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Argentinien: Vorstand verschleppt Aufklärung
„Die politische und wirtschaftliche Stabilisierung in Argentinien seit 1976 sowie die getroffenen geschäftspolitischen Maßnahmen
haben sich positiv auf das Unternehmen ausgewirkt“, kommentierte der Daimler-Benz Geschäftsbericht den Beginn der sieben- jährigen Militärdiktatur in Argentinien. Bis 1983 „verschwinden“ 30.000
Regimegegner, Unzählige werden gefoltert, Kinder der Verschwundenen zur Adoption freigegeben.
Der Betriebsratsvorsitzende Reimer und der Betriebsrat Hugo Ventura „verschwinden“ 1977 an dem Tag, an dem sie mit der
Werksleitung über die Wiedereinstellung entlassener Arbeiter verhandeln. Weitere 13 Betriebsräte werden verschleppt und ermordet, nur zwei kehren nach monatelanger Folter zurück. Der überlebende Hector Ratto
bezeugt, dass der damalige deutsche Produktionschef Juan Tasselkraut die Adresse seines Kollegen Diego Nunez an die Militärs weitergab. In der gleichen Nacht verschwand Nunez für immer.
1978 wird der Leiter eines berĂĽchtigten geheimen Internierungslagers, Ruben Lavallen Sicherheitschef bei Mercedes Benz Er wird
später wegen der erzwungenen Adoption eines Mädchens zu vier Jahren Haft verurteilt, dessen Eltern in seinem Polizeirevier gefoltert und ermordet wurden.
21 Jahre später, 1999 bringt die Journalistin Gaby Weber die Zusammenhänge ans Tageslicht. Der Berliner Rechtsanwalt Kaleck und die
Kritischen Aktionäre konfron- tierten die Konzernleitung mit den Vorwürfen. Sie werden als historische Kleinigkeit abgetan.
Im Jahr 1999 wird auch ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Mord gegen Tasselkraut und die argentinische Niederlassung von der
Staatsanwaltsschaft Nürnberg eingeleitet. Eine Anhörung der überlebenden Betriebsräte in der deutschen Botschaft findet 2001 in Buenos Aires statt. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm nimmt sich
endlich der Ermordung seiner Kollegen an, er versucht eine interne Aufklärung in Gang zu bringen. Gespräche der Kritischen Aktionäre mit der Konzern- leitung werden mehrmals kurzfristig abgesagt,. schriftliche
Fragen werden inhaltlich nicht beantwortet.
Nach unermüdlichem Druck der Kritischen Aktionäre und Gaby Webers sollte im Dezember 2001 eine Untersuchungskommission unter Leitung
des argentinischen Friedensnobelpreisträgers Adolfo Perez Esquivel gebildet werden. Perez Esquivel hat Unterstützung erklärt. Der Vorstand verschleppt die Aufklärung, die Kommission wurde bis März 2002
nicht gebildet.
Inzwischen hat Tasselkraut in Argentinien bereits vor einem Gericht als Zeuge ausgesagt. Die Verdachtsmomente erhärten sich. Er kann
dort jedoch wegen eines Amnestiegesetzes nicht verurteilt werden, das die demokratische Regierung Alfonsins wenige Jahre nach Ende der Militärdiktatur erlassen hat. Eine gerechte Bestrafung kann Tasselkraut
daher nur in Deutschland erfahren.
Die Kritischen Aktionäre fordern Jürgen Schrempp auf:
Setzen Sie sofort die Untersuchungskommission unter der Leitung von Perez Esquivel ein.
Stellen Sie der Untersuchungskommission die dazu notwendigen Unterlagen zur VerfĂĽgung.
Beate Winkler-Pedernera und Holger Rothbauer
Neues vom „Wahrheitstribunal“ in La Plata
(aktueller Hintergund-Beitrag von Gaby Weber)
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