Home
Aktuelles
Konzernkritik
Kampagnen
Mitglieder
Jahresberichte
Stimmrechte
Termine
Links
Volltext-Suche
Kontakt
Kampagne 2004: Menschenrechte statt Konzernmacht!

Menschenrechte statt Konzernmacht!

FĂŒnfzehn BetriebsrĂ€te der Fabrik von
Mercedes Benz in Argentinien sind
1976/1977 wÀhrend der MilitÀrdiktatur
verschwunden. Zeugenaussagen und
Indizien deuten darauf hin, dass sie der
Werksleitung missliebig waren und
deshalb von der MilitĂ€rjunta entfĂŒhrt,
gefoltert und ermordet wurden. Andere
Kollegen entgingen nach der Folterhaft
ihrer Ermordung und klagen das
Unternehmen heute an.

Die Mitschuld der Werksleitung an den
Verbrechen wird bis heute von Staats-
anwÀlten und Richtern in Buenos Aires,
San Francisco und NĂŒrnberg unter-
sucht. Die Konzernleitung von Daimler-
Chrysler bestreitet jede Verantwortung
des Unternehmens, deckt die Schuldi-
gen und verweigert EntschÀdigungen
fĂŒr die Überlebenden und fĂŒr die
Angehörigen der Ermordeten.

Seit die deutsche Journalistin Gaby
Weber den Fall 1999 an die Öffentlich-
keit brachte, haben Kritische AktionÀre
jÀhrlich in den Hauptversammlungen
der DaimlerChrysler AG AufklÀrung
verlangt. Dadurch haben sie erreicht,
dass Vorstandschef JĂŒrgen Schrempp
im Jahr 2002 einlenken musste.

Doch Schrempps ZugestÀndnis ent-
puppte sich rasch als Finte: Im Jahr
2003 bezahlte Daimler eine
„unabhĂ€ngige Expertenkommission“.
Sie bestand aus dem umstrittenen
Völkerrechts-Professor Christian
Tomuschat und zwei seiner HilfskrÀfte.
Und sie sprach Mercedes fast voll-
stÀndig frei von Schuld. Betroffene und
Journalisten haben die Recherche-
methoden und Schlussfolgerungen der
„Kommission“ als unzureichend bis
skandalös bewertet.

Deshalb haben ĂŒberlebende Folter-
opfer und Angehörige ihrer ermordeten
Kollegen am 14. Januar 2004 in den
USA Klage gegen DaimlerChrysler
erhoben. Gleichzeitig prĂŒft die Staats-
anwaltschaft in NĂŒrnberg erneut alle
Beweise gegen den damaligen Merce-
des-Werksleiter Juan Tasselkraut,
der zur Zeit seinen Ruhestand am
SĂŒdatlantik genießt. 

Die I.G. Farben AG i.A. ist zahlungs-
unfÀhig und steht seit dem 11. Novem-
ber 2003 unter Verwaltung einer vom
Gericht bestellten Insolvenzverwalterin.
Damit rĂŒckt sechs Jahrzehnte nach der
Nazidiktatur das Ende des wohl blutig-
sten deutschen Konzerns in greifbare
NĂ€he. Seine ehemaligen Zwangs-
arbeiter dĂŒrften dabei endgĂŒltig leer
aus gehen.

Denn um das Restvermögen der
I.G. Farben und um dessen Teile, die
sich die Schweizer Großbank UBS
einverleibt haben soll, wird unwĂŒrdig
geschachert: Einzelne AktionÀre
versuchen mit Hilfe des schillernden
US-Anwalts Ed Fagen, den grĂ¶ĂŸten
Teil des Kuchens fĂŒr sich zu sichern.
Die letzten „Liquidatoren“ des Unter-
nehmens distanzieren sich zwar von
Fagan, scheinen aber insgeheim
selbst eine Àhnliche Klage zu planen.

Nachdem findige „Investoren“ und
„Liquidatoren“ den Restkonzern I.G.
Farben ĂŒber Jahrzehnte ausgeplĂŒndert
haben, besteht sein Restvermögen
heute aus wenigen Immobilien. Der
Erlös aus ihrem Verkauf dĂŒrfte an
mehrere Banken fließen, denen I.G.
Farben 28 Millionen Euro schuldet.

