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Gegenanträge zur DaimlerChrysler Hauptversammlung 2005

Kritische Aktionäre reichen Gegenanträge ein

Kritik an Jobvernichtung, Vorstandsgehältern, Frauenbenachteiligung, Rüstungsproduktion, Klimaschädigung und Menschenrechtsverletzungen

Zur Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG am 06. April 2005 in Berlin
stellten Kritische Aktionärinnen und Aktionäre folgende Gegenanträge:

Jürgen Grässlin, Freiburg

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands
werden nicht entlastet.

Begründung:

Jürgen E. Schrempp wurde 1995 – also vor zehn Jahren – Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG. In den ersten Jahren lenkte er den Konzern mit Umsatz- und Gewinnzuwächsen sowie dem Anstieg der Beschäftigtenzahlen von 311.000 (1995) auf 441.500 (1998) auf die Überholspur.

Dann aber verkündete Herr Schrempp seine Vision der „Nummer 1“ aller Autokonzerne. Die Fehlinvestitionen in Folge dieser völlig überzogenen Zielvorstellung wirken sich in drastischer Weise auf die aktuelle Geschäftsentwicklung 2004 aus.

Den Einstieg in die so genannte „Welt AG“ stellte die 1998 von Herrn Schrempp initiierte Übernahme der Chrysler Corporation dar, die wir Kritischen AktionärInnen auf der Hauptversammlung im September 1998 ablehnten. Zu Recht, denn die angekündigte „Hochzeit im Himmel“ entwickelte sich zum „Vabanquespiel auf Erden“. Hatte Herr Schrempp den Chrysler-Vorstand und die -Aktionäre anfangs über seine wahren Absichten getäuscht, so offenbarte er diese im Oktober 2000 der Financial Times: „Die Struktur, die wir jetzt mit Chrysler (als allein stehender Abteilung) haben, war immer die Struktur, die ich wollte.“ (Zitiert nach FT vom 30.10.2000.)

Konsequenterweise wurde Co-Chairman Robert J. Eaton vorzeitig aus dem Konzern gedrängt und die Zahl der US-Vorstände drastisch vermindert. Chryslers Degradierung zur Daimler-Abteilung führte zum Verkauf großer Aktienpakete auf US-Seite. Schrempps Versprechungen zur Chrysler-Übernah- me – „Sie sind Eigentümer eines Unternehmens
mit hervorragenden Wachstumsperspektiven.“ (HV 1999) – entpuppten sich lange Zeit als Rohrkrepie- rer. Jahrelang konnten Chrysler-Fahrzeuge nur mit exorbitanten Rabatten in den Markt gedrückt werden.

Mit dem Erwerb des 37-prozentigen Anteils an Mitsubishi Motors vergeudeten Herr Schrempp und der Daimler-Vorstand weitere Milliarden Euro an ein marodes Autounternehmen. Herr Schrempp aber zeichnete das Bild eines höchst lukrativen und marktbeherrschenden Autokonzerns, der DaimlerChrysler die Pforte zum asiatischen Markt öffnen sollte. Einmal mehr lag der Vorsitzende mit seinen Analysen völlig daneben und führte unser Unternehmen noch tiefer in die Krise. Hätten ihn die Aufsichtsräte, unterstützt von der Mehrheit der Vorstände, im April 2004 nicht von weiteren Investitionen in Mitsubishi abgehalten, so hätte Herr Schrempp noch weitere Milliarden verpulvert.

Die Folgen dieser und anderer Fehlentscheidungen (wie beispielsweise die Beteiligung an Hyundai) mussten die Aktionäre wie die Beschäftigen tragen. Der Börsenwert wurde halbiert, der Aktienkurs brach von 94,90 Euro (1999) auf 35,26 Euro (2004) ein, die Dividende sank von 2,35 Euro (1999) auf 1,50 Euro (2004) je Aktie und die Beschäftigtenzahl wurde von 466.938 (1999) auf 384.723 (2004) gesenkt.

Einen Totalschaden erlitt Herr Schrempp, als er im Januar 2004 von der Business Week zum „Worst Manager of the Year“ – zum weltweit „schlechtesten Manager des Jahres“ – gewählt wurde.

Heute stehen wir vor dem Schrotthaufen der Schremppschen Visionen einer Welt-AG. Von den vormals drei Standbeinen – Mercedes, Mitsubishi und Chrysler – ist mit Chrysler gerade noch eines vergleichsweise stabil. Selbst die Mercedes Car Group fährt mittlerweile im Rückwärtsgang, der Gewinn ist auf Grund von Qualitätsmängeln um 47 Prozent eingebrochen.

Die früheren Versprechungen eines 25-prozentigen Anteils von Fahrzeugverkäufen auf dem asiatischen Markt über den Einstieg bei Mitsubishi und Hyundai sind Makulatur. So wird nun China als Automarkt der Zukunft propagiert, was wohl für viele Unternehmen zutreffen wird, nicht aber für DaimlerChrysler. Denn mit dem verschärften Umweltschutzgesetz wird Mercedes ab 2008 kaum noch Limousinen auf dem chinesischen Markt absetzen können. Der nächste Crash ist vorprogrammiert.

Auch die jahrelang versprochene Konzentration aufs Kerngeschäft des Autobaus ist ausgeblieben. DaimlerChrysler und seine Beteiligungsgesellschaften sind zum Gemischtwarenladen verkommen, in dem heute überdimensionierte Maybach- und defizitäre Smart-Mobile, unattraktive Mitsubishi- und qualitätsgeminderte Mercedes-Fahrzeuge, menschenverachtende Minenverlegesysteme und völkerrechtswidrige Atomwaffenträger hergestellt werden. Und während die Produktionszahlen bei Mercedes heruntergefahren werden müssen, steigt die Daimler-Beteiligungsgesellschaft EADS mit dem Eurofighter und dem Militärtransporter A400M zu einem der führenden Rüstungsproduzenten und -exporteure auf.

Rückblickend ist das Jahrzehnt der Schremppschen Vorstandschaft ein verlorenes Jahrzehnt. Seine selbst gesetzte Zielvorgabe, den innovativsten und zukunftsorientiertesten Mobilitätskonzern zu schmieden, hat er bei weitem verfehlt. Am Ende wird Herr Schrempp bei einer Vervielfachung seines Gehalts als größter Arbeitsplatz-, Aktien- und Börsenwertvernichter in die Annalen der Daimler-Benz und DaimlerChrysler AG eingehen. Zehn Jahre Schrempp? Kein Grund zum Feiern!


