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Gegenanträge zur DaimlerChrysler Hauptversammlung 2006

Anträge gegen das Management

Zur Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG am 12. April 2006
haben die Sprecherin und die Sprecher der Kritischen Aktionärinnen
DaimlerChrysler (KADC) folgende Gegenanträge angekündigt:


Jürgen Grässlin, Freiburg, beantragt

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands werden nicht entlastet.

Begründung:

Die Verkäufe bei Mercedes-Fahrzeugen blieben im Geschäftsjahr 2005 in Deutschland weit hinter den Erwartungen zurück. Ein Grund dafür war die Tatsache, dass das Image des Unternehmens im vergangenen Jahr massiv eingebrochen ist. So fiel DaimlerChrysler in der Rangfolge deutscher Konzerne von Platz 4 auf Platz 54 zurück (Voten der Institute TNS Emnid und BIK Marplan-Intermedia im September und Oktober 2005). Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen vom Qualitäts-Desaster bis hin zum Ethik-Desaster – der unzureichenden ethischen und moralischen Verantwortung des Daimler-Vorstands.

Trotz der wiederholten Aufforderungen der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC, www.kritischeaktionaere.de und www.juergengraesslin.com) hat der Vorstand auch im Geschäftsjahr 2005 versäumt, die Anteile am europäischen Rüstungsriesen European Aeronautic Defence and Space Company (EADS N.V.) abzustoßen oder die Umstellung auf eine rein zivile Fertigung (Rüstungskonversion) in die Wege zu leiten. Dabei ist Daimler/EADS neben der Produktion von Kampfbombern, Militärhubschraubern und Trägersystemen für Atomwaffen über Beteiligungen auch in die Produktion von Streubomben, Streumunition bzw. Streumunitionswerfern involviert.

Diese Verwicklung konnte auf der internationalen Rüstungsmesse Eurosatory in Paris dokumentiert werden. Am Stand der MBDA, an der die EADS zu 37,5 Prozent beteiligt ist, wurde der Raketenwerfer Multiple Launch Rocket System (MLRS) samt Streumunition präsentiert. Derzeit wird der Raketenwerfer MLRS optimiert. Das neue, so genannte Guided MLRS-System, wird über eine gesteigerte Reichweite verfügen, soll zielgenauer treffen und über effizientere Munition verfügen. Zudem wurde auf der Eurosatory die zukünftige Massenproduktion von MLRS-Raketen angekündigt. Ein solches System kann mit einer Salve rund 8000 Bombletmunitionen auf einem Gebiet bis zu einem Quadratkilometer verteilen. Nach Ansicht der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler und des Aktionsbündnis landmine.de verstößt Streumunition gegen die Genfer Konvention, da diese wahllose Angriffe verbietet.

Auch über die 19-prozentige Beteiligung an der Diehl BGT Defence und die 50-prozentige Beteiligung an der TDA profitiert Daimler/EADS am Geschäft mit Streumunition. Diehl Bodensee-Gerätetechnik produziert den Raketenwerfer RM 70 inklusive Streumunitionsraketen für die slowakischen Streitkräfte. TDA bietet verschiedene Raketen mit Streumunition an, unter anderem für den Kampfhubschrauber Tiger.

In ihren Geschäftsberichten preist die Daimler-Beteiligungsgesellschaft EADS ihre »Verantwortung in der Gesellschaft« (Corporate Social Responsibility, CSR) und behauptet: »Unsere Produkte und Dienstleistungen für Verteidigungszwecke erhöhen die Sicherheit vieler Nationen.« Tatsache ist, dass Streumunition das Leben vieler unschuldiger Menschen bedroht, vor allem das von Kindern, Frauen und alten Menschen in Krisen- und Kriegsgebieten. Denn beim Einsatz von Streumunition, wie beispielsweise auch im Kosovo geschehen, werden häufig Zivilisten getroffen.

