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Continental Hauptversammlung 2003

Belegschaft sitzt am lÀngeren Hebel

Deutscher Reifenhersteller Continental
hat mexikanisches Recht gebrochen

Jesus Torrez Nuno sprach leise und konzentriert. Wer feurige AusbrĂŒche des mexi-
kanischen Gewerkschafters erwartet hatte, wurde in diesem Punkt enttÀuscht. Seine
Übersetzerin in der Hauptversammlung der Continental AG am 23. Mai 2003 ĂŒber-
nahm seinen ruhigen Tonfall. Die AktionÀre im Saal folgten konzentriert erst seinen
spanischen Aussagen und dann den deutschen Worten der Übersetzerin neben ihm. 

Jesus Torrez war auf
Einladung der Menschen-
rechtsorganisationen
FIAN und Germanwatch
nach Deutschland
gekommen. Die Haupt-
versammlung seines
Arbeitgebers Continental
in Hannover konnte er
durch Vermittlung des
Dachverbands der Kriti-
schen AktionÀrinnen und
AktionÀre besuchen.
Doch Torrez stand am
Redepult nicht als klein-
lauter Gast. Er stand dort
als selbstbewusster Ver-
treter von 1.164 Arbei-

tern, die seit ĂŒber einem Jahr fĂŒr die Einhaltung der mexikanischen Gesetze streikten.
Der deutsche Reifenhersteller Continental hatte seine Fabrik im mexikanischen Gua-
dalajara im Dezember 2001 geschlossen, ohne dafĂŒr die behördlichen Genehmigun-
gen einzuholen, die das mexikanische Arbeitsrecht zum Schutz der BeschÀftigten
vorschreibt. Im Januar 2002 war die Belegschaft deshalb in Streik getreten, hatte die
Fabrik besetzt und Gerichtsverfahren gegen den Arbeitgeber angestrengt.

Nun stand ihr Gewerkschaftsvorsitzender Jesus Torrez den obersten Chefs des Kon-
zerns in Hannover Auge in Auge gegenĂŒber. Guadalajara sei noch 1998 das produk-
tivste Reifenwerk in ganz Mexiko gewesen, berichtete er den AktionÀren, weshalb die
Schließung unverstĂ€ndlich sei. Die vom Vorstand angefĂŒhrte BegrĂŒndung von Fehl-
zeiten der Belegschaft bis 25 Prozent entlarvte er rasch: Dieser Wert wurde an einem
katholischen Feiertag ermittelt.

Doch Torrez ging nicht auf Konfrontationskurs. Die Belegschaft wolle den Konflikt mit
dem Arbeitgeber „gemeinsam lösen“, berichtete er dem erstaunten Publikum. Die
Gewerkschaft könne sich sogar vorstellen, die Verantwortung fĂŒr das Werk selbst zu
ĂŒbernehmen und in Eigenregie weiter zu produzieren. Erfolgreiche Beispiele fĂŒr solche
Belegschaftsverwaltungen gibt es in Mexiko bereits.

Vorstandschef Manfred Wennemer war von so viel Dialogbereitschaft offensichtlich
ĂŒberfordert. „Hören sie auf, das Hab und Gut der AktionĂ€re zu blockieren“, polterte er
zurĂŒck, und meinte damit die Besetzung der stillgelegten Fabrik durch die Belegschaft.
Die Schließung sei völlig legal gewesen, und dafĂŒr habe er sich „von den besten
mexikanischen AnwÀlten beraten lassen.

Gericht gibt Arbeitern Recht

Ein dreiviertel Jahr nach der Hauptversammlung klÀrte der mexikanische Arbeits-
gerichthof den Streitfall in letzter Instanz. Auf 260 Seiten UrteilsbegrĂŒndung bekrĂ€ftigte
er die Argumentation der Belegschaft, und erklĂ€rte die Schließung fĂŒr gesetzwidrig.
Wenig spÀter befand die zustÀndige Schlichtungsstelle den Streik der Arbeiter als
legal und existent.

Continental muss nun die mehr als zwei Jahre vorenthaltenen Löhne nachzahlen:
insgesamt 27 Millionen Euro und pro Arbeiter das dreifache der „Abfindung“ die
das Unternehmen gnÀdig angeboten hatte.


GegenantrÀge zur Continental HV 2003

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