Jürgen Grässlin, Freiburg

zu Punkt 4 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Aufsichtsrats
werden nicht entlastet.

Begründung:

Der Aufsichtsrat hat im vergangenen Geschäftsjahr erneut versäumt, einen Beschluss zur individuellen Ausweisung der Gehälter der Vorstandsmitglieder herbeizuführen. Dabei publizieren mittlerweile schon 18 der 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex (DAX) die Gehälter eines jeden Vorstandsmitglieds in ihren Geschäftsberichten.

DaimlerChrysler dagegen zählt weiterhin zu den Schwarzen Schafen, was aus Aktionärssicht in keiner Weise nachzuvollziehen ist. So muss seitens der Kritischen AktionärInnen angenommen werden, dass durch diese Verschwiegenheitspolitik diejenigen Vorstände gedeckt werden sollen, die unter anderem auf Grund ihrer unzureichenden Leistungen Gehaltskürzungen gegenüber dem Vorjahr hinnehmen mussten.

Immerhin weist die Deutsche Bank AG inzwischen das Gehalt des Vorsitzenden Josef Ackermann aus. Nicht nachvollziehbar ist dagegen die Tatsache, dass der ehemalige Deutsche-Bank-Vorsitzende und heutige DaimlerChrysler-Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper dagegen keinerlei Bemühungen erkennen lässt, die Gehälter des Daimler-Vorsitzenden Schrempp und der -Vorstände publik zu machen. Herr Kopper macht sich damit unglaubwürdig und zum Handlanger der Vorstandsinteressen.

Dieses Verhalten steht in der traurigen Tradition nicht nachvollziehbarer und schädlicher Entscheidungen des DaimlerChrysler-Aufsichtsrats – insbesondere der Kapitalseite –, der seit langen Jahren seiner Kontrollfunktion nicht nachkommt und auch an diesem Punkt kläglich versagt.


Jürgen Grässlin, Freiburg

zu Punkt 6 der Tagesordnung:

Die Hauptversammlung erteilt
dem Vorstand keine Ermächtigung
zum Erwerb eigener Aktien.

Begründung:

Der Vorstand trägt auf Grund eklatanter Fehlent- scheidungen die Verantwortung für den dramati- schen Arbeitsplatzabbau, den Einbruch des Börsenwertes und das Herunterwirtschaften der DaimlerChrysler-Aktie von 94,90 Euro (27.04.1999) auf 35,26 Euro (31.12.2004).

In der Folge wurden die Gehälter der Arbeitsnehmer und des Topmanagements reduziert, was in den Medien als vorbildlich angepriesen wurde. Doch gerade die Minderung der Managergehälter könnte sich in naher Zukunft als groß angelegtes Täuschungsmanöver entpuppen. Denn mit dem Erwerb einer Vielzahl eigener Aktien würden Vorstandsmitglieder im Falle des sprunghaften Anstiegs des Aktienwertes vom derzeit niedrigen Kurs profitieren. Die Ermächtigung auf den Aktienerwerb soll insgesamt einen Betrag von bis zu 263.000.000,00 Euro und damit knapp 10 Prozent des Grundkapitals umfassen. Mit anderen Worten: DaimlerChrysler-Führungskräfte, die mit ihrer desaströsen Geschäftspolitik den Aktienkurs auf ein Drittel herunter gewirtschaftet haben, könnten im Falle zukünftiger Aktienkurssteigerungen in großem Umfang vom selbst zu verantwortenden Wertverfall profitieren.

Das abschreckende Signal, das damit verbunden wäre, lautet: Vernichte zuerst den Wert der Aktien deines Unternehmens, erwerbe dann bei niedrigem Kurslevel ein größeres Aktienpaket und profitiere anschließend von der folgenden Wertsteigerung.

Bedenklich ist auch die Koppelung des Aktienkurses an das Vorstandsgehalt, denn damit hegen Topmanager - ganz im Sinne des Shareholder-Value-Denkens - vornehmlich Interesse an der kurzfristigen Steigerung des Aktienwertes. Eine nachhaltige Geschäftspolitik, die erst mittel- oder langfristig eine positive Wirkung für das Unternehmen und seine Beschäftigten zeitigt, wird für Vorstände unattraktiv. In der Wahl zwischen dem Wohl des Unternehmens und der Höhe des eigenen Kontostands werden sich Vorstandsmitglieder für den persönlichen Vorteil entscheiden - auch wenn sie selbstverständlich gebetsmühlenartig das Gegenteil behaupten.

Der Geschäftspolitik primär aktienkursorientierter Vorstandsentscheidungen muss endlich Einhalt geboten werden. Gerade in Zeiten von Hartz IV und Ein-Euro-Jobs darf DaimlerChrysler nicht zum Symbol einer schamlosen Selbstbereicherung durch Topmanager werden.


Eva Grässlin, Freiburg

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands
werden nicht entlastet.

Begründung:

Im Juli 2004 hat die Unternehmensleitung in erpresserischer Manier versucht, die Arbeitnehmer in Sindelfingen, Untertürkheim, Bremen und Südafrika gegeneinander auszuspielen. Die Misswirtschaft von Jürgen Schrempp und seinen Vorstandsmitgliedern durch die jahrelangen Investitionen zur Sanierung von Chrysler und durch die Fehlbeteiligung an Mitsubishi Motors müssen jetzt die Beschäftigten ausbaden.

Das Topmanagement hat eklatante Fehlentschei- dungen zu verantworten, deshalb wäre ein ehrliches Schuldeingeständnis der Firmenleitung und die Halbierung der Vorstandsgehälter angebracht gewesen. Doch während der Vorstand den Arbeitnehmern Wasser predigte, vergrößerte er seinen Weinvorrat durch die Vervielfachung der Gesamtbezüge, wie in den letzten Jahren geschehen.

Herr Schrempp pries in seiner Rede zur Hauptversammlung 2003 die „Erfolgsfaktoren“ von DaimlerChrysler. Dazu gehörten seiner Meinung nach „ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit, sowie … Sensibilität, Respekt und Toleranz. Aber vor allem eines ist wichtig: der Teamgeist. Und da freut mich besonders, dass ich im gesamten Unternehmen ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit und eine sehr gute Stimmung spüre“.