Die Kritischen AktionärInnen fordern DaimlerChrysler auf, als größter Anteilseigner der EADS den sofortigen Stopp jeglicher Beteiligung an der Forschung, Entwicklung und Produktion von Streumunition und Streubomben bzw. deren Trägersystemen zu veranlassen. Auch das Aktionsbündnis landmine.de - dem u.a. die Organisationen Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, Deutscher Caritasverband, Diakonie Katastrophenhilfe, EIRENE-International, Handicap International (Deutschland), Justicia et Pax, Kindernothilfe, medico international, Misereor, Oxfam Deutschland, Pax Christi, Solidardienst International e.V., terre des hommes und UNICEF-Deutschland angehören - fordert die EADS nachdrücklich zum Ausstieg aus der Produktion und dem Export von Streumunition auf (siehe www.landmine.de). Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hat sich auch im Geschäftsjahr 2005 geweigert, DaimlerChrysler auf die Sponsorenliste zu setzen. Als erstes Land hat Belgien im Februar 2006 Streumunition verboten, was die Diskussion in Deutschland forcieren und Daimler/EADS als Streumunitionshersteller in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion führen wird.

Derweil bekräftigte die Tagesthemen-Moderatorin Anne Will ihre Position: »Es muss verboten werden, dass Streubomben überhaupt hergestellt werden. Nur so kann man sicherstellen, dass sie nie wieder abgeworfen werden.« Laut Will müsse man sich »unbedingt einsetzen, dass sie verboten werden«. Die Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts verlangt vom Daimler-Konzern eine Abkehr von Streumunition: »Und solange er das macht, werde ich nicht bereit sein, einen Mercedes zu fahren geschweige denn einen zu kaufen.« Sie werde erst dann wieder Mercedes-Kundin, wenn der Konzern darlege, »wir hören auf mit der Produktion«. Erst dann sei sie bereit, »auch bei Mercedes wieder Kunde zu werden«.


Paul Russmann, Stuttgart, beantragt

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands werden nicht entlastet.

Begründung:

Zahlreiche Aktionäre übertragen den Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler ihre Stimmrechte, weil ...

... der Vorstand die Forderungen nach einem Ausstieg aus der Rüstungsproduktion und dem Rüstungsexport auch im Geschäftsjahr 2005 ignorierte. Statt aus der EADS auszusteigen,. beziehungsweise dafür zu sorgen, dass die EADS nur noch zivile Produkte anbietet, unterstützte der Vorstand auch im Geschäftsjahr 2005 die EADS mit einem Aktienpaket von 30,8 Prozent!

... Daimler über die EADS auch 2005 französische Atomraketen entwickelt hat. Anstatt sich für die Vernichtung aller Atomwaffen einzusetzen, trägt der Vorstand zu einem neuen atomaren Wettrüsten bei. Damit verstößt der Vorstand auch 2005 gegen das Gutachten des Internationalen Gerichtshofes von 1996, der bereits die Entwicklung neuer Atomraketen als „generell völkerrechtswidrig“ bezeichnet hat.

...bis im Januar 2005 über die Daimler/EADS/RTG-Euromunition Internetseite unter den Namen PAAS und PATS die Minen MIFF und MUSPA beworben wurden. (www.RTG-E.de)

Dies geschah, obwohl der Vorstand bei den letzten Hauptversammlungen behauptet hat, die Mine Flach Flach (MiFF) und Multi-Splitter-Aktiv (MUSPA) würden seit 1994 nicht mehr produziert. Warum wurden diese weiter beworben, in Anzeigen angeboten, wenn man nicht bereit ist, sie auf Anfrage wieder herzustellen? Ein Möbelhaus bewirbt ja auch keine nicht vorhandene Ware im Angebot - zumindest nicht 10 Jahre später. Und warum die Internetseite Anfang 2005 gesperrt und warum ist sie bis heute nicht mehr zugänglich?

... die Beteiligung an der EADS immer wieder für Unruhe und Protestaktionen in der Öffentlichkeit sorgt. Viele Menschen, vor allem junge Leute, weigern sich in Aktien unseres Unternehmens zu investieren oder Fahrzeuge zu kaufen, solange DaimlerChrysler/ EADS Streumunition und Atomraketen im Angebot hat.

