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Continental Hauptversammlung 2004

Continental beweist Kontinuität der Ignoranz

Mexikanischer Abgeordneter appelliert an Aktionäre

aus Hannover Henry Mathews

Manfred Wennemer hat ein Lieblingswort: „Wachstum“ hatte sich der Vorstandsvorsitzende des Hannoveraner Reifenkonzerns Continental in fast jeden Absatz seines Berichts an die Hauptversammlung am Freitag schreiben lassen. Einen Rekordgewinn von 314 Millionen Euro nach Steuern konnte er den Aktionären im Kuppelsaal des Kongresszentrums Hannover verkünden. Die dankten es ihm und genehmigten sich eine Dividendenerhöhung um 16 Prozent.

Auch Wennemer dankte – den Beschäftigten für die Bereitschaft, statt 37,5 nun 40,2 Stunden pro Woche zu schuften, ohne dafür vollen Lohnausgleich zu erhalten. Und er warb um Verständnis – für die fortgesetzte Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Deutschland in Billiglohnländer, was aber keinesfalls „unpatriotisch“ genannt werden dürfe.

Kontinuität bewies der Konzernchef in der schon seit drei Jahren praktizierten Ignoranz gegenüber ausländischen Gesetzen. Gezwungen wurde er zur Offenlegung seines Rechtsbewusstseins durch eine Delegation mexikanischer Gewerkschafter, die mit Vollmachten vom Dachverband der Kritischen Aktionäre vor den Aktionären sprachen.

„Wir kommen, um das Einkommen der Beschäftigten ein zu fordern.“, erklärte Gewerkschafter Jesus Torres Nuño. Streitfall ist die Schließung der Conti-Reifenfabrik im mexikanischen Guadalajara im Dezember 2001, mit der der Konzern über 1.000 Arbeiter ohne Vorwarnung arbeitslos gemacht hat, die das Werk bis heute besetzt halten und sich im Streik befinden.

Unterstützung erhielt Torres durch Pablo Franco Hernandez, Abgeordneter des Mexikanischen Bundesparlaments „Wir unterstützen bedingungslos die Arbeiter bei Euzkadi“ rief er im Namen der Partei der demokratischen Revolution und warnte die Aktionäre vor möglichen Kosten bis zu 50 Millionen Euro wenn die Konzernleitung nicht einlenke. Die Unternehmensleitung habe den Streik durch die Entlassung von 18 Gewerkschaftsführer selbst provoziert.

Der Conti-Vorstand hält den Streik für illegal. Dem widersprach Professor Alfonso Bouzas, Arbeitsrechtsexperte von der Universität Mexiko City: „Das oberste Arbeitsgericht Mexikos hat im Februar 2004 klar geurteilt“, berichtete der graubärtige Jurist: „Der Streik ist statthaft und das Unternehmen muss die ausstehenden Löhne nachzahlen, weil es die vorgeschriebene behördliche Genehmigung zur Schließung des Werks niemals eingeholt hat und die Notwendigkeit der Schließung nicht belegt hat. – Da gibt es nichts zu interpretieren.“

Vorstandchef Wennemer kämpfte dennoch wortreich um eine eigene Interpretation der Rechtslage. Gegen das Urteil habe Conti Verfassungsbeschwerde eingelegt, womit die letztinstanzliche Entscheidung noch ausstehe. Continental habe bereits Abfindungsangebote vorgelegt. Auf jeden Fall werde Conti das „halbverrottete Werk“ nicht wieder eröffnen.

„Wir suchen nicht nur das Geld“, stellte Torres deshalb klar, „wir suchen Arbeit!“ Die Gewerkschaft wolle das Werk gemeinsam mit interessierten mexikanischen Investoren und staatlicher Unterstützung in Eigenregie übernehmen. Voraussetzung sei die Nachzahlung der Löhne, die sich inzwischen auf umgerechnet 30 Millionen Euro summieren – das Dreifache der von Conti angebotenen Abfindung.
 

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