Genau dieser Teamgeist wurde spätestens in dem Moment zerstört, als Herr Hubbert in seiner damaligen Funktion als Mercedes-Chef behauptete: „Wenn wir die baden-württembergische Krankheit nicht beseitigen, wird das zu einem dramatischen Abbau von Arbeitsplätzen führen.“ Wer mit der unbezahlten Verlängerung der Arbeitszeit, der Kürzung des Weihnachtsgelds, der zuschlagsfreien Mehrarbeit bis zu 100 Stunden jährlich, der Ausweitung der Leiharbeit, kürzeren Taktzeiten in der Montage, dem Samstag als Regelarbeitstag, der Streichung von Pausen und vielem mehr droht und diese Szenarien auch schrittweise vollzieht, lässt die hochtrabenden Worte von Herrn Schrempp Makulatur werden.

Dieser sagte: „Externe Umfragen bestätigen uns, dass wir einer der beliebtesten Arbeitgeber der Welt sind. Auf diesen Ruf sind wir stolz. Und wir arbeiten täglich daran, diesem Anspruch gerecht zu werden“. An den Taten des Vorstands gemessen, bleibt davon nicht viel übrig. Soziale Standards sollen ausverkauft werden, die Standorte werden gegeneinander ausgespielt.

Nur durch die massiven Protestaktionen der Belegschaften konnten einige Abschwächungen der geplanten Einschnitte erreicht werden. Entgegen der Hoffnung des Vorstandes ließen sich die Belegschaften nicht spalten, aber der Samen des Misstrauens und der Verunsicherung wird aufgehen - und das ist nicht zum Guten des Unternehmens. Mit dieser Strategie setzt DaimlerChrysler nach Ansicht von uns Kritischen AktionärInnen (www.kritischeaktionaere.de) die Motivation und Kreativität der Belegschaft aufs Spiel. Mit demotivierten Arbeitnehmern kann der Standort Deutschland nicht gesichert werden.

Statt sich weiterhin als Jobkiller und Kapitalver- nichter zu präsentieren sollte Jürgen E. Schrempp arbeitsplatz- und zukunftsichernde Technologien, wie zum Beispiel die serienmäßige Produktion des Zwei-Liter-Autos, einführen.


Eva Grässlin, Freiburg

zu Punkt 4 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Aufsichtsrats
werden nicht entlastet.

Begründung:

Wie schon im Fall der Mehrheitsbeteiligung an Fokker NV und der so genannten „Fusion“ mit der Chrysler Corporation hat der Aufsichtsrat unter der Führung von Hilmar Kopper im Fall Mitsubishi versäumt, den Vorstand zu kontrollieren und die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Dieser hat allein mit dem Einstieg bei der Mitsubishi Motors Company mehrere Milliarden Euro in den Sand gesetzt.

Entgegen der jahrelangen Schönfärberei der Daimler-Führungsebene bietet Mitsubishi heute ein erbärmliches Bild:

> Die Kunden kaufen immer weniger Automobile von Mitsubishi.

> Die Schuldenlast des japanischen Autobauers beträgt 8,5 Milliarden Euro.

> Der Firmensitz in Tokyo wird verramscht. Wo der zukünftige Sitz des Unternehmens sein soll, ist derzeit unklar.

Trotz dieser sich seit langem abzeichnenden Entwicklung hat der Vorstand erst im April 2004 beschlossen, keine weiteren Milliardenzuschüsse zu tätigen. Ein als Kontrollorgan funktionierender Aufsichtsrat hätte längst handeln und den Vorstand zum Ausstieg bei Mitsubishi bewegen müssen. Stattdessen präsentieren sich vor allem die Mitglieder der Kapitalseite als hoch dotierter Abnickverein.

Das Geld, das auf Grund falscher Vorstandsent- scheidungen, sinnlos verprasst worden ist, wurde im Geschäftsjahr 2004 an ganz anderer Stelle zurückgeholt: Um Einsparungen in Höhe von rund 500 Millionen Euro einzufahren, spielte der Vorstand im Sommer letzten Jahres die Arbeitnehmer in den süddeutschen Werken, im Werk Bremen und in Südafrika gegeneinander aus.

Diese Vorgehensweise zeugt von einem rein profitorientierten Shareholder-Value-Denken. Dabei müssen die Beschäftigten durch Lohnkürzungen und weitere Benachteiligungen die Suppe ausbaden, die ihnen der Vorstand durch seine milliardenschweren Fehlentscheidungen und der Aufsichtsrat durch sein Versagen eingebrockt haben.

Statt der Geldverschwendung an Mitsubishi wären die Gelder wesentlich sinnvoller in den Erhalt der Sozial- und Arbeitsstandards, in die Qualitäts- entwicklung bei der Mercedes Car Group und in die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch den Ausbau ökologischer Mobilität investiert worden.

Mit dem schrittweisen Rückzug bei Mitsubishi wird immer offensichtlicher, dass Schrempps Welt AG gescheitert ist. Doch anstatt den Vorstandsvor- sitzenden zu feuern, wurde dessen Gehalt in den letzten Jahren exorbitant erhöht. Jetzt fehlt nur noch die Entscheidung, dass Herr Schrempp zum Aufsichtsratsvorsitzenden berufen wird, dann
ist das Desaster perfekt.


Holger Rothbauer, Tübingen

zu den Punkten 3 und 4 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats werden nicht entlastet.

Begründung:

Da es aktienrechtlich nicht möglich ist im Rahmen eines Gegenantrages zu beantragen, dass nur der Vorstandsvorsitzende Schrempp und der Aufsichts- ratsvorsitzende Kopper nicht entlastet werden sollen, wird dieser Antrag auf Nichtentlastung des gesamten Vorstandes und Aufsichtsrates gestellt.

Zu Beginn der letztjährigen Hauptversammlung am 7.4.2004 hat der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper allen Anwesenden im ICC Berlin ohne jede vorherige Anfrage mitgeteilt, dass DaimlerChrysler mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef zusammenarbeitet. Im Rahmen der späteren Aussprache antwortete der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp auf eine Frage des Dachverbandes der kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC), dass DaimlerChrysler nicht auf der `schwarzen Liste von Unicef´ stehe und seit Juli 2003 wieder mit Unicef kooperiere. Sowohl die Aussage von Hilmar Kopper als auch die von Jürgen Schrempp entsprechen nicht der Realität. In einer dem KADC vorliegenden autorisierten Erklärung von Unicef International wird festgestellt, dass Unicef derzeit DaimlerChrysler wegen seiner Eigentümerstellung bei der EADS und dadurch auch bei RTG-Euromunition weder als Partner noch als Verbündeten betrachtet. Diese klare und eindeutige Antwort von Unicef basiert auf Ziffer 6 der Unicef Guidelines and Manual for working with the business community. Darin heißt es, daß eine Zusammenarbeit von Unicef und einem Unternehmen, welches sich im Bereich der Rüstung und Waffenproduktion engagiert, ausgeschlossen ist. Unicef hat nach gründlicher Bewertung aller international verfügbaren Fakten DaimlerChrysler als ein solches Unternehmen aus dem Bereich der Rüstungsindustrie und Minenproduktion identifiziert. Aufgrund der 30%igen Beteiligung an dem weltweit siebtgrößten Rüstungskonzern EADS und aufgrund dessen 50%iger Beteiligung an der Firma RTG Euromunition, die unter anderem für die Herstellung und den Vertrieb von Minen (MIFF, MUSPA) verantwortlich zeichnet, lehnt Unicef eine Koope- ration und ein Bündnis mit DaimlerChrysler ab.