... die Beteiligung an der EADS dem Ansehen unseres Konzerns erheblich schadet. So betrachtet das Kinderhilfswerk UNICEF International in Genf in einer schriftlich vorliegenden Stellungnahme DaimlerChrysler wegen seiner Eigentümerstellung bei der EADS und der RTG-Euromunition weder als Partner noch als Verbündeter. Dafür trägt der Vorstand die Verantwortung.“

zu Punkt 4 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Aufsichtsrats werden nicht entlastet.

Begründung:

Zahlreiche Aktionäre übertragen den Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler ihre Stimmrechte, weil Aktienoptionen kein Lohn für gute Leistungen sind, sondern reine Spekulationsgewinne. Der Erwerb und Verkauf von Aktien durch außerbörsliche Ausübung von Optionen nach dem Rücktritt von Jürgen Schrempp und die damit verbundenen Gewinne innerhalb weniger Stunden bzw. Tage durch untenstehende Personen im Geschäftsjahr 2005 macht deutlich, dass Aktienoptionen nicht der Lohn für gute Leistungen sind, sondern reine Spekulationsgewinne.

Während Vorstand und leitendes Management sich nicht scheuen, einerseits Tausende von Arbeitnehmern im Konzern vor die Tür zu setzen, haben untenstehende Personen andererseits nicht die geringsten Skrupel durch die Einlösung der Aktienoptionen das Geld, das von den Arbeitnehmern am Band verdient wurde, zum Fenster hinaus zu werfen. Neben den unten bestehenden Gewinnen aus der Einlösung der Optionen erhielten sie noch den sogenannten Barausgleich – die Differenz zwischen dem Referenzpreis zum Zeitpunkt des Optionszuspruchs und dem Ausübungspreis – aus der Konzernkasse – und damit von den Aktionären und Aktionärinnen – bezahlt: So kassierte z. B. Dr. Eckhard Cordes noch einmal fast eine halbe Millionen Euro zu den unten aufgeführten 479.000 Euro.

Hier die Namen der Optionseinlösenden 2005 und deren Gewinne ohne Barausgleich: Steven A. Torok 170.000 Euro, Hubertus Troska 39.080 Euro, Dr. Gerald Weber 107.100 Euro, George Murphy 134.100 Euro, Thomas W. Sidlik 156.250 Euro, Dr. Rolf Bartke 171.875 Euro, Hans-Heinrich Weingarten 71.800 Euro, Paul S. Halata 137.000 Euro, Christine K. Cortez 137.000 Euro, Peter M. Rosenfeld 83.520 Euro, David H. Olsen 50.490 Euro, Dr. Albert Kirchmann 51.510 Euro, Thomas W. Sidlik 306.000 Euro, Harald Bölstler 61.200 Euro, Herbert Kaufmann 104.600 Euro, Ulrich Walker 112.800 Euro, Wolfgang Diez 116.000 Euro, Günter Egle 81.000 Euro, Dr. Eckhard Cordes 479.150 Euro.

Durch diese Aktien-Deal-Abkassiererei sehen die Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler ihr Abstimmungsverhalten auf den letzten Hauptversammlungen bestätigt, wo sie gegen die Aktienoptionspläne gestimmt haben. Solche Pläne gehören ein für allemal verboten. Der Hauptverantwortliche für die Genehmigung der Aktienoptionspläne ist der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper, der auch an diesem Punkt die Bedenken vieler Aktionäre und Mitarbeiterinnen vom Tisch gewischt hat.


Beate Winkler-Pedernera, Stade, beantragt

zu Punkt 3 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Vorstands werden nicht entlastet.

Begründung:

„Überall gibt es Listen, und auf allen gibt es einen der an erster Stelle steht“ – so wirbt zurzeit die S-Klasse in einem Fernsehspot. Einer Umfrage unter deutschen Autohändlern zufolge, die von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft durchgeführt worden war, wurden Mercedes massive „Qualitätsschwierigkeiten“ bescheinigt. Statt an erster Stelle findet man Mercedes von 26 Automarken mit Renault letzter Stelle.

