Home
Aktuelles
Konzernkritik
Kampagnen
Mitglieder
Jahresberichte
Stimmrechte
Termine
Links
Volltext-Suche
Kontakt
Kampagne 1997: Social Standards for Global Players!

Social Standards for Global Players!

In zahllosen Fällen wurde in den zurückliegen- den Jahren und Jahrzehnten dokumentiert, daß deutsche Unternehmen ihre Beschäftigten im Ausland – insbesondere in der sogenannten Dritten Welt – unter sozialen und gesundheit- lichen Bedingungen arbeiten ließen, die weder in Deutschland noch in anderen hochindustri- alisierten Staaten zulässig wären.

Doch was für Arbeiter in Deutschland gesundheitsschädlich ist, ist ebenso schädlich für ihre Kollegen in China, Südafrika oder Brasilien. Auf Selbstbestimmungsrechte, die den Belegschaften in Deutschland zustehen, haben auch die Beschäftigten im Ausland einen Anspruch! Deshalb widersprechen doppelte Standards eklatant der sozialen Verantwortung des Eigentums, die Artikel 14 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland definiert. Doppelte Standards verletzen die Menschenwürde. Sie sind durch kein Profitinteresse eines Unternehmens und durch keinen Dividendenanspruch eines Aktionärs zu rechtfertigen.

Die Kleinaktionärinnen und -aktionäre, die sich vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre oder von einer seiner 33 Mitgliedsgruppen vertreten lassen, sind nicht länger bereit, solche doppelten Standards hinzunehmen! Deshalb stellen wir den Vorständen dieses Unternehmens und vieler weiterer deutscher Aktiengesellschaften in den Hauptversammlungen 1997 gleichlautende Fragen nach ihrer Praxis bezüglich weltweiter sozialer Standards:

  • Wie garantiert der Vorstand, daß niemand aufgrund seines Geschlechts, seiner Religion oder aufgrund ethnischer oder sozialer Merkmale diskriminiert wird?
     
  • Wie garantiert der Vorstand, daß niemand aufgrund gewerkschaftlicher oder politischer Betätigung diskriminiert wird?
     
  • Wie garantiert der Vorstand, daß gewerkschaftliche Arbeit nicht behindert wird, daß sich die Beschäftigten gewerkschaftlich frei organisieren können und daß sie ohne jeden Druck in freien, unbehinderten Verfahren betriebliche Interessenvertretungen bilden dürfen?
     
  • Wie garantiert der Vorstand, daß die Interessenvertretungen der Belegschaften aller Betriebe weltweit ohne Behinderung oder Überwachung miteinander kommunizieren und nach eigenem Ermessen regionale, nationale oder internationale Zusammenschlüsse bilden können?
     
  • Wie garantiert der Vorstand, daß keine Zwangs-, Gefangenen- oder Kinderarbeit geleistet wird? (Im Konzern und bei allen Zulieferern!)
     
  • Wie garantiert der Vorstand, daß unabhängig von nationalen Gesetzen und Vorschriften in allen Betrieben weltweit die gleichen sozialen Standards gelten - insbesondere die gleichen Standards für den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz?
     
  • Abschließend fragen wir den Vorstand nach seiner Haltung zu den Konventionen, in denen die Internationale Arbeitsorganisation ILO soziale Mindeststandards festgeschrieben hat. Wurden sie vom Unternehmen offiziell anerkannt? Wurden sie vollständig umgesetzt? Und falls nicht: Warum nicht?

 

 

 

 

Beispiel: Schering in Peru

Jahrelang ließ der Berliner Pharmakonzern Schering seine Beschäftigten im Werk Lima
in Peru ständig unter schleimhautschädlicher Formaldehyd-Begasung und bei krebserre- gender UV-Licht-Bestrahlung arbeiten. Erst als die Kritischen Aktionäre diesen Mißstand in der Hauptversammlung 1989 in Berlin öffentlich anprangerten, stieg das Unternehmen auf gesundheitsverträglichere Desinfektionsmittel um und ließ die UV-Lampen während der Arbeitszeit ausgeschaltet, wie es deutschen und internationalen Arbeitsschutznormen entspricht. Zugegeben hat der Schering- Vorstand die frühere Praxis bis heute nicht.

 

Beispiel: Mercedes in Brasilien

Am 16. Februar 1996 – im Urlaub zu Karneval – schickte ,Mercedes do Brasil‘ 1.213 Beschäftigten per Telegramm ihre sofortigen Entlassungen, die „zur Steigerung der inter- nationalen Wettbewerbsfähigkeit“ notwendig seien. Mitbetroffen waren 415 Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, die gesetzlichen Anspruch auf Kündigungsschutz hatten. „In Brasilien kann man mit den Leuten so umgehen“, konterte Mercedes-Vorstand Bernd Gottschalk die Kritik des Gesamtbetriebsrats.

 

Beispiel: Bayer in Brasilien

Mitte 1996 setzte ,Bayer do Brasil‘ in Belford Roxo, nahe Rio de Janeiro, zwei Mitarbeiter vor die Tür, die „zufällig“ Kandidaten für eine Gewerkschaftswahl waren. Der Konzern ignorierte damit den Kündigungsschutz für Gewerkschafter, der durch brasilianisches
und internationales Recht verbrieft ist. Kollegen aus der ,Durchschaubaren‘- Betriebsratsliste bei Bayer Leverkusen und die Kritischen Bayer-Aktionäre dokumentieren ähnliche
Fälle seit vielen Jahren und konnten bereits Wiedereinstellungen durchsetzen.

 

Beispiel: Hoechst weltweit

Acht Gewerkschafter aus fünf Ländern berichteten 1993 in Deutschland über willkürliche Entlassungen bei Hoechst. Demnach feuerte der Konzern Belegschaftsvertreter unter anderem in Südafrika, Uruguay, Australien und Brasilien, weil sie gegen Gesundheitsgefahren in der Farbenproduktion kämpften, für den Erhalt von Arbeitsplätzen eintraten oder sich erfolgreich gegen „gelbe“ Gewerkschaften engagierten.

 

Beispiel: Bayer in Südafrika

Jahrzehntelang wurden Arbeiter der Bayer- Tochter ,Chrome Chemicals‘ in Durban, Südafrika, mit Chromstaub verseucht. Mindestens acht Arbeiter starben an Lungenkrebs, zwei andere an Tuberkulose.
34 Prozent der Belegschaft erlitten bleibende Gesundheitsschäden. Auch nachdem die Kritischen Bayer-Aktionäre diese Zustände 1991/92 in Deutschland publik machten, leugnete die Leverkusener Konzernleitung
jede Verantwortung
.