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Conti 2005: Mark Cieslikowski (deutsch)

Hauptversammlung der Continental AG am 12. Mai 2005 in Hannover:

Ich bin Mark Cieslikowski, Leiter der Verwaltungsstelle 850 der United Steelworkers of America in Charlotte, North Carolina. Ich bin hier, um Sie ĂŒber die Situation zu informieren, mit der wir zur Zeit bezĂŒglich des geltenden Tarifvertrags mit Continental Tires North America, kurz CTNA, konfrontiert sind. Ich beginne mit einem RĂŒckblick auf die letzten Jahre.

Im September 1999 schlossen wir, d.h. die Verwaltungstelle 850 und die CTNA einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von fĂŒnfeinhalb Jahren ab. Diesen Tarifabschluß erzielten wir nach einer Arbeitsniederlegung von 364 Tagen Dauer. WĂ€hrend der Arbeitsniederlegung beschloß der Vorstand der CTNA, neue Belegschaftsmitglieder einzustellen statt mit der Verwaltungsstelle 850 zu verhandeln.

Die Mitglieder der Verwaltungsstelle 850 kehrten im September 1999 an ihre ArbeitsplĂ€tze zurĂŒck und fanden das Werk in Charlotte in einem völlig desolaten Zustand vor.

Die Gewerkschaft sah sich vor vielerlei Herausforderungen. Die grĂ¶ĂŸten darunter waren folgende:

1. Mangelnde Instandhaltung wĂ€hrend der Zeit der Arbeitsniederlegung fĂŒhrte zu Betriebsstörungen, aufgrund derer das Werk Charlotte die Produktionsplanzahlen verfehlte.

2. Das VerhĂ€ltnis zwischen der CTNA-Unternehmensleitung und den Gewerkschaftsmitgliedern der lokalen Verwaltungsstelle 850 mußte neu aufgebaut werden.

Es dauerte mehrere Jahre, bis die meisten Betriebsmittelprobleme ĂŒberwunden waren, und wir haben noch einen langen Weg vor uns. Aber, mit der EinfĂŒhrung von 5 Sigma und TPM (Total Productive Maintenance), einem Programm zur umfassenden Instandhaltung mit dem Ziel, die ProduktivitĂ€t zu verbessern, sind wir in der Lage, den dringendsten Bedarf festzustellen und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten.

Die in der lokalen Verwaltungsstelle 850 organisierten Gewerkschaftsmitglieder haben intensiv daran gearbeitet, ein neues VerhĂ€ltnis zwischen der CTNA-Unternehmensleitung und der Belegschaft aufzubauen. Die Mitarbeiter haben nicht nur fĂŒhrende Rollen in der Umsetzung von Programmen wie 5 Sigma und TPM ĂŒbernommen, sondern auch mit der CTNA-Unternehmensleitung gemeinsam Änderungen der Versicherungsbedingungen bei unserem Krankenversicherer durchgesetzt, damit das Werk in Charlotte wirtschaftlicher arbeiten konnte. Außerdem haben wir in Zeiten geringerer Auslastung gemeinsam mit der CTNA-Unternehmensleitung daran gearbeitet, auch von unserer Seite einen Beitrag zum Ausgleich der hohen Prozeßkosten zu leisten, die mit solchen AuftragsrĂŒckgĂ€ngen einhergehen. Diese und viele weitere Programme haben nach einer von Mißtrauen und Begierden geprĂ€gten Zeit mit dazu beigetragen, wieder ein VerhĂ€ltnis aufzubauen, das beweist, daß der beste Weg zum Erfolg von offenem Dialog und Teamarbeit geprĂ€gt ist.

Damit komme ich zu unserer jetzigen Lage, einer Lage, die das Potential birgt, das ĂŒber Jahre wieder aufgebaute wertvolle VerhĂ€ltnis zu zerstören. Wir glauben, daß die Lage so drĂ€ngt, daß wir Sie, Aufsichtsrat und Vorstand und die AktionĂ€re davon in Kenntnis setzen mĂŒssen.

