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Allianz Hauptversammlung 2003

Allianz erlebt erstmals Kritische Aktionäre

Arbeitsplatzerhalt und Schuldenerlass auf der Tagesordnung

Für die geplante Vernichtung von mindestens 7.800 Arbeitsplätzen bei der neu erworbenen Tochter Dresdner Bank musste sich der Vorstand der Allianz AG Holding in der Hauptversammlung am 12. Juni 2002 rechtfertigen. Erstmals in der Geschichte des Versicherungsgiganten besuchten Kritische Aktionärinnen und Aktionäre seine Versammlung. „Bei Jahresüberschüssen von 1,6 Milliarden Euro der Allianz und 1,1 Milliarden der Dresdner Bank mißachten Sie Ihre soziale Verantwortung, wenn Sie tausende Menschen auf die Straße setzen“, hielt Dachverbands-Sprecher Henry Mathews der Konzernleitung vor.

Entschädigungen für Apartheid-Opfer

Wie Ihr Kollege Theo Kneifel in der Hauptversammlung der Deutschen Bank sprach auch die Kritische Aktionärin Dorothea Kerschgens für die Kampagne ,Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika‘. Sie forderte die Streichung aller Schulden aus der Zeit der Apartheid. Nach der Übernahme der Dresdner Bank sei nun auch die Allianz verantwortlich für die Spätfolgen der Bankgeschäfte mit dem Apartheidregime. Die Unterstützung der Dresdner Bank für die Regierung während der Apartheidära nannte Kerschgens „eine belastende Hypothek“, die die Allianz mit in die Zukunft nehmen werde.

„Es wäre hilfreich“ appellierte die Kritische Aktionärin an die Vorstände beider Unternehmen, „wenn Allianz und Dresdner ihre wiederholte Aussage belegen würden, sie hätten das Apartheidregime nicht unterstützt, sondern im Gegenteil stets auf ein Ende von Apartheid hingewirkt.“ Sie forderte Auskunft, welche konkreten Entscheidungen seinerzeit getroffen und welche Bedingungen dem Regime gestellt wurden, um die Apartheid zu beenden.

„Ich stelle diese Fragen“ erläuterte Kerschgens, „weil die Dresdner Bank Mitglied des technischen Kommitees war, das die drei Umschuldungsverhandlungen mit Südafrika geführt hat, und weil sie Anleihen in Milliardenhöhe für Südafrika gewährte – gerade auch in politisch brisanten Zeiten. Die Einschätzung, dass ein Wirtschaftsboykott Südafrika schade, wie wir es in den 80er Jahren immer wieder hörten, wurde von uns nicht geteilt, erst recht nicht von der Oppositionsbewegung im Land. Sie wurde auch im Bericht der Wahrheits- und Versöhungskommission widerlegt. Dort wird ausdrücklich festgehalten, dass ein Wirtschaftsboykott Südafrika früher von der Geisel Apartheid befreit hätte, und dass die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung das Leiden noch verlängert hat.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Es habe Jahrzehnte geduldiger Arbeit erfordert, die ehemaligen Zwangsarbeiter der deutschen Naziherrschaft zu entschädigen, erinnerte Kerschgens und forderte: „Es soll nicht eine ebenso lange Zeit dauern, bis Apartheidopfer entschädigt werden. Wenn es auch gewaltige Unterschiede zwischen den Verbrechen des Nationalsozialismus und denen des Apartheidregimes gibt, so sehen wir auch einen Zusammenhang. Beides waren Verbrechen gegen die Menschheit, waren Kriegsverbrechen und waren Verbrechen gegen den Frieden. Wegen der wiederholten Verurteilungen durch die UNO, wegen der Berichterstattung in allen Medien, wusste die politisch interessierte Welt, was in Südafrika passierte. Wir beklagen, dass die Dresdner Bank trotz der massiven Menschenrechtsverletzungen, trotz der Warnungen der Oppositonsbewegung enge Geschäftsbeziehungen hatte.“

Die Finanzierung des Apartheidregimes durch ausländische Banken sei bis heute ein aktuelles Thema, gab Kerschgens zu bedenken, denn „die Schulden des Aparteidsystems wirken sich bis heute auf den Spielraum der Regierung Südafrikas aus. Ein Fünftel des Staatshaushaltes muss jedes Jahr für Schuldentilgung eingestellt werden. Dadurch fehlen bitter notwendige Gelder – zum Beispiel für die AIDS-Prävention. Die Regierung hat auch die Verpflichtung, die Opfer von Apartheid zu entschädigen, wie es die Wahrheits- und Versöhnungskommission empfohlen hat.“

Auf konkrete Antworten der Konzernleitung musste Dorothea Kerschgens vergeblich warten. Dresdner-Bank-Chef und Allianz-Vorstandsmitglied Bernd Fahrholz beschränkte sich auf die lapidare Auskunft, alle Kredite und Anleihen hätten „nur zivilen Zwecken“ gedient und „eher zur Beendigung der Apartheid geführt.“ Immerhin erklärte er sich bereit zu weiteren Gesprächen mit Vertretern der Kampagne für Entschuldung und Entschädigung.


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