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Stellungnahme der überlebenden Betriebsräte von Mercedes Benz Argentina
zum Untersuchungsbericht „Mercedes-Benz Argentina durante la dictadura militar (1976 – 1983)”,
vorgelegt im Auftrag der DaimlerChrysler AG durch Prof. Christian Tomuschat und Mitarbeiter am 08. Dezember 2003
Buenos Aires, 15. Dezember 2003
Tomuschat sagt: „Keine Firma kann wegen der Mittäterschaft an unmenschlichen Praktiken entwürdigt werden.“ Die ehemaligen
Mercedes-Arbeiter erklären, dass die MBA Komplizin und Anstifterin zu unmenschlichen Praktiken aus folgenden Gründen war:
Die Firma hat medizinische Geräte zu Behandlung von Frühgeburten an das Militärkrankenhaus des geheimen Haftzentrums in Campo de Mayo
gespendet. Der einzige Zweck dieser Geräte war die Aneignung der Kinder der verschwundenen Frauen. Warum hat sich Herr Tomuschat nicht die Geburtsbücher des Krankenhauses bei seinem Besuch in Campo de Mayo zeigen
lassen, um zu beweisen welche Art von Geburten während der Diktatur dort vorgenommen wurden?
Aus welchem Grund wurde der Folterer Lavallen als Sicherheitschef der Fabrik eingestellt? Wir Überlebende können den Schrecken
bezeugen, den diese Person nur durch seine Anwesenheit unter den Arbeitern verbreitet hat.
Es wurde nicht untersucht, warum die Firma die „Comisión de los Nueve“ (den Betriebsrat der Neun) samt Namen und Adressen
denunziert und mit der Entführung von Metz in Verbindung gebracht hat.
Tomuschat weist denselben Wert dem Leben der Arbeiter und der wirtschaftlichen Aktivität der Firma zu. Für uns steht das Leben an
erster Stelle, auch wenn wir niemals die Kontinuität der Firma in Frage gestellt haben. Wir verteidigen immer unseren Arbeitsplatz. Wir kämpfen aber auch, wie damals zusammen mit unseren ermordeten Kollegen, für
bessere Arbeitsbedingungen und bessere Löhne. Die Firma hat immer über ihre Manager, Chefs, Vorarbeiter die gewerkschaftlichen Aktivitäten verfolgt, die die Interessen der Arbeiter verteidigen. Zugleich hat sie
die gelben Gewerkschaften und die korrupte „grüne Liste“ von José Rodriguez unterstützt.
Wir haben erst aus dem Dokumentarfilm „Wunder gibt es nicht“ von dem Tarifabkommen aus dem Jahr 1975 erfahren, in dem sich Mercedes
Benz verpflichtet, ein Prozent des Umsatzes in einen „Geheimfonds“ zu zahlen, dessen Absicht die „Ausmerzung der negativen Elemente“ war. Die Anwesenheit von bewaffneten Gruppen in der Fabrik und die
Zeitungsanzeigen von SMATA im Clarin zeigen, dass mit diesem einen Prozent der Angriff auf unser Leben bezahlt wurde.
1975 haben wir mit eigenen Augen gesehen, wie die Schlägerbanden von SMATA in der Fabrik auftraten, offensichtlich mit Duldung der
Firmenleitung. Der Tomuschat-Bericht sagt, dass die Firma Kontakte zu den Geheimdiensten unterhielt, aber er vertieft nicht, um welche Kontakte es sich handelte und er sagt auch, dass es starke Sympathien mit der
Militärdiktatur gab. Während des Jahres 1976 kam wiederholt das Militär zu verschiedenen Uhrzeiten in die Fabrik. Kurz vor dem Verschwindenlassen unserer Kollegen wurden alle Dienstausweise von uns ausgetauscht
und wir wurden in der Fabrik fotografiert. Was wir damals nur vermuteten, wissen wir heute: Tomuschat gibt zu, dass diese Fotos von der Firma an die Geheimdienste übergeben wurden.
Unser Kollege Esteban Reimer wurde von der Firma verdächtigt, die dies dem Geheimdienst mitteilte, ein „Agitator“ zu sein. Laut
Tomuschat wurde er damit in Gefahr gebracht. Er fügte aber nicht hinzu: in Lebensgefahr. Mercedes Benz Argentinien hat Reimer durch diese Informationsweitergabe zum Tod verurteilt.
Der Bericht führt aus, dass die Kündigung von 117 Arbeitern im Jahr 1975 durch MBA „unüberlegt“ war. Unter diesen 117 befanden
sich alle Betriebsräte und Vertrauensleute. Alle Verschwundenen (mit Ausnahme von Cienciala und Caddeo, über die wir wenig wissen) und alle Verhafteten und alle, die aus Angst um ihr Leben kündigten und ihre
Wohnung wechselten, waren Teil unseres kollektiven Kampfes für bessere Arbeitsbedingungen, Lohnerhöhungen und gegen die Gewerkschaftsbürokratie.
Viele von uns, die wir an unseren Arbeitsplätzen geblieben sind, mussten schweigen und konnten nicht mehr offen unsere Meinung sagen,
und wir mussten unsere gewerkschaftlichen Aktivitäten einstellen und damit das Feld der „grünen Liste“ von SMATA überlassen, die ab diesem Zeitpunkt in der Fabrik keine Opposition mehr hatte und ihre Leute
auf die Posten hieven konnte.
für die Gruppe: Ramon Segovia, Buenos Aires, 15. Dezember 2003
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