Unicef teilt dem KADC in dem vorerwähnten Schreiben weiter mit, daß Unicef ein bloßes Käufer-Anbieter-Verhältnis mit Unternehmen unterhält, die sich aber mindestens verpflichten müssen, keine Kinderarbeit zuzulassen und keine Anti-Personen-Minen oder Teile dafür zu produzieren. Das US-amerikanische Verteidigungs- ministerium (Pentagon) halten wie das italienische Verteidigungsministerium die MIFF und Muspa für solche Minen, die unter das Ottawa-Abkommen fallen und somit als Anti-Personen-Minen definiert werden. Hierdurch riskiert unser Unternehmen sogar, von internationalen Organisationen als Verkäufer gemieden zu werden.

Auch der ehrenwerte Versuch, Unicef im Rahmen der Tsunami Hilfe in Südostasien Geld zu geben, darf nicht darüber hinweg täuschen, daß Unicef eine Kooperation und ein Bündnis mit unserem Unternehmen wegen seiner Rüstungsbeteiligungen verweigert. Unicef weiß, daß 80% der Opfer in den derzeitigen gewaltsamen Konflikten auf der Welt Kinder und Frauen sind. Sie sind oft Opfer der Waffen, die leider auch von DaimlerChrysler und seinen Beteiligungsfirmen in alle Welt exportiert werden. Diese Erklärung von Unicef ist ein desaströser Imageschaden für unser Unternehmen, den Herr Kopper und Herr Schrempp zu verantworten haben. Für dieses Fehlverhalten können und dürfen die beiden nicht entlastet werden.


Holger Rothbauer, Tübingen

zu Punkt 7 der Tagesordnung:

Frau Marion Struck-Garbe, 57, Diplom- Sozialwirtin, Lehrbeauftragte an der Uni- versität Hamburg, wohnhaft in Hamburg, Vorstandsvorsitzende im Pazifik-Netzwerk, Referentin für Frieden und Umwelt bei Greenpeace e.V.Deutschland wird hiermit zur Wahl in den Aufsichtsrat der Daimler- Chrysler AG vorgeschlagen. Insoweit wird dem Wahlvorschlag der Verwaltung hinsichtlich des Kandidaten in TOP 7 (Herrn Arnaud Lagardere) in der Hauptversammlung widersprochen.

Begründung:

Als Aktionärsvertreter des Dachverbandes der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC), Arndtstr.31 in 70178 Stuttgart bin ich über die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns nach wie vor sehr beunruhigt. Auf Seiten der Aufsichtsratsmitglieder der Kapitaleigner sind bislang nur Männer, die nicht erkennen lassen inwieweit sie ihrer Kontrollfunktion gerecht werden und richtungsweisende Entscheidungen des Vorstandes herbeiführen bzw. konstruktiv begleiten.

Das weitere Festhalten am größten Anteil des Rüstungskonzerns EADS schadet dem Image und wirkt sich im Wettbewerb nachteilig auf den Verkauf bei der Mercedes Car Group aus.

Erst aufgrund des massiven und unüberhörbaren Drucks des KADC in Zusammenarbeit mit Greenpeace seit drei Jahren konnte sich die Mercedes Car Group endlich zur Einführung des Russpartikelfilters bei Dieselfahrzeugen entscheiden. Dies war viel zu spät und zeigt auch in diesem Bereich den Verlust der bisher bei Daimler gewohnten Technologieführerschaft.

Anstatt sich den neuen verkehrstechnologischen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit und somit den Märkten der Zukunft zu stellen, lässt man sich in der Konzernführung auf unkalkulierbare Abenteuer ein und hält zudem an der image- schädlichen Rüstungsproduktion durch die EADS fest. Eine Umorientierung ist dringend notwendig.

Die Nominierung von Herrn Arnaud Lagardere stellt ein Verbleiben im altbewährten Muster dar: Männliche Vorstände aus einem Unternehmen sitzen in den Aufsichtsräten der anderen Unter- nehmen ihrer Männerfreunde nach dem Motto:
„Ich tu Dir nichts, dann tust Du mir nichts.“ Herr Lagardere nimmt schon jetzt Funktionen in 12 Unternehmen wahr, so daß an seinem Aufwand für DaimlerChrysler schon jetzt erhebliche Zweifel bestehen. Darüberhinaus ist Herr Lagardere in seiner führenden Funktion beim Rüstungskonzern EADS offenbar der Garant dafür, dass Daimler- Chrysler weiterhin an der imageschädigenden Rüstungsproduktion festhalten will. Dies ist ein falsches Signal.

Frau Marion Struck-Garbe ist 57 Jahre alt, wohnt in Hamburg, ist Diplom-Sozialwirtin, Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg, Vorstandsvorsitzende im Pazifik-Netzwerk und derzeit als Referentin für Frieden und Umwelt bei Greenpeace Deutschland e. V. tätig. Sie ist insbesondere im Bereich der Umwelttechnologie eine hochkompetente Expertin und könnte der bisher ausschließlich betagteren Herrenriege im Aufsichtsrat gerade im Bereich der Umweltorientierung im Konzern interessante Impulse geben und die diesbezügliche Arbeit des Vorstandes kompetenter kontrollieren. Durch ihre Tätigkeit im Pazifik-Netzwerk besitzt sie spezifische Kenntnisse in einem der wichtigsten Zukunftsmärkte der Welt. Ihre Tätigkeit an der Universität und bei Greenpeace zeigen hervorra- gende Eigenschaften im Bereich Organisation und Zukunftsstrukturierung. Mit der Wahl einer solch kompetenten Frau in den Aufsichtsrat würde der Konzern den Anforderungen des Global Governance Codex erst wirklich gerecht werden.

Frau Struck-Garbe hält derzeit kein anderes Aufsichtsratsmandat und könnte sich somit mit voller Kraft den Anforderungen an ein ernsthaftes Ausüben der Funktion eines Aufsichtsratsmandates stellen.

