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Jobkiller Staat AG
Bundesregierungen jeder politischen Couleur erklären den Kampf gegen die Arbeits- losigkeit zu ihrem wichtigsten Anliegen. Gleichzeitig
privatisieren sie die großen Staatsunternehmen und lassen deren Managern freie Hand bei der „Modernisierung“ der angeblich verstaubten Behörden. Ergebnis ist die Vernichtung zehntausender Stellen – politisch
legitimiert im Zeichen des Shareholder value.
So beseitigt der Vorstand der Deutschen Post AG 12.000 Arbeitsplätze, um den Konzern vermeintlich „fit für den Wettbewerb“ zu machen. Zur Hauptversammlung im Juni 2001 haben fast 1.500 Besitzer der „Aktie Gelb“ ihre Stimmen an die Kritischen Aktionäre übertragen, um gegen diese Personalpolitik zu protestieren.
„Sie versuchen auch im Sozialdumping eine Spitzenposition einzunehmen“, hielt die Kölner Bundestagsabgeordnete und Kritische Aktionärin
Ulla Lötzer dem Post- Vorstand vor. „Viele Beschäftigte, die im Vertrauen auf Ihre Zusage Aktien gekauft haben, hatten nur Wochen später die Kündigung auf dem Tisch, weil ihr Arbeitsplatz ausgelagert wurde. Diese
und viele andere Menschen, würden heute keine einzige Ihrer Aktien mehr kaufen.“
Die Einkommen der befristet Beschäftigten wurden Anfang 2001
bis zu 29,9 Prozent gekürzt, berichtete Lötzer unter dem Applaus vieler anwesender Belegschafts- aktionäre. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten bei einem Gehalt von cirka 3.000 Mark monatlich noch auf 500 Mark verzichten.“
Die Kritiker warfen dem Management des gelben Riesen vor, Aufträge für Verkehrs- und Transportleistungen an Fremdunternehmen zu vergeben.
„Damit betreibt der Post-Vorstand ruinöses Lohndumping und hebelt Tarifverträge aus“, entrüstete sich auch der Geschäftsführer des Dachverbands, Henry Mathews. Trotz erheblicher Steigerung der
Mitarbeiterproduktivität zerstöre der Vorstand so langfristig des Wissenspotenzial der Deutschen Post und damit die Grundlage des Unternehmens- erfolgs. Die steigende Arbeitsbelast-ung für die Beschäftigten und der
Ausbau ungeschützter Arbeitsverhältnisse bei Tochterfirmen hätten die Zuverlässigkeit und Qualität des Dienstleistungsangebotes ebenso verschlechtert wie die fortgesetzte Schließung vieler Postfilialen.
Auch dem Vorstand der Deutschen Telekom AG werfen die Kritischen Aktionäre eine „völlig irrationale Personalpolitik“ vor. Bereits seit 1998 weisen sie in den Hauptver- sammlungen auf die überzogenen Stellenstreichungen hin, die die Beschäftigten unter enormen Leistungsdruck setzen, sie zu massiven Überstunden zwingen und den Krankenstand in die Höhe treiben.
Wie bei der Post führe der Rationalisierungswahn auch bei der Telekom zu unzufriedenen Beschäftigten und unzufriedenen Kunden, warnen die
Kritischen Aktionäre. Damit gefährdeten die Vorstände langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und dienten deshalb nur scheinbar den Interessen der Investoren.
Nach dem Börsengang der Deutschen Bahn AG wird der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre auch deren Vorstand in die Pflicht nehmen. Verschlech- terte Arbeitsbedingungen und Stellenvernichtung beschäftigen längst Medien und Gewerkschaften. Die ausgedünnte Personaldecke verschlechtert den Kundenservice und gefährdet sogar die technische Sicherheit des Bahnbetriebs. Die vom Vorstand geplante Schließung von acht Ausbesserungswerken verschärft diesen Mißstand und bedroht 6.000 Arbeitsplätze.
Für die Belegschaftsaktionäre und alle anderen sozial und ökologisch verantwortungsbewußten Anteilseigner der drei großen deutschen
Staatskonzerne wird der Dachverband ein verlässlicher Anwalt bleiben.
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