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Kampagne 1994: Mehr Frauen in Führungspositionen!

Mehr Frauen in Führungspositionen!

Unter den Führungskräften deutscher Großunternehmen
befinden sich weiterhin fast keine Frauen. Dies ergab eine
stichprobenartige Umfrage der Kritischen Aktionärinnen und
Aktionäre bei Konzernen verschiedener Branchen in den
Hauptversammlungen 1994.

Nur 4,4 Prozent der Führungskräfte in den befragten Unter-
nehmen sind demnach Frauen. Ihr Anteil an der gesamten Belegschaft liegt hingegen bei durchschnittlich 20 Prozent.
Die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre kündigten
daraufhin an, die Position der weiblichen Beschäftigten
bei deutschen Konzernen künftig besonders zu stärken.

Auf Initiative ihres Dachverbands hatten sie 1994 in den
Hauptversammlungen verschiedener Aktiengesellschaften
jeweils zehn gleichlautende Fragen zur Situation der weib-
lichen Beschäftigten gestellt. Von neun in die Auswertung
einbezogenen Unternehmen haben acht die überwiegende
Zahl der Fragen beantwortet. Lediglich der Vorstand der
Deutschen Bank gab an, die meisten erbetenen
Informationen „nicht verfügbar“ zu haben.

Der Anteil von Frauen an den Gesamtbelegschaften wird
der Umfrage zufolge auch künftig nur geringfügig ansteigen.
So waren im Schnitt nur 21 Prozent der Auszubildenden und
31 Prozent der neu eingestellten Beschäftigten weiblich.

Maßnahmen zur gezielten Förderung von
Frauen im betrieblichen Alltag und zur
Unterstützung ihrer beruflichen Laufbahn konnten nur wenige Vorstände vorweisen.
Bei einem Drittel der befragten Firmen
gibt es demnach grundsätzlich keinerlei
organisierte Frauenförderung und bei
einem weiteren Drittel mußten Vereinba-
rungen mit dem Betriebsrat oder Sozial-
maßnahmen wie ein außertariflich gewähr-
ter „Babyurlaub“ als Alibis herhalten.

Wie wenig ernst die meisten Konzernlei-
tungen das Thema nehmen, spiegelt auch
die Tatsache, daß nur eine Minderheit der
Unternehmen eine Frauenbeauftragte
beschäftigen oder einen ständigen
Arbeitskreis für Frauenfragen unterhalten.
Aus vielen in den Hauptversammlungen
gegebenen Antworten wurde keine Bereit-
schaft deutlich, die Beteiligung von Frauen
an Leitungsaufgaben bald zu stärken.

So hielt VEW-Vorstand Jürgen Kehse
einen hohen Männeranteil „aufgrund der
technischen Struktur“ für ganz normal in
seinem Unternehmen. Der scheidende
Hoechst-Vorstandschef Wolfgang Hilger
verwies vage auf die Zukunft: „Wir werden
ganz sicher in den nächsten Jahren Frauen
in Führungspositionen haben.“

Die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
kündigten an, auf diese Entwicklung in
Zukunft verstärkt Einfluß zu Gunsten der
weiblichen Beschäftigten zu nehmen.

 

 

 

 

Die Fragen der Kritischen Aktionäre:

1. Wieviel Prozent aller Beschäftigten sind Frauen?

2. Wieviel Prozent der Führungskräfte sind Frauen?

3. Wieviel Prozent der Auszubildenden sind
Frauen?

4. Wieviel Prozent der Beschäftigten, die im
vergangenen Geschäftsjahr eingestellt wurden,

sind Frauen?

5. Hat das Unternehmen eine Frauenbeauftragte?

6. Gibt es im Unternehmen einen ständigen
Arbeitskreis für Frauenfragen?

7. Beraten ggf. der Arbeitskreis oder die Frauen-
beauftragte regelmäßig die Geschäftsleitung
oder den Betriebs- bzw. Personalrat?

8. Findet eine soziale und arbeitsrechtliche
Beratung schwangerer Frauen statt?

9. In wievielen Werken existieren Betriebskinder-
gärten mit finanzieller Unterstützung des
Unternehmens?

10. Wie ist die betriebliche Frauenförderung
organisiert und wie wirkt sie sich auf Einsatz,
Qualifikation und Beförderung der weiblichen

Beschäftigten aus?