 

 

 

 

Beate Winkler-Pedernera, Stade:

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands
werden nicht entlastet.

Begründung:

In der Studie der „Corporate Women Directors International“ vom Oktober 2004 wird Daimler- Chrysler an den Pranger gestellt, da keine Frau im Aufsichtsrat oder Vorstand vertreten ist und Frauen nur zu 5,8 Prozent überhaupt Führungspositionen bekleiden. DaimlerChrysler bildet damit das beschämende Schlusslicht im internationalen Vergleich der 200 größten Unternehmen. Es ist umso unverständlicher, da unsere Unternehmens- leitung gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat im Jahr 2001 eine „Erklärung zur Förderung der Chancengleichheit“ verfasst hat und sich konkrete Ziele bis zum Jahr 2005 – jetzt! – gesetzt hat. Der Anteil der Frauen in Führungsfunktionen in der Ebene 1 bis 4 – solle von 5,7 % in 2001 auf 8 bis 12 % im Jahr 2005 erhöht werden. Auch in der Ebene 5 solle ein höherer Frauenanteil erreicht werden (von 0 % auf ?). Immerhin haben wir eine Erhöhung in den Ebenen 1-4 um 0,1 % erreicht! Eine Glanzleistung. Was ist denn aus den „Career workshops for Top Women Graduates“ geworden, zu denen sich allein im Jahr 2002 rund 675 interessierte Frauen aus aller Welt meldeten!

Ganz richtig schrieb man in der Präambel der „Erklärung zur Förderung der Chancengleichheit“, dass man „die Förderung von Frauen in unserem Unternehmen als einen wichtigen Schwerpunkt [sehe], um langfristig erfolgreich zu sein und um der gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht zu werden. Die Förderung von Frauen ist ein wichtiger Schritt zur Förderung von Chancengleichheit und zur Umsetzung unserer Personalstrategie. Etwa die Hälfte aller Schulabgänger und über die Hälfte aller jungen Menschen mit Fachhochschul- und Hochschulabschlüssen sind Frauen. Dieses Know-How und die vielfältigen Kompetenzen sollen im Unternehmen auch entsprechend eingesetzt werden“. Dennoch folgte dieser Einsicht wenig und dieses Wenige zeigte keinen Erfolg, daher muss anzunehmen sein, dass Frauen bei DaimlerChrysler noch immer ausgebremst oder zumindest ignoriert werden. Wie lässt sich sonst erklären, dass die vom Dachverband der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler vorgeschlagene Aufsichtrats- kandidatin als bisher einzige weibliche Kandidatin zur Wahl stand. Außer den Großaktionären, die wieder nicht an der Kompetenz dieser Frau interessiert waren, erhielt Marion Struck-Gabe (siehe HV-Bericht 2004) beachtliche 652.162 Stimmen. Ich fordere dringend, dass endlich Kandidatinnen für den Vorstand und Aufsichtsrat nominiert werden. Auch hier kann ich direkt Herrn Jürgen Schrempp zitieren: „Wir werden oft gefragt, ob DaimlerChrysler über eine ausreichende Zahl an qualifizierten Mitarbeitern verfüge. Meine Antwort ist ein entschiedenes „Ja!“. Für jede zu besetzende internationale Führungs- position können wir unter mehreren hervorragend geeigneten Kandidaten auswählen.“ Die Betonung liegt wohl eindeutig auf Kandidaten, da Frauen keinen Eintritt in diese Führungspositionen erlangten.

Ich fordere, dass der Selbstverpflichtung von 12 % Frauen in Führungsetagen nachgekommen wird und dieser weiter gesteigert wird. Zum Vergleich: Bei der deutschen Post beträgt der Anteil der Frauen im Aufsichtsrat 30 %. Bei der MetroAG und auch der Deutschen Bank jeweils 25 %. Wenn Herr Kopper als ehemaliger Chef der Deutschen Bank denn schon weiss wie, warum achtet er in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender nicht auch bei DaimlerChrysler darauf?

Bis wirklich die Vorteile der „mixed teams“ mit der immer wieder in Studien nachgewiesenen „Kreation von Mehrwert für die Aktionäre (Shareholder value creation)“ genutzt werden, beantrage ich die Nichtentlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates.

 

Paul Russmann, Stuttgart

zu den Punkten 3 und 4 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats werden nicht entlastet.

Begründung:

Zahlreiche Aktionäre übertragen den
Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler,
Arndtstr. 31, 70197 Stuttgart,
Tel: 0711 - 60 83 96,
paul.russmann@kritischeaktionaere.de
www.kritischeaktionaere.de
ihre Stimmrechte, weil ...

... Vorstand und Aufsichtsrat die Forderungen nach einem Ausstieg aus der Rüstungsproduktion und dem Rüstungsexport auch im Geschäftsjahr 2004 ignorierten. Statt sich von der EADS zu trennen, beziehungsweise dafür Sorge zu tragen, dass die EADS nur noch zivile Produkte anbietet, ist der Umsatz der EADS im Bereich der Rüstungs- produktion von 6 Milliarden Euro (2003) auf 8 Milliarden Euro (2004) gestiegen! Mit anderen Worten: Es wurden im Jahr 2004 noch mehr Daimler-EADS-Waffen in alle Welt exportiert.

... Daimler/EADS völkerrechtswidrig neue Atom- waffenträgerraketen baut. Nun ist es amtlich: DaimlerChrysler ist über die EADS an der Ent- wicklung neuer Atomwaffenträgerraketen beteiligt. Das Amt für Beschaffung des französischen Verteidigungsministeriums bestellte im Rahmen des M-51-Programms Ende 2004 bei der EADS neue Trägerraketen für Atomsprengköpfe im Wert von 3 Milliarden Euro. Die M51 löst ab 2010 das Vorgängermodell M-45 ab und wird auf vier französischen Atomwaffen-U-Booten stationiert.
Die M-51 verfügt über eine größere Reichweite und Zielgenauigkeit als die M-45. Anstatt sich für die Vernichtung aller Atomwaffen einzusetzen, trägt Daimler über die EADS zu einem neuen atomaren Wettrüsten bei. DaimlerChrysler verstößt damit gegen das Gutachten des Internationalen Gerichts- hofes von 1996, der bereits die Entwicklung neuer Atomraketen als „generell völkerrechtswidrig“ bezeichnet hat.