Stattdessen steht Mercedes aber an erster Stelle bei den Rückrufaktionen! Rund 1,3 Millionen Fahrzeuge fast aller Mercedes-Klassen wurden in die Werkstätten zurück geordert. Was den Kunden der Mercedes Car Group als „Qualitätsoffensive“ verkauft wurde, war nichts anderes als das Eingeständnis, massenhaft mangelhafte Automobile auf den Markt gebracht zu haben. Die Kosten der größten Rückrufaktion der Geschichte belaufen sich auf knapp eine halbe Milliarde Euro.

Viele Faktoren trugen dazu bei, dass Fehler in der Software und bei den Bremsen auftraten. Die immer geringere Entwicklungs- und Fertigungstiefe ist eine der Ursachen, denn immer mehr Entwicklungs und Fertigungsschritte werden an Fremdfirmen abgegeben. Die firmeninterne Eingangsqualitätskontrolle glich die Schwachstelle offensichtlich nicht aus.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wie will der neue Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche mit weniger Mitarbeitern, immer mehr Autos mit einer zuverlässigeren und hochwertigeren Qualität produzieren? Leistungsverdichtung lautet die ungeschönte Antwort aus den Chefetagen, d.h. aus immer weniger Arbeitern wird immer mehr Leistung herausgepresst. Darunter leidet ab einem gewissen Punkt unweigerlich die Qualität und wie deutlich wird, ist dieser Punkt bereits überschritten! Wenn die Taktzeiten in der Produktion nicht einmal mehr dazu ausreichen Nacharbeiten zumindest aufzuschreiben, geschweige denn sie selbst zu erledigen, dann wird das „Montagsauto“ zum Regelfall. So ist man eben bald wieder auf Platz eins der Listen - der Liste der „Qualitätsoffensiven“!

Ein anderer trauriger erster Listenplatz ist bei der Arbeitsplatzvernichtung erreicht. 2005 wurden bereits 5000 Stellen gestrichen, 3500 Arbeiter und Angestellte sollen in diesem Jahr folgen. Bis 2008 werden weitere 6000 Arbeitsplätze abgebaut.

Allein 2005 wurden dafür 570 Millionen Euro ausgegeben. Abfindungen bis zu 275.000 Euro pro Mitarbeiter wurden angeboten. Wenn alle 14.500 Arbeitnehmer gegangen worden sind, wird der Konzern um knapp 3 Milliarden Euro ärmer dastehen und - weit schlimmer - viele hochkompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mit Ihnen unwiederbringliches Know-How verloren haben. Sich in der heutigen Arbeitsmarktsituation auf einen Aufhebungsvertrag einzulassen bedeutet ein enormes Risiko. Einigen derer, die dennoch allen Abgeboten zum freiwilligen Ausscheiden getrotzt haben, soll gedroht worden sein, dass sie ihren Arbeitsbereich wechseln müssten. „Ob Sie sich in Ihrem Alter denn eine solche neue Aufgabe noch zutrauten“, habe man die Mitarbeiter in süffisantem Ton gefragt. Nicht nur der Seelsorger Schobel in Stuttgart, Bad Cannstatt, versteht die Firmenpolitik nicht mehr: „Mit Angst kannst du keine Qualität erzielen.“

Will man die Arbeitskräfte reduzieren, z.B. um bestehende Überkapazitäten abzubauen, so könnte man auch auf bewährte flexible Arbeitszeitmodelle zurückgreifen. So könnten die Beschäftigten für eine bestimmte Zeit auf bis zu 87,5 Prozent ihrer Arbeitszeit zurückgestuft werden und so Arbeitsplätze gerettet werden und wertvolle Kompetenzen der Mitarbeiter an das Unternehmen weiter gebunden bleiben.

Und – es gäbe auch Alternativen!

Was kennzeichnet die Gewinner der Automobilbranche? Die innovativsten Hersteller mit überdurchschnittlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind BMW und Audi. Beide gehören zu den Gewinnern auf dem Automarkt. Entscheidend sei, „wie attraktiv das Produkt ist“ meint der Automobilanalyst Stephan Doxner von der Landesbank Baden-Württemberg. Dabei sind die Personalkosten „nicht das primäre Problem“. Der Kunde sei bereit, für Autos einen höheren Preis zu zahlen, wenn er dafür eine besonders gute Qualität oder ein technisch innovatives Fahrzeug bekommt. Von dieser „Preisprämie“ habe Mercedes lange gut gelebt. Aber in Zeiten von millionenfachen Rückrufaktionen, ständig liegen bleibenden Hightechlimousinen und einem sich dramatisch verschlechternden Kundenservice in den Vertragswerkstätten, zählt die Preisprämie nicht mehr und so werden scheinbar die Personalkosten zum Problem.

