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Continental Hauptversammlung 2005

Arbeitsrechte geraten bei Conti unter die Räder

Internationale Proteste gegen aggressive Konzernpolitik

Hannover, 12.05.2005: Bei der
Hauptversammlung des Reifen-
herstellers Continental in Hannover
gab es massive nationale und inter-
nationale Proteste. Betriebsräte des
Conti-Werkes „General Tire“ im
mexikanischen San Luis PotosĂ­
protestierten gegen unrechtmäßige
Entlassungen und einen juristischen
Trick des Unternehmens: die forma-
le Aufteilung des Werkes, die zu
einer Beschneidung der Arbeits-
und Gewerkschaftsrechte gefĂĽhrt
hat. Auch Gewerkschafter der
United Steelworkers of America
demonstrierten gegen die rĂĽck-
sichtslose Personalpolitik in Conti-
Werken in den USA. AuĂźerdem
hatten erstmals die nationalen
Gewerkschaften IGBCE und die
IG Metall gemeinsam mit dem
Conti-Konzernbetriebsrat alle
Conti-Beschäftigten zu Protesten
gegen das Unternehmen
aufgerufen.

„Nicht zum ersten Mal wurden
Gewerkschafter von Continental in
Mexiko systematisch eingeschĂĽch-
tert und unrechtmäßig entlassen,
um massive Lohnkürzungen – in
diesem Fall um mehr als 20 Pro-
zent – und die Beschneidung von
Arbeitsrechten durchzusetzen.
Damit wurden auch die international
gültigen OECD-Leitsätze für Multi-
nationale Unternehmen verletzt,“
sagte Cornelia Heydenreich von
der Umwelt- und Entwicklungs-
organisation Germanwatch. „Wenn
die Konzernleitung aus dem lang-

jährigen Konflikt um das Euzkadi-
Werk in Mexiko gelernt hat, sollte
sie die Situation in San Luis PotosĂ­
nicht eskalieren lassen.“ German-
watch hatte schon die  Gewerk-
schafter des Euzkadi-Werkes in
El Salto im Konflikt mit Continental
seit 2001 unterstĂĽtzt, unter ande-
rem mit dem Einreichen einer
Beschwerde bei der deutschen
OECD-Kontaktstelle.

Henry Mathews vom Dachverband
der Kritischen Aktionäre, der den
Gewerkschaftern aus Mexiko und
den USA den Zutritt zur Hauptver-
sammlung ermöglicht hatten, fügte
hinzu: „Diese Profitgier ohne Rück-
sicht auf Arbeitnehmerbelange ist
unverantwortlich und nicht akzep-
tabel.“

Etwa 500 Beschäftige aus Werken des Continental-Konzerns in
Deutschland, Mexiko und den USA gaben vor der Hauptversamm-

lung 2005 im Kuppelsaal Hannover deutlich zu verstehen, was Sie
von Rekordgewinnen halten, die durch Entlassungen und Lohn-
dumping erzielt werden.

Terry Don Beane, Präsident
der United Steelworkers of
Amerika in Mayfield, Kentuc-
ky, und José Sergio González
Hernández, Generalsekretär
des Sindicato National de
Trabajadores de General Tire
de MĂ©xico in San Luis PotosĂ­,
berichteten vor der Halle ihren
deutschen Kollegen und in der Halle den Conti-Aktionären über
die unsozialen Aktionen des
gemeinsamen Arbeitgebers in
ihren Werken.

Mark Cieslikowski, Präsident der United Steelworkers in Charlotte,
North Carolina, sprach als erster von zahlreichen Belegschaftsver-
tretern zu den Aktionärinnen und Aktionären.

Continental hatte das Werk „General Tire“ in San Luis Potosí 1998 übernommen, gemeinsam mit dem Euzkadi-Werk in El Salto, Jalisco. Die Gewerkschaft in San Luis Potosí hatte den anfänglichen sogenannten Flexibilisierungen und Modernisierungen zugestimmt. Nachdem Continental weitere massive Einschnitte der Arbeitsrechte und Lohnkürzungen um mehr als 20% durchsetzen wollte, leisteten einige gewählte Gewerkschaftsvertreter Widerstand und wurden daraufhin 2003 unrechtmäßig entlassen. Andere Gewerkschafter, die nach Aussagen der Arbeiter und der Betriebsgewerkschaft korrumpiert wurden, stimmten der formalen Aufteilung des Werkes zu, die eine enorme Einschränkung der Gewerkschafts- und Arbeitsrechte zur Folge hatte. In letzter Zeit kam es zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen der Betriebsgewerkschaft und der lokalen Unternehmensleitung. Nach zahlreichen Protestaktionen in Mexiko seit 2003, unter anderem dem Einreichen einer Beschwerde bei der nationalen OECD-Kontaktstelle und bei der ILO (International Labour Organisation), beschlossen die mexikanischen Gewerkschafter deshalb, nach Deutschland zur Hauptversammlung zu reisen.

Damit traten zum wiederholten Mal mexika-
nische Gewerkschafter in der Conti-Haupt-
versammlung auf, um gegen die Verletzung
von Arbeitsrechten zu protestieren. In den
vergangenen drei Jahren waren es die Arbei-
ter des Euzkadi-Werkes in El Salto gewesen:
Continental hatte das Werk im Dezember 2001
unrechtmäßig geschlossen und 1.164 Arbeiter
ĂĽber Nacht auf die StraĂźe gesetzt. Nach einem
langen Kampf auf nationaler und internationaler
Ebene konnte der Konflikt im Januar 2005
gelöst werden: Die Fabrik wurde wieder in
Betrieb genommen, die Arbeiter erhielten
nach über drei Jahren ihre Arbeitsplätze
zurĂĽck und bekamen von Continental die
Hälfte der Anteile an der Fabrik. Die andere
Hälfte hatte das mexikanische Unternehmen
Llanti Systems gekauft.

 

 

 

 

Conti 2005: Mark Cieslikowski (english)
Conti 2005: Mark Cieslikowski (deutsch)
Conti 2005: Terry Beane (english)
Conti 2005: Terry Beane (deutsch)
Conti 2005: Sergio Gonzalez (espanol)
Conti 2005: Sergio Gonzalez (deutsch)
Conti 2005: Cornelia Heydenreich (deutsch)

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