... Daimler/EADS wieder alte Minen im Angebot hat. Auf der aktuellen Internetseite der EADS- Beteiligung RTG-Euromunition www.RTG-E.de wurden bis Januar 2005 unter den Namen PAAS und PATS die Minen MUSPA und MIFF beworben
– und das obwohl der Vorstand bei den letzten Hauptversammlungen behauptet hat, die MIFF und MUSPA würden seit 1994 nicht mehr produziert. Den Begriff „Mine“ sucht man bei den Hersteller- angaben auf der Internetseite zu MIFF und MUSPA vergeblich. Vor einigen Jahren war das noch anders: In einer Werbeanzeige hieß die MIFF noch „Mine-Flach-Flach“ und die MUSPA wurde als „Splitter-Flächensperrmine“ bezeichnet. Laut telefonischer Auskunft der RTG-Euromunition habe man auf Grund von Protesten die oben angegebene Internetseite im Februar 2005 gesperrt. Was hat Daimler/EADS zu verbergen? Angst vor der Kritik, ein Minenproduzent zu sein?

... Daimler/EADS Streumunition produziert (hat). Laut dem Aktionsbündnis www.landmine.de gehört die Daimler-Beteiligungsgesellschaft EADS zu den Unternehmen, die an der Entwicklung und/oder Produktion von Streumunition beteiligt waren bzw. sind. Streumunition erzeugt eine hohe Anzahl von Blindgängern, die genau wie Landminen Leib und Leben der Zivilbevölkerung bedrohen und den Wiederaufbau behindern. Häufig reagieren Streubombenblindgänger noch sensitiver auf den Kontakt einer Person als die verbotenen Anti-Personenminen.

...: die Beteiligung an der EADS nicht zum Kerngeschäft passt und dennoch nicht verkauft oder konvertiert worden ist. Die Beteiligung von Daimler- Chrysler an der EADS sorgt in der Öffentlichkeit immer wieder für Unruhe und Protestaktionen. Viele Menschen, vor allem junge Leute, weigern sich in Aktien unseres Unternehmens zu investieren oder Fahrzeuge zu kaufen, solange DaimlerChrysler/ EADS Minen, Streumunition und Atomwaffen im Angebot hat. Darüber hinaus ist nicht erkennbar, wie die Beteiligung an der EADS mit der Aussage und Strategie des Vorstands zu vereinbaren ist, sich auf das Kerngeschäft – sprich das Automobil- geschäft – zu konzentrieren. Die Beteiligung an der EADS schadet dem Ansehen unseres Konzerns erheblich.

... Vorstand und Aufsichtsrat ihrer moralischen und ethischen Verantwortung nicht gerecht werden. Anstatt den dringend notwendigen Beitrag zur Umstellung der Arbeitsplätze in der Rüstungs- produktion auf zivile Fertigung einzuleiten, haben der Vorstand und der Aufsichtsrat der Daimler- Chrysler AG auch 2004 die konzernanteilige Produktion von Waffen und Rüstungsgütern ignoriert. Damit sind Vorstand und Aufsichtsrat ihrer moralischen und ethischen Verantwortung nicht gerecht geworden. Der Aufsichtsrat hat zudem bei seiner Aufgabe der Kontrolle des Konzernvorstands versagt.


Walter Schwenninger, Tübingen

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Der Vorstand wird nicht entlastet.

Begründung:

Die DaimlerChrysler AG mit ihrem Vorstand hat bis jetzt nicht auf die Forderungen der Internationalen Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika reagiert, sich einer öffentlichen Debatte über die Verflechtung des Daimlerkonzerns mit dem ungerechten Apartheitssystem in Südafrika zu stellen, eine Entschuldigung auszusprechen und sich an der finanziellen Entschädigung der Opfer zu beteiligen. Ich selber habe mit einer vierköpfigen Delegation der Kampagne bei SAFRI-Chef Josef Gorgels in der DaimlerChryslerzentrale in Möhringen am 16.12.03, dem südafrikanischem Versöhnungstag, eigenhändig das Paket mit viertausend Unterschriften überreicht. Bis jetzt bekamen wir keine Antwort.

Die ehemalige Daimler-Benz AG hat Milliarden DM beim Geschäft mit Rüstungsfirmen im Apartheid- land Südafrika verdient und trägt so die Mitverant- wortung dafür, dass mit Hilfe des Sicherheits- apparats dieses laut UNO „einzigartige Unrechts- regime“ solange sich halten konnte. Gerade durch teure Rüstungsgüter (Militärfahrzeuge usw.) und dortige zivile Lizenzproduktion (Motoren, die in Militärfahrzeugen eingebaut worden sind) hat die Firma mitgeholfen, den UNO-Waffenboykott zu brechen und den Schuldenberg mit diesen häßlichen Schulden (Odious debts) in die Höhe zu treiben.

Nach dem Bericht der Wahrheitskommission in Südafrika hätte unsere Firma längst einmal öffentlich erklären müssen, daß sie eine Mitschuld an den schweren Menschenrechtsverletzungen (Mord, Folter, sexuelle Gewalt, willkürliche Verhaftung) trägt.

Die Khulumani-Klägergruppe, die 32000 Opfer vertritt, führt in den USA gerade einen Prozeß gegen 23 internationale Konzerne und Banken, darunter auch unsere DaimlerChrysler AG. Im April wird das Urteil in zweiter Instanz gefällt.

Eine Firma müßte sich in Zeiten der Globalisierung den Fragen der Vergangenheitsbewältigung im ehemaligen Apartheidsregime stellen, wenn sie sich für die Zukunftssicherung im Südlichen Afrika glaubhaft einsetzen will. Deswegen keine Entlastung für diesen Vorstand – in welchem sich nicht einmal eine Frau befindet.


Alexander Dauensteiner, Solingen

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Der Vorstand wird nicht entlastet.