Deshalb fordern ĂŒberlebende Zwangs-
arbeiter mit UnterstĂŒtzung derKritischen
AktionÀre und vieler weiterer Organi-
sationen in einer gemeinsamen ErklÀ-
rung vom Januar 2004: „Die GlĂ€ubiger-
banken der I.G. Farben – allen voran
die HSH Nordbank – mögen juristi-
schen Anspruch auf ,ihr‘ Geld besitzen.
Moralisch gehört ihnen kein Cent.
Wenn durch den Verkauf der Immo-
bilien der Farben-Tocher AWM KG zum
wahrscheinlich letzten Mal liquide Mittel
des einstigen Mordkonzerns bewegt
werden, darf dieses Restvermögen
nicht stillschweigend in Banktresoren
verschwinden. Die Immobilien wurden
gekauft mit dem Vermögen, das die
Zwangsarbeiter erarbeiten mussten.“

Bislang weisen die Grossbanken HSH
und UBS jede Verantwortlichkeit fĂŒr
das Thema weit von sich. 

So unvergleichlich der nationalsozialistische Massenmord an neun Millionen Menschen
ist und bleiben muss, so deutlich ist die KontinuitÀt zu der Ermordung von 15 Menschen
drei Jahrzehnte spÀter. Die KontinuitÀt besteht im Agieren deutscher Firmen, die
wÀhrend brutaler Diktaturen aus Profitinteresse schwere Menschenrechtsverletzungen
nicht nur geduldet, sondern gefördert, sogar offen gefordert haben.

Niemand behauptet, die heutigen Vorstandsmitglieder der DaimlerChrysler AG seien
persönlich Schuld an der Folterung und Ermordung von BetriebsrÀten wÀhrend der
MilitÀrdiktatur in Argentinien. Niemand behauptet, die letzten Liquidatoren oder die
heutigen AktionĂ€re der I.G. Farben trĂŒgen persönliche Schuld an der Versklavung und
Ermordung zehntausender Zwangsarbeiter. Aber die heutigen VerantwortungstrÀger
dieser Unternehmen stehen in der historischen Schuld, fĂŒr vollstĂ€ndige AufklĂ€rung zu
sorgen und das letztmögliche kleine StĂŒck Gerechtigkeit fĂŒr die Opfer unsagbaren
Unrechts her zu stellen: Im Namen ihrer Firmen können sie sich entschuldigen.
Aus den Konzernkassen können sie EntschÀdigungen zahlen.

DaimlerChrysler muss sich von dem skandalösen Tomuschat-Gutachten distanzieren,
muss die Angehörigen der Ermordeten entschÀdigen und darf den HauptverdÀchtigen
Juan Tasselkraut nicht lĂ€nger vor Strafverfolgung schĂŒtzen. Kritische AktionĂ€rinnen
und AktionÀre werden gemeinsam mit den Opfern und ihren RechtsanwÀlten jahrelang
fĂŒr öffentliches Interesse an diesem Skandal sorgen.

Die GlĂ€ubiger und AktionĂ€re der I.G. Farben mĂŒssen zu Gunsten der ĂŒberlebenden
Zwangsarbeiter auf das letzte Vermögen des einstigen Nazi-Konzerns verzichten.
Gemeinsam mit den Organisationen der Überlebenden wird der Dachverband weiter-
hin die Zocker-AktionÀre anklagen, die sich ohne Geschichtsbewusstsein nur die
eigenen Taschen fĂŒllen wollen. Kritische AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re werden die
Konzernchefs immer wieder an ihre historische Verantwortung erinnern – damit sich
Geschichte nicht wiederholt.

Das Flugblatt zu dieser Kampagne können Sie als PDF-Datei (43 kB) herunterladen
oder gedruckte Exemplare
kostenlos bestellen – gerne auch in grĂ¶ĂŸerer StĂŒckzahl.

Um Menschenrechte in der Wirtschaft durchzusetzen, sind die Kritischen
AktionÀrinnen und AktionÀre dringend auf Spenden angewiesen.
Zuwendungen an den Dachverband sind steuerabzugsfÀhig.

Spendenkonto Nr. 896 22 92
Stadtsparkasse Köln
BLZ 370 501 98