Wann werden endlich die schon seit Jahren in den Schubladen wartenden Pläne für das Zweiliterauto zum Verkaufsschlager bei der Mercedes Car Group und damit auch als ein Arbeitsplatzgarant für die heute verzweifelten und bestens ausgebildeten Mitarbeiter!!


Holger Rothbauer, Tübingen, beantragt

zu Punkt 7 der Tagesordnung:

Frau Marion Struck-Garbe, 58, Diplom-Sozialwirtin, Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg, wohnhaft in Hamburg, Referentin für Frieden und Umwelt bei Greenpeace
e. V.Deutschland wird hiermit zur Wahl in den Aufsichtsrat der Daimler-Chrysler AG, Stuttgart vorgeschlagen. Insoweit wird dem Wahlvorschlag der Verwaltung hinsichtlich des Kandidaten in TOP 7 (Herrn Manfred Bischoff) widersprochen.

Begründung:

Als Aktionärsvertreter der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC), Arndtstr.31 in 70193 Stuttgart, bin ich über die strukturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns nach wie vor sehr beunruhigt. Auf Seiten der Aufsichtsratsmitglieder sind bislang nur Männer im Amt, die nicht erkennen lassen inwieweit sie ihrer Kontrollfunktion gerecht werden und richtungsweisende Entscheidungen des Vorstandes herbeiführen bzw. konstruktiv begleiten. Einmal mehr war dies deutlichst bei den Vorgängen zum Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Schrempp wahrzunehmen.

Das weitere Festhalten am größten Anteil des Rüstungskonzerns EADS schadet dem Image und wirkt sich im Wettbewerb nachteilig auf die Mercedes Car Group aus, wie die aktuellen Verkaufszahlen nachdrücklich belegen.Erst auf Grund des jahrelangen massiven und unüberhörbaren Drucks des KADC in Zusammenarbeit mit Greenpeace konnte sich die Mercedes Car Group endlich zur Einführung des Russpartikelfilters bei Dieselfahrzeugen entscheiden. Auch die Entwicklung von Hybridmotoren wurde verschlafen, was inbesondere auf dem US amerikanischen Markt zu erheblichen Absaznachteilen, wie beispielsweise gegenüber Toyota, geführt hat. Diese Beispiele zeigen in trauriger Weise, wie auch in diesem Bereich der Verlust der früheren Daimler Technologieführerschaft durch falsches Management und fehlende Aufsichtsratsaktivitäten hinzunehmen ist.

Anstatt sich den neuen verkehrstechnologischen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit und somit den Märkten der Zukunft zu stellen, lässt man sich in der Konzernführung auf unkalkulierbare Abenteuer (smart, Maybach etc.) ein und hält zudem an der imageschädlichen Rüstungsproduktion durch die EADS fest. Eine Neuorientierung ist dringend notwendig. Die Nominierung von Herrn Manfred Bischoff stellt ein Verbleiben im altbewährten Mustern dar: Männliche Vorstände aus einem Unternehmen sitzen in den Aufsichtsräten der anderen Unternehmen ihrer Männerfreunde. Dabei gilt das Motto: „Ich tu dir nichts, dann tust du mir nichts.“

Herr Bischoff ist aus dem Vorstand der DaimlerChrysler AG ausgeschieden, um sich mit voller Kraft der EADS widmen zu können. Dies gilt heute offenbar nicht mehr, da er wohl als Topmanager der EADS mehr Zeit zu haben scheint. Schon heute nimmt er Funktionen in vielzähligen Aufsichtsräten und Vorständen anderer Unternehmen wahr, so dass an seinem wirklichen Einsatz für DaimlerChrysler schon jetzt erhebliche Zweifel bestehen. Darüberhinaus ist Herr Bischoff in seiner Führungsfunktion beim Rüstungskonzern EADS offenbar der Garant dafür, dass DaimlerChrysler weiterhin an der imageschädigenden Rüstungsproduktion und an menschenverachtenden Rüstungsexporten festhalten will. Zusammen mit dem Aufsichtsratsmitlied Lagadere soll offenbar die Tüstungslobby im Konzern gestärkt werden. Dies ist ein falsches Signal.

