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Allianz Hauptversammlung 2004

Soziale Verantwortung fĂŒr heute und gestern!

Redebeitrag von Henry Mathews im Namen des Dachverbands der Kritischen
AktionÀrinnen und AktionÀre, der
Koordination SĂŒdliches Afrika (KOSA) und der
Internationalen Kampagne ,Entschuldung und EntschĂ€digung im sĂŒdlichen Afrika‘
in der Hauptversammlung der Allianz AG am 05. Mai 2004 in MĂŒnchen:


Meine Damen und Herren,

mit den Stimmen, die uns AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re der Allianz ohne Weisungen ĂŒbertragen haben, werden wir heute dem Vorstand und dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern, und ich möchte Ihnen erlĂ€utern, warum:

Im vergangenen Jahr hat die Allianz AG trotz eines Rekord-Verlustes 1,50 Euro Dividende pro Aktie ausgeschĂŒttet. FĂŒr Sie als AktionĂ€re war das Geld da, aber nicht fĂŒr die Menschen, die Ihre Dividende erarbeiten sollten. 8.000 ArbeitsplĂ€tze hat dieser Vorstand im vergangenen Jahr vernichtet.

In diesem Jahr verbucht der Konzern 1,6 Milliarden Euro Gewinn, aber fĂŒr mehr BeschĂ€ftigung ist wieder kein Geld vorgesehen. Stattdessen will der Vorstand allein bei der Tochter Dresdner Bank bis Jahresende 4.700 weitere Jobs vernichten.

Diese GeschĂ€ftspolitik ist sozial unausgewogen und schĂ€dlich fĂŒr unsere Volkswirtschaft und unser Land. Deshalb werden wir den Vorstand ebenso wie den Aufsichtsrat, dessen Mehrheit diese Personalpolitik stĂŒtzt, nicht entlasten.


Apartheid-Opfer entschÀdigen!

Bleiben wir beim Thema soziale Verantwortung: Mit dem Corporate Governance Kodex und vor allem durch die Anerkennung der Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen haben die Allianz AG und ihre Tochter Dresdner Bank unternehmerische Verantwortung akzeptiert, fĂŒr die sie gerade stehen wollen, und fĂŒr die sie auch haftbar gemacht werden können.

Das schließt moralische Verantwortung ausdrĂŒcklich ein. Das muss moralische, ethische, soziale Verantwortung mit einschließen. Und diese Verantwortung besteht nicht nur gegenĂŒber Kapitalgebern – also Ihnen, sehr geehrte AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re – sondern auch und vor allem gegenĂŒber den Menschen, die vom GeschĂ€ftsgebaren der Allianz und der Dresdner betroffen sind oder betroffen waren.

DeshalbdĂŒrfen wir nicht nur, nein, als verantwortliche AktionĂ€re mĂŒssen wir hier in der Hauptversammlung sogar fragen, ob der Vorstand dieser sozialen Verantwortung gerecht wird. Deshalb mĂŒssen wir z.B. auch fragen, wie der Vorstand heute mit der BĂŒrde um geht, die aus GeschĂ€ften der Dresdner Bank mit dem frĂŒheren Apartheidregime in SĂŒdafrika entstanden ist.

Vor wenigen Tagen hat SĂŒdafrika zehn Jahre Freiheit und Demokratie gefeiert. Das haben Sie in Ihren Tageszeitungen und in den Fernsehnachrichten verfolgt. Freiheit und Demokratie haben die Menschen in SĂŒdafrika errungen – alle, unabhĂ€ngig von Hautfarbe und Herkunft. Aber die soziale Ungleichheit ist geblieben. Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich leider nicht verĂ€ndert.

Was hat das mit der Tagesordnung dieser Hauptversammlung zu tun? Es hat leider sehr viel damit zu tun, weil das Erbe von Apartheid noch lange seine Schatten wirft, und weil die Dresdner Bank mit Apartheid aktiv zu tun hatte.

Die Verantwortlichen der Dresdner Bank wehren sich gegen den Vorwurf, sie hĂ€tten die Apartheid willentlich unterstĂŒtzt und sie damit willentlich verlĂ€ngert. Tatsache ist aber: Durch ihre und durch die Zusammenarbeit anderer Banken und Firmen mit dem rassistischen Regime in SĂŒdafrika wurde die Apartheid verlĂ€ngert!