Begründung:

Seit nunmehr fünf Jahren fordern die Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler die serienmäßige Einführung von Rußpartikelfilter (RPF) in alle Diesel-Pkw. Die auf den Hauptversammlungen in den vergangenen vier Jahren durch den Vorstand bekräftigte Blockade der serienmäßigen Einführung dieser innovativen Technologie schadete dem Konzern nachhaltig. Es ist zweifelsfrei nachge- wiesen, dass Dieselruß ab einer bestimmten Konzentration Krebs erzeugen kann. Der Druck auf die Unternehmensleitung wuchs auch im Geschäftsjahr 2004 stetig. Das Verhalten der DaimlerChrysler AG stößt in der Öffentlichkeit auf keinerlei Verständnis. Es wurden gar Fälle bekannt, in denen Kunden vom Kauf von Diesel-Pkw aus dem Hause DaimlerChrysler absehen, weil diese keinen ausreichenden Gesundheitsschutz bieten und in den kommenden Jahren ein massiver Wertverlust für Pkw ohne Rußpartikelfilter zu erwarten ist. Die Folge ist offensichtlich: DaimlerChrysler verliert seit fünf Jahren eine Vielzahl von Kunden auf dem stetig steigenden Markt der Diesel-Pkw. Seit langem hat DaimlerChrysler die Technologieführerschaft an den französischen Konzern PSA (mit seinen Marken Peugeot und Citroen) verloren. PSA hatte bereits im Jahr 2000 ein Rußfiltersystem für Diesel-Pkw erfolgreich zur Serie entwickelt. Allein bei Peugeot wurden seither weit über 700.000 Diesel-Pkw mit Rußpartikelfilter verkauft.

Wie zu erwarten hat DaimlerChrysler – wie von mir bereits in der letzten Hauptversammlung prognostiziert – seine totale Blockade nicht durchhalten können. Auf dem Genfer Automobilsalon 2005 hat der neue Mercedes Car Group-Chef Dr. Eckhard Cordes angekündigt ab Sommer 2005 alle Diesel-Pkw von Mercedes-Benz serienmäßig mit Rußpartikelfiltern auszustatten. Dieser Schritt war längst überfällig und ist zu begrüßen. Heute erhalten Mercedes-Kunden bei DaimlerChrysler für gerade einmal 20 der über 75 Diesel-Modelle Rußpartikelfilter und zahlen dafür zudem einen saftigen Aufpreis von mindestens 522.- Euro. Anders beim Technologieführer PSA: dort werden in alle Diesel-Pkw der Marken Peugeot und Citroën serienmäßig ohne Aufpreis Rußfilter eingebaut. In der Folge hat Peugeot seinen Marktanteil in Deutschland im vergangenen Jahr erneut kräftig steigern können.

Jürgen Hubbert hat es in seiner Verantwortung als Vorstand der Mercedes Car Group in Fragen des Umweltschutzes stets an Kompetenz und Problembewusstsein gefehlt. Er trägt die Verantwortung dafür, dass Mercedes um Jahre hinter die Konkurrenz zurückgefallen ist. Herrn Hubbert ging es lediglich darum, bestehende Normen einzuhalten.

Im Geschäftsbericht 2004 verweist der Konzern darauf, dass das Mercedes-System ohne Zusatzstoffe arbeitet und deshalb „im Gegensatz zu anderen Verfahren dieser Art wartungsfrei“ sei. Offenbar war diese – für Umwelt und Gesundheit völlig irrelevante – Nebensache dem Konzern Grund genug gewesen, die Technik über ein halbes Jahrzehnt (!) nach den Mitbewerbern einzuführen. Dabei ist noch im Jahr 2005 wegen der europaweit gültigen Grenzwerte für Feinstaub mit Fahrverboten für Diesel ohne Partikelfilter zu rechnen. Nach der in nationales Recht umgesetzten EU-Richtlinie darf nur an höchstens 35 Tagen im Jahr der Höchstwert von 50 Mikrogramm Staub in einem Kubikmeter Luft überschritten werden. Kunden, die heute Diesel-Modelle von DaimlerChrysler kaufen, für die der Konzern nach wie vor keine Rußpartikelfilter anbietet, müssen mit Fahrverboten insbesondere in großen Städten und Ballungsgebieten rechnen. Der Geschäftsbericht 2004 trägt den Titel: „Innovationen für unsere Kunden“. Aus Sicht des Kunden klingt dies geradezu wie ein Hohn.

Die auch im Geschäftsjahr 2004 durch den Konzern betriebene Blockadepolitik gegen eine serienmäßige Einführung von Rußpartikelfiltern hat zum Verlust der Technologieführerschaft im Bereich der Dieseltechnologie geführt. Der Vorstand wird daher nicht entlastet“.


Alexander Dauensteiner, Solingen

zu Punkt 4 der Tagesordnung:

Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet.

Begründung:

Die Kontrolle des Vorstands durch den Aufsichtsrat der DaimlerChrysler AG erfolgt in Fragen des Umweltschutzes nicht oder nur völlig unzureichend.

Der Kraftstoffverbrauch der Pkw-Flotte ist nach wie vor viel zu hoch. Der Konzern behauptet zwar in seinem Geschäftsbericht auf Seite 75 und dem Umweltbericht auf Seite 37 den Kraftstoffverbrauch der DaimlerChrysler Pkw-Flotte in Deutschland seit 1990 um 28% auf 7,35 l reduziert zu haben, „was die VDA-Zusage von 25% bis 2005 deutlich übertrifft“. Bis dato hat der Konzern aber jegliche Offenlegung seiner Berechnungsgrundlagen und -methodik in den letzten Jahren abgelehnt. Eine Überprüfung dieser Zahlen ist nach wie vor nicht möglich, die Veröffentlichung deshalb anzuzweifeln. Zudem sind 7,3 Liter für die Pkw-Flotte von DaimlerChrysler immer noch deutlich zu hoch.

Bereits vor neun Jahren hatte ich in meiner Funktion als Sprecher der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler darauf hingewiesen, dass weitergehende Konzepte zur Reduzierung des Flottenverbrauchs notwendig sind. In der Hauptversammlung vom 22. Mai 1996 verwiesen wir unter anderem auf hocheffiziente Hybrid-Antriebe als interessante Option zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs. Damals hatte der Vorstand das Konzept lediglich als „rechnerisch belegbar“ bezeichnet. Viel zu spät wurde erkannt, dass diese hocheffiziente Technologie einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs leisten kann.

Erst im Dezember 2004 hat DaimlerChrysler mit General Motors (GM) eine Übereinkunft geschlossen, „die darauf ausgerichtet ist, eine gemeinsame Hybridantriebs-Architektur zu entwickeln“. Der endgültige Vertrag soll erst im Frühjahr 2005 abgeschlossen werden – einige Mitbewerber verkaufen diese Technologie seit einigen Jahren mit Erfolg. Der Toyota „Prius“ hat inzwischen mehr als zehn internationale Preise, u.a. den zum „Auto des Jahres 2005“, gewonnen. Bei dieser wichtigen Wahl durch 58 europäische Fachjournalisten haben die drei Modelle von Mercedes-Benz (A-Klasse, CLS und SLK) noch nicht einmal die erste Runde der Evaluierung überstanden. Honda hat inzwischen sein Erfolgsmodell „Civic“ ebenfalls als Hybridvariante vorgestellt. Den weitreichenden Strategiefehler, neben der Entwicklung des Brennstoffzellenantriebs viel zu lange keine weiteren Optionen zukünftiger Antriebstechnologien zu verfolgen, hätte der Aufsichtsrat frühzeitig erkennen und entsprechend umsteuern müssen.

