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Adidas Hauptversammlung 2003

,Saubere’ Kleidung
durch gerechte Arbeitsbedingungen

In der Hauptversammlung der Adidas-Salomon AG am 08. Mai 2003 sprach der
Kritische AktionĂ€r Maik Pflaum im Namen der Kampagne fĂŒr ,saubere’ Kleidung
und des Dachverbands der Kritischen AktionÀrinnen und AktionÀre. Hauptberuflich
arbeitet er bei der Christlichen Initiative Romero, die gemeinsam mit 250 weiteren
entwicklungspolitischen, gewerkschaftlichen und kirchlichen Organisationen die
Kampagne fĂŒr ,saubere’ Kleidung ins Leben gerufen hat und sich fĂŒr die Verbes-
serung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie einsetzt.

Maik Pflaum sagte zu den versammelten AktionÀrinnen und AktionÀren:

Im GeschÀftsbericht 2002 der adidas-Salomon AG steht auf Seite 106 unter
„Soziales und Umwelt“ zu lesen: „adidas-Salomon legt großen Wert auf sozial- und umweltvertrĂ€gliche GeschĂ€ftspraktiken.“ Dies gelte auch fĂŒr die Beschaffungskette.

Im Kodex der adidas-Salomon AG,
den Standards of Engagement, ist
u.a. aufgefĂŒhrt: „Löhne und Sozial-
leistungen: Unsere GeschÀftspartner
erkennen an, dass Grundlöhne min-
destens den Lebensunterhalt und
darĂŒber hinaus einige zusĂ€tzliche
Ausgaben abdecken mĂŒssen.“

Unter Koalitionsfreiheit finden wir:
„GeschĂ€ftspartner haben das Recht
jedes Mitarbeiters, Vereinigungen
nach eigener Wahl beizutreten bzw.
solche zu grĂŒnden, anzuerkennen
und zu respektieren.“ Soweit der
Verhaltenskodex.

Ich spreche heute zu Ihnen, weil ich
sehr besorgt bin ĂŒber Berichte von
Arbeitsrechtsverletzungen, die dem
Anspruch der adidas-Salomon AG
deutlich widersprechen:

Maik Pflaum ging zwei mal ans Redepult und griff den
Adidas-Vorstand wegen ausbeuterischer Arbeitsbedin-
gungen in EntwicklungslĂ€ndern an.   
Foto: Marco Fischer

In vielen LĂ€ndern, in denen Produkte fĂŒr die adidas-Salomon AG hergestellt werden, wird den ArbeitskrĂ€ften ein Lohn bezahlt, der weit unter dem Standard liegt, der eine Befriedigung der GrundbedĂŒrfnisse der Arbeiter und Arbeiterinnen abdecken könnte. Dies ist auch Gegenstand einer Beschwerde, die die Kampagne fĂŒr ,saubere’ Kleidung vor dem Nationalen Kontaktpunkt der OECD, dem Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Arbeit, eingelegt hat.

In El Salvador erhalten die NĂ€herInnen den Mindestlohn von 144 US-$ im Monat und mĂŒssen dafĂŒr mindestens 44 Stunden pro Woche arbeiten. UnabhĂ€ngige Institutionen gehen davon aus, dass drei bis fĂŒnf dieser Mindestlöhne nötig wĂ€ren, um die GrundbedĂŒrfnisse einer Familie abdecken zu können. ArbeiterInnen, die Vollzeit fĂŒr die adidas-Salomon AG nĂ€hen, sind somit gezwungen, ein Dasein in bitterer Armut zu fristen.

Damit nicht genug: im adidas-Zulieferbetrieb Hermosa in El Salvador befĂŒrchten die ArbeiterInnen ihre Entlassung, wenn sie ihr Recht auf gewerkschaftliche Organisation ausĂŒben wollen. ArbeiterInnen, die sich in Hermosa um eine Anstellung bewerben und vorher in einer Fabrik mit Gewerkschaftsvertretung beschĂ€ftigt waren, dĂŒrfen auf Anweisung der Personalchefin nicht eingestellt werden.

Beide FĂ€lle sind Beispiele fĂŒr einen klaren Bruch des adidas-Salomon- Verhaltenskodex sowie der Normen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO.

Besorgniserregend ist auch die Antwort des Vorstandsmitglieds Manfred Ihle auf den Redebeitrag der Kritischen AktionĂ€re in der Hauptversammlung der adidas-Salomon AG im letzten Jahr: Herr Ihle erklĂ€rte hier vor allen AktionĂ€ren und AktionĂ€rinnen, dass es in der Weltmarktfabrik Chi Fung in El Salvador keinen Schwangerschaftstest gebe und dass Probleme mit verschmutztem Trinkwasser – wie von der Kampagne fĂŒr ,saubere’ Kleidung angemahnt – ausgerĂ€umt seien. Diese Antwort gab Herr Ihle am 08. Mai letzten Jahres.

Im Juli recherchierte ein Fernsehteam des ZDF in El Salvador. Es stieß auf den gegenteiligen Sachverhalt: das Wasser in der Fabrik Chi Fung war hochgradig mit Bakterien verschmutzt. Arbeiterinnen berichteten, dass erzwungene Schwangerschafts- tests an der Tagesordnung waren. Dies war mehre Wochen NACH den ErklĂ€rungen von Herrn Ihle hier vor diesem Publikum. Was bedeutet dies?

Es bedeutet, dass nicht einmal der Vorstand der adidas-Salomon AG ĂŒber die Bedingungen informiert ist, unter der Kleidung fĂŒr die adidas-Salomon AG  hergestellt wird. Dies bedeutet auch, dass das Kontrollsystem, welches adidas-Salomon aufgebaut hat, um die Einhaltung des firmeneigenen Kodex zu ĂŒberwachen, nicht oder nur unzureichend greift.

Erfahrungen der  internationalen Kampagne fĂŒr ,saubere’ Kleidung unterstreichen u.a. die Unverzichtbarkeit einer unabhĂ€ngigen, institutionalisierten Kontrolle der Arbeitsbedingungen unter Beteiligung von Gewerkschaften und NGOs aus Nord- und SĂŒdlĂ€ndern.

Den Angeboten der Kampagne fĂŒr ,saubere’ Kleidung, gemeinsam solche unabhĂ€ngigen Kontrollsysteme zu erproben, hat sich adidas-Salomon bislang stets entzogen. Im Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche ist die Kooperationsbereitschaft von adidas-Salomon gegenĂŒber kritischen Stakeholdern bedauerlich gering.

Ich frage den Vorstand und den Aufsichtsrat der adidas-Salomon AG: Welche Schritte gedenken Sie zu unternehmen, um diese gravierenden Arbeitrechtsverletzungen bei der Herstellung von Produkten, die Sie vertreiben, zu unterbinden?

Ich frage Sie auch: Wie stehen Sie zu einer unabhĂ€ngigen, institutionalisierten Kontrolle? Ihre Mitgliedschaft in der FLA, der Fair Labor Association, ist keine ausreichende Antwort auf diese drĂ€ngenden Fragen. Die genannten Beispiele haben gezeigt, wie wenig verlĂ€sslich die Arbeit der FLA ist. Außerdem sieht sie keine institutionalisierte Einbeziehung lokaler Akteure vor.

Solange die Sorgen ĂŒber die Arbeitsrechtsverletzungen bei der Herstellung von adidas-Salomon-Produkten nicht ausgerĂ€umt werden können, ist es mir nicht möglich, fĂŒr eine Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats zu stimmen.


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