Leser, kann uns in
diesen Tagen noch Hoffnung geben? Mir persön-
lich haben am 15. Februar 2003 die zwölf Millionen

Menschen viel Hoffnung gegeben, die gleichzeitig mit vielen unserer Mitglieder
gegen einen erneuten Angriffskrieg demonstriert haben.

Hoffnung geben mir auch die 4.000 Menschen, die im vergangenen Jahr die Stimm-
rechte ihrer Aktien an unseren Verband ĂŒbertragen haben. Was fĂŒr ein Vergleich
das ist, fragen Sie jetzt? Krieg und Aktien sind leider viel enger verknĂŒpft, als einige
Anlegerinnen und Anleger wahr haben möchten

Erst vor wenigen Wochen bestĂ€tigte mir der Vorstand des deutschen RĂŒstungs-
konzerns ThyssenKrupp, dass er sich um einen Auftrag fĂŒr 60 (sechzig!) neue
Kriegsschiffe der US-Marine bewirbt. Dem Aktienkurs wĂŒrde dieser Auftrag ĂŒber
14 Milliarden Dollar sicher gut tun. Aber wie erklÀren AktionÀrinnen und AktionÀre
ihren Kindern, dass ihre Dividenden aus dem Bau von Kriegswaffen stammen?
Wie rechtfertigen Anlegerinnen und Anleger, dass ihr Kapital von den Steuerzahler-
innen und Steuerzahlern verzinst wird, die staatliche RĂŒstung bezahlen mĂŒssen?

Vielen Menschen ist solche rĂŒcksichtslose Bereicherung lĂ€ngst fremd geworden.
Wir Kritischen AktionÀrinnen und AktionÀre sind stolz darauf, gerade diese
Menschen vertreten zu dĂŒrfen und von ihnen unterstĂŒtzt zu werden. Auch der Umzug
in unser neues GemeinschaftsbĂŒro mit der Entwicklungsgenossenschaft OikoCredit
ist Ausdruck unserer Kooperation mit engagierten Partnern

Mit einem unserer Schwerpunkt-Projekte 2002 haben wir den vielen Anfragen
Rechnung getragen, die uns seit langer Zeit erreichen: Wir haben Kriterien fĂŒr
ethisches Investment definiert und pĂŒnktlich zur Messe „GrĂŒnes Geld“ veröffentlicht.
Unser Kriterienkatalog ist natĂŒrlich nicht der erste seiner Art, aber viele VorlĂ€ufer
zeichnen sich durch ausgesprochen „weiche“ Regeln aus. Wir wollten die
„hĂ€rtesten“ Kriterien schaffen und damit allen Scharlatanen der Branche die
Leviten lesen. Das große Interesse der Medien und vieler Anlegerinnen und
Anleger hat uns begeistert.

Immer mehr Menschen wollen an RĂŒstungsproduktion, Umweltzerstörung und
Ausbeutung nicht mehr mitverdienen. Immer mehr Menschen suchen nach
ökologisch und sozial vertrÀglichen Geldanlagen. Damit engagieren sie sich
fĂŒr eine gerechtere und friedlichere Welt.

FĂŒr das gleiche Ziel engagieren sich weltweit auch viele Menschen, die kein
Kapital zur VerfĂŒgung haben, die „nur“ ihre Arbeitskraft anbieten können, die
„nur“ ihre Rechte einfordern, die „nur“ in Frieden leben wollen

Aus der Verbindung dieser Engagements wÀchst meine persönliche Hoffnung.
In jedem Fall wird unser Verband seinen Beitrag zu dieser Entwicklung leisten.
DafĂŒr hoffen wir weiterhin auf Ihre UnterstĂŒtzung.

Herzlichst Ihr

Henry Mathews

im MĂ€rz 2003