Frau Marion Struck-Garbe ist als Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg, Vorstandsvorsitzende im Pazifik-Netzwerk und derzeit als Referentin für Frieden und Umwelt bei Greenpeace Deutschland e. V. tätig. Sie ist insbesondere im Bereich der Umwelttechnologie eine hochkompetente Expertin und könnte der bisher ausschließlich betagteren Herrenriege im Aufsichtsrat gerade im Bereich der Umweltorientierung im Konzern interessante Impulse geben und die diesbezügliche Arbeit des Vorstandes kompetenter kontrolieren. Durch ihre Tätigkeit im Pazifik-Netzwerk besitzt sie spezifische Kenntnisse in einem der wichtigsten Zukunftsmarkt der Welt. Ihre Tätigkeit an der Universität und bei Greenpeace zeigen hervorragende Eigenschaften im Bereich Organisation und Zukunftsorientierung. Mit der Wahl einer solch kompetenten Frau in den Aufsichtsrat würde der Konzern den Anforderungen des Global Governance Codex erst wirklich gerecht werden.

Frau Struck-Garbe hält derzeit kein anderes Aufsichtsratsmandat und könnte sich somit mit voller Kraft den Anforderungen an ein ernsthaftes Ausüben der Funktion eines Aufsichtsratsmandates stellen. Aus den genannten Gründen empfehlen wir als Kritische AktionärInnen DaimlerChrysler die Wahl von Frau Struck-Garbe in den Aufsichtsrat.

zu Punkt 4 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Aufsichtsrats werden nicht entlastet.

Begründung:

Der Aufsichtsratsvorsitzende Kopper soll von uns Aktionärinnen und Aktionären nicht entlastet werden! Warum?

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp ist nach zehnjähriger Tätigkeit als Konzern-Vorsitzender zurückgetreten, Über die wahren Hintergründe dieses Rücktritts kann nur spekuliert werden. Die Mitteilung des Aufsichtsrates zum Rücktritt enthielt kein Wort des Dankes, eine Abfindung scheint berechtigterweise nicht gezahlt worden zu sein. Bis heute kann niemand begreifen, weshlab sich Herr Kopper im April 2004 persönlich für eine Vertragsverlängerung von Herrn Schrempp bis Ende 2008 stark gemacht hat, obwohl der Vertrag noch bis Ende 2005 lief. Im Juli 2005 wurde dann doch Schrempps Rücktritt zum 31.12.2005 verkündet.Herr Kopper hat zu verantworten, dass Herr Schrempp als ´Mr. Shareholder Value´ angetreten und als ´Mr.Gescheiterte Welt AG´ sang und klanglos abgetreten ist. Unter der Billigung von Aufsichtsratschef Kopper bleiben in der Ära Schrempp für uns Aktionärinnen und Aktionäre fast nur Negativmeldungen in Erinnerung.

Herausgehoben sind zu nennen:

1. Der Zusammenschluss von Daimler Benz mit der Chrysler Corporation, der statt der versprochenen ´Hochzeit im Himmel´ ein katastrophaler Milliarden- und Technologietransfer zum Nachteil der Mercedes Car Group geworden ist.

2. Die im Größenwahn der Welt AG getätigte Beteiligung an Mitsubishi Motors und die damit verbundenen Milliardeninvestitionen, die für die Qualitätssicherung bei Mercedes gefehlt haben. Am Ende blieb nur der Ausstieg bei Mitsubishi mit Milliardenverlusten.

