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DaimlerChysler AGB 2002 - Vorwort

Vorwort zum Alternativen
Geschäftsbericht des KADC 2002

Liebe Aktionarinnen und Aktionäre,

„Antworten fĂĽr die Zukunft“ und ein „Fahrzeugangebot mit unendlichen Möglichkeiten“ versprechen JĂĽrgen Schrempp und der Vorstand im aktuellen Geschäftsbericht von DaimlerChrysler „Wir wollen unsere Kunden mit faszinierenden Produkten und maĂźgeschneiderten Dienstleistungen begeistern und den Verkehr von morgen mit innovativer Technik noch sicherer, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher machen.“ 

Gehören zu diesen „faszinierenden Produkten“ auch die Atomwaffen und Submuni- tionsminen MIFF und MUSPA im Angebot der Daimler-RĂĽstungsschmiede EADS? Gehören zu den „maĂźgeschneiderten Dienstleistungen“  Waffenlieferungen in Staaten wie die TĂĽrkei oder Katar, wo die Menschenrechte mit FĂĽssen getreten  werden?

Trotz des groĂźartigen Achtungserfolges bei der Wahl zum Aufsichtsrat im vergangenen Jahr – damals erhielt der von den Kritischen Aktionären vorgeschlagen RĂĽstungs- konversionsexperte Prof. Albrecht 27 Millionen Aktionärsstimmen – sieht JĂĽrgen Schrempp „in keinster Weise eine Verabschiedung des Konzerns von der sehr guten Zusammenarbeit mit der EADS.“ Ja, man hofft nach den Terroranschlägen vom
11. September sogar darauf, das Geschäft mit dem Tod vor allem in den USA zu intensivieren. „Da ist ein Fenster offen“ sagte der Daimler-Vertreter in der EADS, Reiner Hertrich. Wer von Terror und Krieg profitieren will, den stören natürlich Äußerungen wie die von dem 25jährigen Schweißer Georg Reinert. Gegen ihn hat die Personaldirektion von Daimler Chrysler Düsseldorf eine Verwarnung mit Androhung der Entlassung wegen angeblicher Störung des Betriebsfriedens ausgesprochen. Reinert hatte sich auf einer Betriebsversammlung im Anschluss an Gedenkminuten für die unschuldigen Opfer des barbarischen Terroranschlags vom 11.September kritisch zu einem drohenden Krieg der USA gegen Afghanistan geäußert.

Gehören zu dem versprochenen „Fahrzeugangebot mit unendlichen Möglichkeiten“ auch endlich ein Rußpartikelfilter für Daimler-Diesel? Oder das Ein- oder Zwei- Liter-Auto? Oder die Halbierung des Flottenverbrauchs, um eine Senkung der Co2-Werte zu erhalten?

Wer Antworten fĂĽr die Zukunft geben will, darf nicht im Schneckentempo die Vergan- genheit bewältigen.  JĂĽrgen Schrempp könnte die historische Chance nutzen und durch den sofortigen Einsatz eines Untersuchsausschusses als erstes Unternehmen die Verwicklung von Konzernmitarbeitern während der Militärdiktatur in Argentinien aufzuarbeiten und dadurch Vorreiter fĂĽr weitere Firmen zu werden. Dem argentinischen Volk, das noch immer an seinem historischen Trauma und Tabu leidet, wĂĽrde ein StĂĽck Vergangenheit zurĂĽckgegeben.

Antworten fĂĽr die Zukunft sucht mit Ausdauer und Engagement der Arbeitskreis Umwelt bei DaimlerChrysler in Stuttgart – ein Zusammenschluss von Beschäftigten und Betriebsräten aus verschiedenen Unternehmensbereichen: Die Mitglieder des Arbeitskreises sehen die Gefahr, dass Geld und Rendite auch bei DaimlerChrysler und bei einem Teil seiner Aktionäre immer mehr zu „göttlichen Größen“ verkommenund die sozialen und ökologischen Folgen der Wirtschaftens tabuisiert werden. Darum ist es, so Betriebsrat Gerd Rathgeb, „an der Zeit, Grenzen zu ziehen, und die Freiheit des Marktes einzuschränken. Dies hat nichts mit Neid zu tun, sondern mit Ethik und einem Menschenbild, in dem alle das Recht auf ein menschenwĂĽrdiges Leben haben.“  Deshalb bietet der Arbeitskreis in diesem Jahr eine Dialogreihe zum Thema „Die Folgen der Globalisierung“ an.

Für eine zukunftsfähige Ökonomie, die die Umwelt bewahrt, soziale Standards schützt, Menschenrechte achtet und Waffen ächtet – für eine solche Globalisierung setzen sich neben Betriebsräten und MitarbeiterInnen im DaimlerChrysler Konzern auch immer mehr Aktionärinnen ein und übertragen ihre Stimmrechte an den Dachverband der Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler.

Paul Russmann