Der laufende Tarifvertrag enthĂ€lt eine Revisionsklausel, die besagt, daß im Jahre 2003 auf Grundlage des Branchendurchschnitts Neuverhandlungen aufgenommen werden sollten. Diese Klausel zur Wiederaufnahme von Verhandlungen gilt fĂŒr sechs tarifvertraglich vereinbarte Klauseln, in denen sich die CTNA dazu verpflichtet hatte, sich an den jeweiligen Branchendurchschnitt zu halten. Sollte es zu diesen Klauseln zu Meinungsverschiedenheiten zwischen CTNA und Gewerkschaft kommen, sollten die strittigen Punkte einer Schiedsstelle zur Schlichtung vorgelegt werden.

Die eigentlich im Jahr 2003 anstehenden Verhandlungen zögerten sich hinaus, weil sich die an der Berechnung des Branchendurchschitts beteiligen Parteien nicht einig werden konnten. Inzwischen aber kam es zu einer Einigung, so daß beide Parteien nun Neuverhandlungen zu den Revisionsklauseln aufnehmen können.

Die CTNA-Unternehmensleitung und die Gewerkschaft haben verschiedene Auffassungen von den fĂŒr die Reifenbranche geltenden Durchschnittswerten. Aber anstatt sich einfach an den Wortlaut im Tarifvertrag zu halten und zu den strittigen Punkten einen neutralen Dritten anzurufen, versucht die CTNA-Unternehmensleitung, sich in anderen Bereichen des Tarifvertrags ZugestĂ€ndnisse zu sichern, indem sie die Aufnahme von Neuverhandlungen hinauszögert und sich weigert, die gĂŒltigen tariflich vereinbarten Bestimmungen zu erfĂŒllen. Außerdem hat die CTNA-Unternehmensleitung offen erklĂ€rt, daß sie uns das Recht auf ein Schieds- bzw. Einigungsverfahren zu den strittigen Punkten, darunter auch zu einer eventuellen Werksschließung und zu Neuverhandlungen, verweigert.

Zu den neuesten Maßnahmen der CTNA-Unternehmensleitung gegen die gewerkschaftlich organisierte Belegschaft gehört die Weigerung der Continental AG, den neuesten Mitarbeiterbonus an gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter auszuzahlen. Diesen Bonus erhielten lediglich die Angestellten und nicht gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter. An die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter hieß es, sie mĂŒĂŸten um diesen Bonus verhandeln.

Die CTNA-Unternehmensleitung ließ außerdem die Gewerkschaftsflagge vom firmeneigenen Fahnenmast einholen und vernichten, eine Flagge, die seit Jahren neben der Continental-Flagge wehte. Beide Flaggen nebeneinander waren Symbol fĂŒr die partnerschaftliche Zusammenarbeit der beiden Tarifvertragsparteien.

Der CTNA entstanden durch das Hissen der Gewerkschaftsflagge absolut keine Kosten. Dieses simple Vorgehen der CTNA-Unternehmensleitung zeigte, daß sie lieber um der Verwirklichung kurzfristiger Ziele willen das erreichte VerhĂ€ltnis zu den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern stören wollte, um kurzfristige Ziele zu verwirklichen, anstatt auf dem bestehenden VerhĂ€ltnis zur Erzielung langfristigen Erfolgs aufzubauen.

Die gewerkschaftlich organisierte Belegschaft in Charlotte, N.C., ist allem verpflichtet, was zur Erzielung langfristigen Erfolgs fĂŒr unser Werk erforderlich ist. Wir setzen uns ein fĂŒr eine Verringerung der Prozeßkosten und fĂŒr die Erzielung maximal möglicher EffektivitĂ€t. Nur dadurch wird das Werk in Charlotte im globalen Wettbewerb weiterbestehen können, und ohne das Werk Charlotte wird es keine lokale Gewerkschaftsstelle 850 mehr geben.

Ich fordere Vorstand, Aufsichtsrat und die AktionĂ€re auf, all dies aufzugreifen und die Entscheidungen der CTNA-Unternehmensleitung in Frage zu stellen. Es ist noch nicht zu spĂ€t, gegen diese Taktik der Zerstörung des VerhĂ€ltnisses zwischen Management und Gewerkschaft vorzugehen. Wir fordern die CTNA-Unternehmensleitung lediglich dazu auf, sich zum gĂŒltigem Tarifvertrag zu bekennen, den sie mit unserer Gewerkschaft bereits abgeschlossen haben.

Wir erklÀren uns solidarisch mit unseren mexikanischen und deutschen Gewerkschaftskollegen. Nur durch Zusammenarbeit im Team können wir unsere Ziele erreichen.


Cieslikowski’s speach in englisch

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