Deshalb haben Opfer der Apartheid sechs deutsche Unternehmen auf Schadenersatz verklagt. In der Klage gegen die Dresdner Bank und andere Firmen in New York geht es um die „secondary liability“ – um die Mitverantwortung fĂŒr Apartheid – um die Mitverantwortung fĂŒr Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Bevor ich zu meinen Fragen an den Vorstand komme, möchte ich Ihnen mit einem kurzen Zitat verdeutlichen, vor welcher Gesamtfrage wir hier stehen. Michael Hausfeld, einer der AnwĂ€lte der KlĂ€ger, fragte bei einer Rede in SĂŒdafrika im Oktober 2003:

„Worin besteht die Verantwortung der sekundĂ€ren TĂ€ter? Besteht ihr Vergehen oder ihr Irrtum nur in einem Falschverhalten, das durch ein EingestĂ€ndnis ausgelöscht oder gesĂŒhnt werden könnte? Falls sie behaupten, sie hatten ja nur GeschĂ€fte getĂ€tigt oder Weisungen befolgt, wird ihnen dann im Namen von Handel und Business vergeben? Oder haben sie eine Verpflichtung gegenĂŒber den Opfern jenes kriminellen Verhaltens, das sie wissentlich unterstĂŒtzten und förderten? Gibt es eine Form der Gerechtigkeit, die sie gegenĂŒber denen, die sie zu verletzen halfen, verantwortlich macht?“

Ich will Ihnen die Antwort, die Hausfeld selbst auf seine Fragestellung gab, nicht vorenthalten, denn sie betrifft ganz konkret die Dresdner Bank und damit die Allianz AG. Anwalt Michael Hausfeld sagte:

„Internationales und sĂŒdafrikanisches Recht kennen die Haftung von HaupttĂ€tern. Beide kennen aber auch die Haftung von jenen, die bei einer unerlaubten Tat helfen, unterstĂŒtzen oder sonst wie wissentlich daran teilnehmen.“

Wie geht nun der Vorstand von Allianz / Dresdner mit dieser Haftung, mit dieser Verantwortung um?

Auf dem Kirchentag 2003 in Berlin begann eine Unterschriften-Sammlung, um die Forderungen der EntschĂ€digungs-Kampagne zu unterstĂŒtzen. Am 16. Dezember, der als der Tag der Versöhnung in SĂŒdafrika gefeiert wird, wurden die ĂŒber 4.000 Unterschriften an Deutsche, Dresdner und Commerzbank, sowie an DaimlerChrysler und Rheinmetall ĂŒbergeben. Mitarbeiter der Dresdner Bank waren bereit, sie in der zugigen, lauten Eingangshalle in Frankfurt entgegen zu nehmen. Mehr nicht!

Ein souverÀneres Vorgehen hÀtte diesem angeblich so verantwortungsvollen Unternehmen gut zu Gesicht gestanden!


Deshalb frage ich den Vorstand:

  • Warum haben Sie – im Gegensatz zu anderen Banken – bisher kein GesprĂ€ch mit der Kampagne fĂŒr Entschuldung und EntschĂ€digung im SĂŒdlichen Afrika gefĂŒhrt? Der Hinweis auf ein schwebendes Verfahren in New York reicht nicht als Ausrede.
     
  • Warum nehmen Sie inhaltlich keine Stellung zu den Fakten und Zahlen, die Vertreter der Kampagne Ihnen vorgelegt haben?
     
  • Warum verweigern Sie sich der Forderung nach Öffnung Ihrer Archive aus der Apartheidzeit, wenn ihr Gewissen so rein ist? Warum verweigern Sie eine Aufarbeitung der GeschĂ€fte wĂ€hrend der Apartheidzeit?
     
  • Wie wollen Sie glaubwĂŒrdig zeigen, dass ethische MaßstĂ€be in der GeschĂ€ftspolitik eine Rolle spielen, wenn Sie sich weigern, sie auch fĂŒr die Vergangenheit Ihres Unternehmens anzulegen?
     
  • Wollen Sie sich erst durch die Klage und einen Prozess zur EntschĂ€digung zwingen lassen, anstatt faire Verhandlungen zu beginnen?
     
  • Warum entschĂ€digen Sie nicht freiwillig die Opfer der Apartheid, an der dieses Unternehmen mit verdient hat?

Meine Damen und Herren, wenn die Konzernleitung von Allianz / Dresdner ihren
bisherigen Kurs der VerdrÀngung und Verleugnung bei behÀlt, können wir diesen
Vorstand und diesen Aufsichtsrat nicht entlasten. Dann muss ich auch Sie bitten:
Stimmen Sie gegen die Entlastungen!

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Antworten des Vorstands:

Vorstandsvorsitzender Michael Diekmann sagte, die geplanten Streichungen von ArbeitsplĂ€tzen bei der Dresdner Bank seien „im Interesse des Gesamtunterneh- mens“ unverzichtbar. Die Allianz habe insbesondere bei der Aufarbeitung der Geschichte des Unternehmens wĂ€hrend der Naziherrschaft ihre soziale Verantwortung unter Beweis gestellt.

Vorstandsmitglied Herbert Walter erklĂ€rte, die Dresdner Bank weise die VorwĂŒrfe
im Zusammenhang mit der in den USA eingereichten Klage von Apartheid-Opfern zurĂŒck. Die Bank habe die Apartheid nicht unterstĂŒtzt und das Völkerrecht nicht verletzt. Die sĂŒdafrikanische Regierung lehne die Klagen ab, weil sie hinderlich fĂŒr den Versöhnungsprozess seien. Deshalb und wegen des schwebenden Verfahrens bestehe kein Anlass fĂŒr die Öffnung


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