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DaimlerChrysler Hauptversammlung 2000

Kritiker erzwingen Schweigeminute

Daimler-Aktionäre gedenken
der Zwangsarbeiter des Konzerns

Zu Beginn jeder Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG fordert Aufsichtsratsvorsitzender Hilmar Kopper die Anwesenden auf, sich für eine Schweigeminute zu erheben und “unserer Toten” zu gedenken. Als die rund 14.000 versammelten Aktionärinnen und Aktionäre dieser Bitte im April 2000 nachkamen, konnten sie nicht ahnen, dass sie sich einige Stunden später nochmals erheben würden, um den verstorbenen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern der Vorgängerfirrna Daimler-Benz zu gedenken. 

Der Kritische Aktionär Helmut Bauer hatte in seinem Redebeitrag gefordert, den während des Nazi-Faschis- mus von der Firma gequälten und ausgebeuteten Menschen endlich die ihnen vorenthaltenen Löhne nachzuzahlen. Zum Ende seiner Rede schlug er vor, die inzwischen verstorbenen Zwangsarbeiter durch eine Schweigeminute zu ehren.

Unsicherheit befiel die Männer auf dem Podium. Kopper und Vorstandschef Jürgen Schrempp wechselten kurze Blicke. Dann standen beide zögernd auf – und mehr als Zehntausend folgten ihnen.

Diese Aktion ist sehr charakteristisch für die Arbeit der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre bei Daimler- Chrysler. Ihre sechs schriftlichen Gegenanträge musste der Konzern auch in diesem Jahr an seine 1,9 Millionen Anteilseigner verschicken, darunter die Feststellung: “Unser Konzern sponserte mit 300.000 Dollar die Feier zum 50. Geburtstag der NATO – eines Militärbündnisses, das mit dem völkerrechtswidrigen Ersteinsatz von Atomwaffen droht.”

Die Kritiker beantragten, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten, weil sie 1999 die Forderung nach einem Angebotsstopp für die Panzermine MIFF und die Splitter- Flächensperrmine MUSPA ignorierten. Der Initiativkreis für das Verbot von Landminen klassifiziert die Submuni- tionsminen MUSPA eindeutig als Anti-Personen-Minen. Auch das US-Verteidigungsministerium stimmt dem zu.

Die Forderung nach dem Ausstieg aus der Minen- produktion, die der Kritische Aktionär Paul Russmann vortrug, fand den Applaus auch von vielen ,nicht-kritischen' Aktionären. Die Taktik von Vorstandschef Schrempp,
der verharmlosend von “Verteidigungstechnik” sprach, verfing nicht.

 

 

 

 

Acht Kritische Aktionärinnen und Aktionäre griffen den Vorstand der DaimlerChrysler AG an. Für die 14.000 angereisten Anteilseigner erschienen sie überlebensgroß auf der Bildleinwand hinter dem Podium. Alexander Dauensteiner (oben) erinnerte an die inter- national vereinbarten Klimaschutz-Ziele und verlangte sparsamere Mercedes-Fahrzeuge.
Beate Winkler (mitte) forderte mehr Arbeits- plätze für Schwerbehinderte und bessere Aufstiegs-Chancen für Frauen bei Daimler.
Paul Russmann (unten) warf dem Vorstand den anhaltenden Verkauf von Landminen vor.