Commerzbank fĂĽr Interesse an bulgarischem Atomkraftwerk kritisiert
Zur Hauptversammlung am 17. Mai 2006 in Frankfurt rĂĽgte ein breites BĂĽndnis von Organisationen die Commerzbank fĂĽr ihr Interesse am
Bau des bulgarischen Atomkraftwerks Belene. „Kaum ergibt sich die Möglichkeit, beim Bau eines risikoreichen Atomkraftwerks dabei zu sein, stehen deutsche Banken Schlange, die Commerzbank vorne weg,“ wunderte
sich Heffa Schücking, Geschäftsführerin von Urgewald. „Damit handelt sie eindeutig gegen die Meinung der Mehrheit ihrer Kunden, denn die Deutschen lehnen Atomkraft nach wie vor ab.“
Auch Jan Haverkamp, Atomexperte von Greenpeace, ist überrascht vom Interesse der Commerzbank: „Nur 14 km vom geplanten AKW-Standort
entfernt sind 1977 bei einem Erdbeben 200 Menschen umgekommen, der geplante russische Reaktortyp wäre in Deutschland nicht genehmigungsfähig und die Umweltverträglichkeitsprüfung ist unvollständig und
manipuliert.“ Haverkamp, der seit Jahren zu Belene arbeitet, reist an, um der Commerzbank diese Fakten in der Hauptversammlung zu präsentieren.
Das Interesse der Commerzbank ärgert Heffa Schücking: „Die Commerzbank stellt sich ihren Aktionären gegenüber gerne als
besonders verantwortlich und umweltbewusst dar und weist auf ihr groĂźes Engagement im Windkraftbereich hin. Mit ihrem Interesse am Bau eines Risikoreaktors in Bulgarien zeigt sie, wie deutlich Anspruch und
Wirklichkeit auseinander klaffen!“
Das Atomkraftwerk Belene wurde in den 80er Jahren an der Donau geplant. Der Bau wurde 1985 begonnen, aber wegen Umweltprotesten,
mangelnder Wirtschaftlichkeit und Sicherheitsbedenken 1992 gestoppt. Seit 2003 verfolgt die bulgarische Regierung das Projekt erneut. Inzwischen klagen bulgarische Nichtregierungsorganisationen gegen die Genehmigung
für Belene. Um den Bau des AKW bewerben sich zwei Konsortien: Der russische Kraftwerksbauer Atomstroyeksport bietet gemeinsam mit dem französisch-deutschen Atomkonzern AREVA NP (34 % Siemens). Ebenso hat die
tschechische Skoda Allianz ein Angebot eingereicht. Der russische Konzern Gazprom hält bedeutende Anteile an beiden Konsortien. Anfang März kam es im bisher einzigen bulgarischen AKW Standort in Kosloduj zu einem
Störfall: Eine Hauptkühlmittelpumpe fiel aus und das Schnellabschaltsystem versagte. Die Behörden versuchten, den Unfall zu vertuschen.
Kooperation mit Apartheid-Regime bleibt Thema
Die Kritische Aktionärin Dorothea Kerschgens, Vorstandsmitglied der Koordination Südliches Afrika und des Dachverbands Kritischer
Aktionärinnen und Aktionäre, warf der Commerzbank zudem vor, dass die Bank sich seit Jahren ihrer Verantwortung für Apartheidopfer widersetzt. „Die Commerzbank steht nicht zu ihrer Verantwortung in den 70er bis
90er Jahren", ärgert sich Kerschgens und sagte in der Hauptversammlung wörtlich:
„Vor Jahren kritisierte ich die Commerzbank wegen ihrer jahrelangen defacto Unterstützung für das südafrikanische System während
der Jahre von Apartheid. Seit Jahren strengen Opfer von Apartheid in einer Klage in New York Entschädi- gungszahlungen an und werden hingehalten, abgewiesen und starten neu.
Seit Jahren zeigt sich die Commerzbank erfreut angesichts ihrer Beratertätigkeit im neuen Südafrika. – Wie ist das möglich?
Für die Jahre 1958 – 1980 wurde der Commerzbank nachgewiesen, Südafrika Darlehen in der Höhe von 1.789 Milliarden US-Dollar
gewährt zu haben, vor allem für den öffentlichen Sektor, besonders an die staatlichen Konzerne ESCOM und ISCOR. Auch später war die Bank an zahlreichen Darlehen beteiligt, diese Daten stehen aber noch
nicht gesichert zur Verfügung. Zudem hat die Commerzbank mit anderen deutschen Banken in Umschuldungen Südafrika finanzielle Erleichterung verschafft. Diese Tatsachen werden von der Commerzbank bestätigt. Wir von
der Kampagne Entschuldung und Entschädigung für das südliche Afrika behaupten nicht, dass die Commerzbank mit Absicht das Apartheidregime unterstützte, de facto war es so.
Khulumani, die Menschenrechtsorganisation in Südafrika möchte für ihre Mitglieder für das erlittene Unrecht Enschädigung und hat vor
Jahren Klage in New York gegen 22 internationale Firmen eingereicht, die sich der Unterstützung des gewalttätigen Regimes schuldig gemacht haben. Die erste Klage wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen wurde
abgewiesen. Daraufhin gingen die Rechtsanwälte von Khulumani in Berufung und jetzt scheinen die beklagten Firmen mit der südafrikanischen Regierung gegen Apartheidopfer gemeinsame Sache zu machen. Die
neue Regierung lehnt die Klage ab, aus unserer Sicht, da sie ausländische Investitionen fördern will und neue Darlehen und Kredite brauchen kann.
Seit 1976 arbeite ich in der Solidaritätsarbeit für Südafrika und habe dieses Land immer wieder besucht. Ich konnte im März bei
meiner 4. Reise nach SĂĽdafrika sehen hat, welche Fortschritte dort gemacht wurden in puncto Demokratie, Freiheits- und Menschenrechte, aber auch im praktischen bei Haus- und Schulbau und ich freue mich ĂĽber
jede Verbesserung für die Bevölkerung. Wer wie ich aber auch gesehen hat, welche Folgen Apartheid noch immer hat in Bezug u. a. auf Rechtsbewusstsein der Menschen, die Armut, der Kluft zwischen
Reich und Arm oder die Mittelknappheit im Budget der Regierung fragt sich, wie lange die Bevölkerung noch zu tragen hat an den sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen des früheren Unrechtsregimes.
Und so erscheint es als doppeltes Unrecht, in den 70er bis 90er Jahre Darlehen fĂĽr die Regierung und halbstaatliche Unternehmen bereit
gestellt zu haben und heute den Opfern jede Anerkennung von Entschädigung abzuerkennen.”
Link zu Urgewald (Mitgliedsorganisation des Dachverbands)
Link zur Koordination SĂĽdliches Afrika (KOSA) (Mitgliedsorganisation des Dachverbands)
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