3. Die seit Jahren beschönigende Darstellung der Lage der Maybach- und smart Produktion und -Verkäufe, wobei man sich fragt, ob und welche Ideen und Konzepte für diese Produkte und deren Vermarktung jemals marktgerecht durchdacht worden sind.

4. Die Verweigerung des frühzeitigen Einbaus von Rußpartikelfiltern in die Dieselfahrzeugflotte und das Verschlafen der Entwicklung von Hybridmotoren zeigen, daß die einstige Technologieführerschaft verloren ist und der Konzern bei der Ökologisierung der Produkte der Weltspitze hinterherhinkt.

5. Die bislang nie gekannten Qualitätsprobleme und Rückrufaktionen bei Mercedes haben zu Absatzproblemen und hoher Kundenunzufriedenheit z.B. bei Taxiunternehmen geführt.

6. Die seit vielen Jahren anhaltenden Absatz- und Vertriebsproleme bei Mercedes haben die Skandalberichterstattung in der Öffentlichkeit zu Graumarktgeschäften und Verwicklungen in justizrelevante Vorgänge nicht abreißen lassen.

7. Über die EADS ist Daimler weiterhin der größte Anteilseigner an Europas drittgrößtem Rüstungskonzern und ist somit verantwortlich für Rüstungsexporte in alle Welt, darunter auch in Länder mit fragwürdiger Menschenrechtssituation. Wegen der Beteiligung an der EADS und der damit verbundenen Minenwerbung und Streubombenproduktion verweigert Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, eine Kooperation und Zusammenarbeit mit DaimlerChrysler. Diese Rüstungsbeteiligung stellt daher eine größtmögliche Imageschädigung für die Mercedes Car Group dar, was sich auf die Absätze der Fahrzeuge auswirkt.

8. Trotz der Ankündigung von Beschäftigungs- und Ausbildungsoffensiven wurden in den letzten Jahren Zehntausende von Arbeitsplätzen bei DaimlerChrysler abgebaut.

9. Die Ermittlungen der US amerikanischen Börsenaufsicht SEC wegen der vermuteten Geschäftsabwicklungen über Schwarzgeldkonten lässt möglicherweise internationale Anleger vor Investitionen bei DaimlerChrysler zurückschrecken.

10. Angesichts massiver Managementfehler erscheinen die in den letzten Jahren vom Aufsichtsrat gebilligten Gehaltserhöhungen für die Topmanager völlig überzogen und überhöht. Der Aktienkurs dagegen ist dramatisch gefallen. Die umstrittenen Aktienoptionspläne für das Topmanagement kosten den Konzern viele Millionen Euro bei völlig unzureichender Leistung.

Trotz seines Versagens auf ganzer Linie erhält Herr Kopper aus der Kasse des Konzerns jährlich 243.000 Euro an Tantiemen! Wir Aktionärinnen und Aktionäre nehmen dies nicht länger tatenlos hin. Herr Kopper sollte es schnellstmöglich Herrn Schrempp gleich tun und DaimlerChrysler verlassen, um weiteren Schaden vom Konzern abzuwenden. Zeigen wir Hilmar Kopper als Aufsichtsratsvorsitzenden die ROTE KARTE bevor es zu spät ist!


Alexander Dauensteiner, Solingen, beantragt

zum Punkt 3 der Tagesordnung

Sämtliche im Geschäftsjahr 2005 amtierenden Mitglieder des Vorstands der DaimlerChrysler AG werden nicht entlastet.

Begründung:

Das Jahr 2005 war das wärmste seit über 1.000 Jahren. Der Treibhauseffekt mit seinen verheerenden Auswirkungen, insbesondere für die kommenden Generationen, ist bereits Realität und nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an, umgehendes Handeln ist dringend erforderlich. Für Automobilunternehmen, wie DaimlerChrysler, bedeutet diese Entwicklung die Verpflichtung, den Kraftstoffverbrauch und somit die CO2-Emissionen der Fahrzeuge drastisch zu senken.

