Home
Aktuelles
Konzernkritik
Kampagnen
Mitglieder
Jahresberichte
Stimmrechte
Termine
Links
Volltext-Suche
Kontakt
Hoechst Hauptversammlung 1999

Kritische Aktionäre fordern sozial gerechte Fusion

Zur Fusion der Firmen Hoechst und Rhone-Poulenc zum neuen Aventis-Konzern
erklärte der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre anläßlich der
außerordentlichen Hauptversammlung der Hoechst AG am 15./16. Juli 1999:

Der fusionierte Konzern Aventis wird eine Aktiengesellschaft nach französischem
Recht sein. Dies benachteiligt die deutschen Aktionäre der bisherigen Hoechst AG:
Die Hauptversammlungen werden künftig in Frankreich und in französischer Sprache
stattfinden. Vor allem aber sind die Regelungen zum Minderheitenschutz im franzö-
sischen Aktienrecht schlechter ausgeprägt als im deutschen. Beispielsweise gibt es
dort für Kleinaktionäre nicht die Möglichkeit, schriftliche Gegenanträge mitteilen zu
lassen. Um die Tagesordnung um zusätzliche Punkte zu erweitern, müssen Aktionäre
zwischen 0,5 und 5 Prozent des Grundkapitals besitzen.

Auch die Beschäftigten des bisherigen Hoechst-
Konzerns verlieren wichtige Rechte. So wird es
Arbeitnehmer-Vertreter in den Aufsichtsräten nur
noch in den Teilen des Aventis-Konzerns geben,
die selbst Aktiengesellschaften nach deutschem
Recht sind. Eine Mitbestimmung im Aufsichtsrat
der obersten Konzern-Holding wird es jedoch nicht
mehr geben.

Der Hoechst-Vorstand hat die Tochterfirma „Infra-
Serv“ beauftragt, mit der Leiharbeiter-Firma „Man-
Power“ das Gemeinschaftsunternehmen "InfraPower"
zu gründen. Hoechst-Beschäftigte, die durch die
Fusion ihre Arbeitsplätze verlieren, sollen bei Infra-
Power „geparkt“ werden, um sie an andere Unter-
nehmen auszuleihen. Dadurch will der Hoechst-
Vorstand teilweise die fälligen Abfindungen ein-
sparen, die den Beschäftigten zustehen. Dieses
Sozial-Dumping ist unverantwortlich!

Der Vorstand muß allen bisherigen Beschäftigten
bei Hoechst bzw. Rhône-Poulenc garantieren,
daß ihre Arbeitsplätze zu den bisherigen Lohn- und Sozialstandards langfristig erhalten bleiben.
Andernfalls ist die Fusion abzulehnen!

Kritische Aktionäre
gegen Vernichtung von
10.000 Arbeitsplätzen

Zur Hauptversammlung der Hoechst AG
am 09. Dezember 1999 beantragte der
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen
und Aktionäre, Vorstand und Aufsichtsrat
die Entlastung für ihre Arbeit zu verweigern,
und schrieb zur Begründung

„Vorstand und Aufsichtsrat bereiten für die
Fusion von Hoechst mit Rhône-Poulenc die
Vernichtung von mehr als 10.000 Arbeits-
plätzen vor. Allein bei HMR sollen 1.520
Stellen in der Forschung, 1.700 im Marketing,
2.000 in der Verwaltung und 5.400 in der
Produktion wegfallen.

Die angeblich zukuftssichernde Fusion wird
dadurch zukunftszerstörend für 10.000 Men-
schen, die seit vielen Jahren die Dividenden
für die Eigentümer des Konzerns erarbeitet
haben.

Der Hoechst-Konzern ist einer der faktischer Nachfolger des einstigen Chemiekartells
I.G. Farben. Hoechst schuldet den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die
während des Nationalsozialismus von der I.G. Farben ausgebeutet wurden, Entschädi-
gungen in Milliardenhöhe. Es ist unverantwortlich, die Hoechst AG in eine Fusion einzu-
bringen, bevor diese Schuld getilgt ist!

Da die Einrichtung des sogenannten Entschädigungs-Fonds der deutschen Unterneh-
men derzeit de facto auf Eis liegt, muß der Hoechst-Vorstand VOR der Fusion definitiv
erklären, wann er welche Summen zur Entschädigung der I.G.-Farben-Zwangsarbeiter
bereitstellen will und wie die Entschädigung NACH der Fusion mit dem französischen
Partner geregelt werden soll!