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Kampagne 2002/2003: Gleichstellung jetzt!

Gleichstellung jetzt!

Unternehmens-Befragung in Deutschland,
Schweden und der Schweiz

Die Gleichstellung von Frauen und MĂ€nnern wird durch das
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und durch
zahlreiche Bundesgesetze gefordert. Gesetze der meisten
anderen Staaten besagen Àhnliches. Erreicht ist dieses Ziel
jedoch noch nicht – besonders im Berufsleben.

Ethisch orientierte AktionÀrsverbÀnde in drei europÀischen
Staaten haben deshalb im Jahr 2002 Unternehmen nach dem
Stand der Gleichstellung befragt. Wichtige Kennziffern waren
dabei die Anteile von Frauen in FĂŒhrungspositionen und ihr
Einkommen im Vergleich zu mÀnnlichen Kollegen.

In der Schweiz beteiligten sich die ,AktionĂ€rInnen fĂŒr
nachhaltiges Wirtschaften‘ (ACTARES) an der Aktion und
schickten einen ausfĂŒhrlichen Fragebogen an 30 schweizer
Großunternehmen. Die schwedische AktionĂ€rsorganisation
,Sisyfos‘ konnte sich viele dieser Fragen sparen, denn nach
schwedischem Recht mĂŒssen dortige Firmen viele
Informationen zur Gleichstellung, die in anderen LĂ€ndern
mĂŒhsam erfagt werden mĂŒssen, regelmĂ€ĂŸig in ihren
GeschÀftsberichten veröffentlichen.

Der Dachverband der Kritischen AktionÀrinnen und AktionÀre richtete 17 Fragen
zur Gleichstellung an 24 deutsche Konzerne. Dabei bat er um schriftliche AuskĂŒnfte,
kĂŒndigte aber gleichzeitig an, die Fragen nötigenfalls auch mĂŒndlich in der Haupt-
versammlung abzuarbeiten. Daraufhin schickten fast alle befragten Unternehmen
ihre Antworten schon vor den Versammlungen oder bereiteten detaillierte Antworten
des Vorstands vor.

Alle antwortenden Unternehmen gaben den durchschnittlichen Verdienst ihrer
BeschĂ€ftigten bekannt; die Mehrzahl verweigerte jedoch AuskĂŒnfte ĂŒber das
Durchschnittseinkommen von Frauen. Dieser Wert „wird im Berichtswesen nicht
abgebildet“ und „selbstverstĂ€ndlich erfolgt die Bezahlung geschlechtsneutral“,
lauteten die typischen Ausreden fĂŒr diese Heimlichtuerei.

Die Unternehmen, die beide Zahlen vorbildlich mitteilten, gaben trotzdem ein
bescheidenes Bild ab: Bei Allen verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als
MĂ€nner. Eine schlechtere Bezahlung fĂŒr die gleiche Arbeit ist damit zwar nicht belegt,
aber es wird deutlich, dass Frauen hÀufig in geringer bezahlten Positionen arbeiten
als MÀnner. Das Bild der Abteilungsleiterin und ihrem SekretÀr bleibt die krasse
Ausnahme.

Fast alle KonzernvorstĂ€nde konnten zwar fĂŒr Ihre Stammgesellschaft Gleichstellungs-
plĂ€ne vorweisen, gaben ĂŒber die Situation von Frauen bei auslĂ€ndischen Tochterfirmen
aber erschreckende Unkenntnis kund. Gleichstellung in der „Dritten Welt“ scheint kein
Thema zu sein. Die Kritischen AktionÀrinnen und AktionÀre werden die Umfrage-
ergebnisse aus 2002 nutzen, um die Herren auch 2003 auf die Defizite in ihrer
Personalpolitik anzusprechen.