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BASF Hauptversammlung 2000

Eine Milliarde Mark für soziale Verantwortung

BASF soll Grundsatz “Eigentum verpflichtet” ernst nehmen

Professor Jürgen Rochlitz von der ,Aktion alternativer BASF-Aktionäre' (AABA)
riskierte in der BASF Hauptversammlung 2000 den Zorn der Anteilseigner.
Er beantragte, aus dem Bilanzgewinn des Chemieriesen 100 Millionen Mark
für die Erhaltung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen zu verwenden und weitere
900 Millionen Mark für das Projekt ,Eigentum verpflichtet' bereitzustellen.

“Im Grundgesetz Artikel 14”, erinnerte Rochlitz, “steht das Kernziel einer sozialen Marktwirtschaft: ,Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.' Im Zeichen der Globalisierung und Liberalisierung wird dieses Ziel nicht mehr wahrgenommen. Stattdessen dominieren die Interessen der Anteils- eigner, beherrscht das Wohl der Konzerne, Banken, des Kapitals schlechthin die Marktwirtschaft.”

Die herausragende ökonomische Situation der BASF ermögliche es, so Rochlitz weiter, diesem Trend entgegen zu wirken durch die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen. Hierzu erforderlich seien die Reduktion der Wochenarbeitszeit auf weniger als 35 Stunden, eine Produktpalette mit wahrhafter Zukunftsverantwortung, eine erhöhte Anlagensicherheit, die Kontaktaufnahme zu überlebenden Zwangs-arbeitern und die Zahlung von Entschädigungen an sie.

Innehalten bei der Fixierung auf Börsenkurs und kurzfristige Rendite

“Bei vordergründiger und oberflächlicher Betrachtung mag Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre eine solche Arbeitsplatz-Debatte langweilig und deplaziert erscheinen”, begründete der AABA-Sprecher seine Anträge. “Zumindest wollen Sie sich Ihre Jubelstimmung über eine erneut erhöhte Dividende nicht nehmen lassen.
Vor allem wollen Sie sich nichts von Ihrer schon versprochenen Dividende nehmen lassen – schon gar nicht in dem von uns beantragten Umfang.

Dennoch sollten Sie einmal innehalten bei Ihrer Fixierung auf Börsenkurs, Börsenren- dite und kurzfristige Gewinnaussichten. Vor allem wer von Ihnen seine Aktien als Teil seiner Alterssicherung oder gar von Familienvermögen für die nächste Generation betrachtet, dürfte sich unserer Argumentation nicht verschließen; denn mit den von uns vorgeschlagenen Investitionen und Umstrukturierungen sollen auf lange Sicht auch Ihre Dividenden gesichert werden.

Dies ist für uns nur möglich mit einer Belegschaft, deren hohe Motivation nicht durch Ängste vor Arbeitsplatzverlusten oder schleichender Minderung ihrer sozialen Sicherheit geschmälert wird. Und diese Angst geht um in der BASF-Belegschaft, dies sollte Sie nicht ungerührt lassen. Stetiger Personalabbau seit Jahren, Verkauf von Geschäftsfeldern, Umstrukturierungen durch Bildung von Holdings und Joint Ventures verunsichern einerseits die Belegschaft und dienen andererseits dem Vorstand als Ausweis für Profitsteigerung.

Interessen der Beschäftigten vorrangig behandeln

Bisher haben immer noch kurzfristige Unternehmensinteressen Vorrang vor denjenigen der Mitarbeiter gehabt. Dies zeigte sich, mit welcher Zähigkeit seitens des Vorstandes über betriebsbedingte Kündigungen und Rückkehrrechte für die Textilfarbenmitarbeiter sowie eine neue Vereinbarung 2004 verhandelt wurde.

Über Mitarbeiterinteressen wird immer erst verhandelt, wenn die Vorstandsentschei- dungen zu Gunsten des Shareholder Value gefallen sind. Jüngste Beispiele finden sich im Pharma-, Textilfarben- und im Pflanzenbiotechnikbereich. Die – wie ein Betriebsrat anschaulich formulierte – ,bis auf die Unterhose' erfolgte Flexibilisierung soll zu Gunsten des Unternehmens und zu Lasten der Beschäftigten weiter getrieben werden bei der Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen und des Entgelts.

Diese Kurzfriststrategie wird keine Zukunft haben, widerspricht sogar den vom Vor- stand formulierten Leitlinien, in denen es heißt: ,Die BASF richtet Denken und Handeln an den Leitgedanken des Sustainable Development aus, indem sie die Mitarbeiter anforderungs- und leistungsgerecht entlohnt und angemessene und zukunftsfähige Arbeitsplätze bietet und wirtschaftliche Tätigkeit im Bewußtsein sozialer und gesell- schaftlicher Verantwortung im Einklang mit einer nachhaltigen, zukunftsverträglichen Entwicklung ausübt.'

Unsere Finanzanträge sollen dazu dienen, das unternehmerische Handeln der BASF tatsächlich dieser Zielformulierung unterzuordnen.”


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