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DaimlerChysler AGB 2001 - Personalabbau

Personalabbau statt "Hochzeit im Himmel"

Sie wurden verlacht und als Miesmacher bezeichnet, die Kritiker der Fusion von Daimler und Chrysler. Dies ist noch keine drei Jahre her. Ich habe damals gesagt,
dass ich damit rechne, dass längerfristig jeder vierte Arbeitsplatz verloren gehen würde. Das Gegenteil wäre der Fall, der Konzern habe glänzende Wachstums- chancen und werde neue Arbeitsplätze schaffen, konterten die Befürworter der Fusion.

Doch schneller als ich geglaubt habe, sind die schlimmsten Befürchtungen eingetreten. 26.000 Arbeitsplätze werden allein bei Chrysler gestrichen. Weitere kommen hinzu, z.B. bei Mitsubishi  und in der Hauptverwaltung in Stuttgart. Wer glaubt, dass die Ursachen der Chrysler-Krise auf hausgemachte Probleme zurückzuführen sind, denkt zu kurz. Der Traum vom ewigen Wachstum in den USA wird zum Alptraum und die Verbindungen mit Mitsubishi sind von noch größeren Risiken begleitet. "Das japani- sche Wunder", von dem Anfang der neunziger Jahre alle redeten, hat sich als kurzfristi- ges Zwischenspiel entpuppt. Größe allein ist eben nicht alles und schon gar nicht ein Ziel an sich.

War es vielleicht doch ein großer Fehler, den Vorständen blind zu vertrauen und den Lobgesang der Fusion mitzusingen? Viele sind verunsichert und beantworten die Frage heute mit einem Ja.

Ich gehörte und gehöre dazu. Ich bin der festen Überzeugung, dass weltweit operieren- de Autokonzerne keine Zukunft haben. Solche Konzerne sind weder beherrschbar, noch lassen sie uns als Beschäftigte ein Mindestmaß an Mitbestimmung. Global operierende Konzerne entziehen sich systematisch den politischen Rahmenbedingun- gen und erpressen Regierungen. Beispiele gibt es zur Genüge. Der Druck auf die Belegschaften wird weiter verstärkt, immer mehr Leiharbeiter sollen die Stammbeleg- schaften ersetzen. Durch scheinbar moderne Lohn- und Gehaltssysteme wird die Konkurrenz unter den Beschäftigten angestachelt. Die ewigen Drohgebärden von der Nichterreichung der Kostenziele in der Produktion sind so sicher wie die Ankündigun- gen, dass die "globalen Spieler" dem Weltmarkt weitere Marktanteile abzocken werden. Soll dies alles "zukunftsfähig" sein? Nie und nimmer!

Ich würde einem Konzern Daimler-Benz eine Zukunftschance geben, wenn er sich zu einem europaweiten Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen entwickeln würde, wenn
er sich - statt die Adtranz zu verkaufen - verstärkt im Bahnbereich engagieren und integrierte Verkehrskonzepte entwickeln würde, wenn er anfangen würde, Gütertrans- portkonzepte zu entwickeln, die die Zahl der LKW auf den europäischen Straßen reduzieren und nicht weiter anwachsen lassen, und wenn der Konzern endlich und konsequent seinen Flottenverbrauch Schritt um Schritt halbieren würde, anstatt noch leistungsstärkere Motoren zu bauen.

Das wäre eine Unternehmenspolitik, die die ökonomischen und ökologischen Signale ernst nimmt und verantwortlich handelt. Diese Unternehmenspolitik hätte nicht nur die Aktienkurse im Auge sondern in erster Linie die Gestaltung einer Mobilität, die weltweit übertragbar, sozial verantwortlich und ökologisch verträglich wäre.

Gerd Rathgeb, Betriebsrat