Das im Geschäftsbericht 2004 proklamierte Unternehmensziel „beim Schutz der Umwelt als Technologieführer eine Spitzenposition“ einnehmen zu wollen, ist weitgehend verfehlt. Nicht ausschließlich die Aufwendungen für den Umweltschutz von rund € 1,6 Mrd. im Jahr 2004, sondern die vom Kunden, einer kritischen Öffentlichkeit und der Politik eingeforderten Produkte und Technologien für einen nennenswerten Beitrag zum Umweltschutz sind Maßstab hierfür. Hier hinkt DaimlerChrysler seinen Mitbewerbern nach wie vor hinterher, was an dem mehr als fünfjährigen Rückstand bei der Einführung von Rußpartikelfiltern und der viel zu spät anlaufenden Entwicklung von Hybridantrieben besonders deutlich wird.

Auch die Einführung von Erdgasfahrzeugen wurde viel zu spät gestartet. Mit dem E 200 NTG ist nur ein einziger Pkw im Angebot.

DaimlerChrysler läuft Gefahr, dass sich das Umweltengagement auf wenige Alibi-Projekte beschränkt und daher zunehmend unglaubwürdig erscheint. Bis dato gibt es beispielsweise kein eindeutiges Bekenntnis zum langfristigen Engagement bei der Nutzung von Naturfasern. Die lobenswerten Projekte in diesem Bereich – wie z.B. das Projekt POEMA in Brasilien oder ein Projekt auf den Philippinen unter Nutzung der Abaca- Staude – müssen fortgeführt und ausgedehnt werden. Presseberichten zu Folge besteht wegen massiv eingebrochener Absatzzahlen der A-Klasse in Brasilien und Kostengründen sogar die Gefahr, dass der Konzern sich von dem ökologischen Werkstoff ganz verabschiedet. Das aber hätte nicht nur dramatische Folgen für die Arbeiter und Bauern in Brasilien, sondern auch einen erheblichen Imageverlust des Konzerns zur Folge. Ein klares Bekenntnis zu Naturfasern als sozial-ökologischer Werkstoff steht also aus.


Dachverband der Kritischen
Aktionärinnen und Aktionäre, Köln

zu den Punkten 3 und 4
der Tagesordnung:

Den Mitgliedern des Vorstands
wird für das Geschäftsjahr 2004
die Entlastung verweigert.

Den Mitgliedern des Aufsichtsrats
wird für das Geschäftsjahr 2004
die Entlastung verweigert.

gemeinsame Begründung
beider Gegenanträge:

Vorstand und Aufsichtsrat klären Straftaten der früheren Mercedes-Benz AG bzw. deren Tochter- unternehmen bzw. deren Mitarbeiter nicht erkennbar auf, sondern verhindern teilweise ihre juristische Klärung. Dies betrifft insbesondere folgende Sachverhalte:

Im Januar 2004 reichten die Menschenrechts- anwälte Dan Kovalik und Terry Collingsworth vor dem Bundesgericht in San Francisco, USA, eine Zivilklage gegen DaimlerChrysler (DC) ein. Sie fordern Entschädigungen für die Hinterbliebenen von 15 Betriebsräten, die während der Militärdiktatur in Argentinien aus dem dortigen Mercedes-Werk verschwunden sind und höchstwahrscheinlich ermordet wurden. Im Jahr 2004 sollte diese Klage über den diplomatischen Weg dem Unternehmen in Stuttgart zugestellt werden, aber DC weigert sich, die Klage entgegen zu nehmen. Durch diese offenkundige Missachtung der US-Gerichtsbarkeit gefährdet die Konzernleitung das Geschäft im wichtigsten Absatzmarkt USA.

Der frühere Direktor von Mercedes-Benz Argentina (MBA), Ruben Pablo Cueva, hat in seiner vereidigten Zeugenaussage vor dem Wahrheits- tribunal in La Plata bekundet, dass in seiner Zuständigkeit während der Diktatur MBA an das Militärkrankenhaus der Kaserne Campo de Mayo Geräte für die Behandlung von Neugeborenen „gespendet“ hat. Jetzt wurde durch neuste Recherchen der Journalistin Gaby Weber (veröffentlicht in der Frankfurter Rundschau am 24.02.2005) bekannt, dass in der Familie des damaligen MBA-Produktionschefs Juan Ronaldo Tasselkraut drei „adoptierte“ Kinder aufwuchsen, die nicht legal adoptiert wurden. Ob und wie viele weitere MBA-Manager Kinder von ermordeten Regimegegnern der argentinischen Militärdiktatur „adoptiert“ haben, wird durch die argentinische Justiz noch geklärt werden. Die heutige Konzernleitung von DaimlerChrysler lässt keine Bereitschaft erkennen, solche Verbrechen aktiv aufzuklären.

Im Oktober 2004 wurde in Deutschland das Buch „Daimler-Benz und die Argentinien-Connection“ (ISBN 3-935936-33-8) veröffentlicht. Darin wird detailliert und mit zahlreichen Dokumenten beschrieben, dass Daimler-Benz große Summen in der Schweiz versteckten Kapitals des ehemaligen deutschen Naziregimes zwischen 1951 und 1955 über den Umweg Argentinien gewaschen und der deutschen Nachkriegswirtschaft zugeführt habe. Ebenso behandelt das Buch die Anstellung entflohener Nationalsozialisten und Kriegsver- brecher – darunter Adolf Eichmann – nach 1945. Die heutige Konzernleitung von DaimlerChrysler hat der Autorin des Buchs Einsicht in die entspre- chenden Personalakten verweigert und bis heute den Ursprung des seinerzeit in Argentinien investierten Kapitals nicht erklärt.

Obwohl deutliche Hinweise und Fragen zu diesen Themen bereits die DaimlerChrysler Hauptver- sammlung 2004 beschäftigten und längst unter www.kritischeaktionaere.de und www.labournet.de veröffentlicht wurden, sorgen Vorstand und Aufsichtsrat nicht für Aufklärung.
Sie missachten dadurch die soziale Verantwortung des Unternehmens, auf das seine Aktionärinnen und Aktionäre HEUTE stolz sein könnten, wenn es FRÜHERE Verbrechen aufklären würde.