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Aktionärinnen und Aktionäre stellten die einzige weibliche Kandidatin für den Aufsichtsrat, Frau Marion Struck-Garbe. Als
Mitarbeiterin bei Greenpeace hätte sie dank ihrer ökologischen Qualifikation dem Vorstand wirklich auf die Finger
sehen und nicht nur alles abnicken können, wie es sonst der Aufsichtsrat zu tun pflegt. Eine Stimmenmehrheit gegen den Kandidaten der Verwaltung erhielt
Struck-Garbe in der Hauptversammlung jedoch wie erwartet nicht.
Die sozialen Standards bei DaimlerChrysler sänken allgemein, die Beschäftigten stöhnten unter dem Druck der
Arbeitsbelastung und Unsicherheit, beklagte Winkler-Pedernera weiter. Die Unternehmensleitung habe im vergangenen Jahr kurzerhand die verschiedenen Standorte gegeneinander ausgespielt: Wenn die Arbeiter
in Sindelfingen nicht billiger produzieren, wandert die Produktion eben nach Bremen oder SĂĽdafrika ab. Nur durch massive Proteste in vielen Werken konnten einige Forderungen abgeschmettert werden.
Zähneknirschend akzeptierte die Belegschaft aber Lohnkürzungen, weniger Erholzeiten sowie die Teilung in verschiedene Gehaltsklassen. Das erpresserische Verhalten der Konzernführung fördere ein Klima
des Misstrauens und kein Betrieb arbeite gut mit demotivierten Beschäftigten, stellte die Kritische Aktionärin fest.
Fünf anhängige juristische Verfahren auf drei Kontinenten wegen Menschenrechtsver- letzungen mochte Konzernboss Schrempp
ebenfalls nicht im Detail kommentieren. Dabei ermittelt die Staatsanwaltschaft in Buenos Aires wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen ehemalige Manager von Mercedes-Benz
Argentinien, weil sie in die Entführung, die Folterung und das Verschwinden von linken Gewerkschaftern während der Militärdiktatur in Argentinien verstrickt sein sollen. Argentinische Staatsanwälte
verfolgen zudem den damaligen Produktionsleiter der argentinischen Mercedes-Fabrik, Juan Tasselkraut, wegen der illegalen Adoption von Kindern ermordeter Regimegegner; und auch das Oberlandesgericht
Nürnberg berät weiterhin über Ermittlungen gegen Tasselkraut. Zu diesen Strafverfahren verweigerte Schrempp in der Hauptversammlung jede Stellungnahme.
Von der Schadenersatzklage der ĂĽberlebenden Folteropfer und der Hinterbliebenen der ermordeten Argentinier vor dem
Bundesgericht in San Francisco habe Daimler zwar erfahren, so Schrempp, halte jedoch „die Anspruchsgrundlagen inhaltlich nicht für erfüllt“ und setze sich „gegen die unbegründete Klage mit allen
Mitteln zur Wehr.“
Als konkretes Mittel wählt der Konzern deshalb auch nicht die Aufklärung der Vorfälle von 1976, sondern juristische
Winkelzüge. Beim Oberlandesgericht Karlsruhe erwirkte die DaimlerChrysler AG, dass ihr die US-Klage in Deutschland vorläufig nicht rechts- wirksam zugestellt wird. Eine endgültige Entscheidung der
Karlsruher Richter wird frĂĽhestens zum Jahresende erwartet, weshalb sich Schrempp entspannt zurĂĽcklehnen konnte.
Auch die Schadenersatzklage von Opfern des früheren südafrikanischen Apartheid- regimes – mit dem Daimler bis zuletzt
blendende Geschäfte machte – vor dem Bundesgericht in New York war dem Daimlerboss keine Auseinandersetzung mit der Konzerngeschichte wert: „Zu Südafrika sage ich gar nichts mehr.“
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