Die Ziele im Geschäftsbericht 2005 der DaimlerChrysler AG lesen sich angenehm: „Beständige und herausragende Technologien entwickeln, innovative und begeisternde Produkte herstellen, kundenorientierte Dienstleistungen anbieten und dabei jederzeit exzellente Leistung gewährleisten.“ Sucht man als Kunde oder Aktionär des Konzerns jedoch nach „herausragenden Technologien“ oder „innovativen Produkten“ so fällt die Bilanz vernichtend aus. Zwar arbeitet der Konzern nach wie vor an der Entwicklung des Brennstoffzellen-Antriebs; dessen Markteinführung ist wegen des noch notwendigen Entwicklungsaufwands jedoch nicht vor 2012 zu erwarten. Brückentechnologien, wie die von Toyota erfolgreich verkauften effizienten Hybridantriebe, hat man viel zu lange keine Bedeutung beigemessen. Erst seit Beginn des letzten Geschäftsjahres arbeitet man gemeinsam mit General Motors (GM) an der Entwicklung eines Two-Mode-Hybridsystems. Der Toyota Prius mit Hybridantrieb – Auto des Jahres 2005 und führendes Fahrzeug in der VCD Auto-Umweltliste 2004/2005 und 2005/2006 – wurde allein 2005 mehr als 125.000 mal verkauft.

Eine besonders kostengünstige und umweltfreundliche Brückentechnologie ist der Erdgasantrieb. Für die Markterschließung von Erdgasfahrzeugen in Deutschland und der dazu notwendigen Schaffung einer Erdgasinfrastruktur hat sich der „Trägerkreis Erdgasfahrzeuge“ zusammengeschlossen. Ziel ist, ein flächendeckendes Netz an Erdgastankstellen bereit zu stellen. Doch während also die Gaswirtschaft mit Milliardeninvestitionen die notwendigen Maßnahmen ergreift, verhält sich DaimlerChrysler weiter passiv und ist noch immer nicht Mitglied im wichtigen „Trägerkreis Erdgasfahrzeuge“, der u.a. von Fiat, Opel, Volkswagen und Volvo unterstützt wird. DaimlerChrysler bietet mit dem E 200 NGT bis heute lediglich ein einziges Fahrzeug mit Erdgasantrieb an, für das zudem erhebliche Lieferzeiten bestehen. Mercedes-Kunden, die sich für Baureihen, wie die A-Klasse, B-Klasse, C-Klasse, R-Klasse oder S-Klasse interessieren, steht kein Erdgasantrieb zur Verfügung. Dies ist angesichts weiter steigender Benzin- und Dieselpreise auch wirtschaftlich ein Nachteil. Im Vergleich zum E 220 CDI lassen sich beim heutigen Preis für Erdgas von ca. 0,75 €/kg mit dem E 200 NGT bei einer jährlichen Fahrleistung von 20.000 km über 550 €/Jahr einsparen. Zudem stehen für Erdgasfahrzeuge auf Bundes- sowie auf Landesebene Förderprogramme zur Verfügung, es gibt festgeschriebene Steuervorteile für die umweltfreundlichen Antriebe.

Die Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC, Arndtstraße 31, 70197 Stuttgart, Tel. 0711-608396, orl-russmann@gaia.de, www.kritischeaktionaere.de) fordern den Vorstand auf, für jede angebotene Baureihe des Konzerns künftig auch mindestens ein Pkw mit Ergasantrieb anzubieten. Die entsprechende Technologie ist vorhanden, erprobt, umweltfreundlich und wirtschaftlich. Es kann nicht angehen, dass den Kunden des Konzerns zwar Hunderte Modelle mit Diesel- und Benzinantrieb zur Verfügung stehen, aber lediglich ein einziger Pkw mit Erdgasantrieb. Die Gaswirtschaft ist in Vorleistung gegangen, nun müssen die Konzerne ihrer Verantwortung nachkommen. Nach Presseangaben plant DaimlerChrysler die B-Klasse mit Erdgasantrieb für 2008 anzubieten. Diese Entwicklung kommt viel zu spät und reicht bei weitem nicht aus.

Die Angebotspalette um weitere Fahrzeuge mit Erdgasantrieb zu erweitern, bietet dem Konzern zudem strategisch bedeutende Chancen: Hybridantriebe basieren heute noch weitgehend auf der Kombination von Elektroantrieb mit Benzinantrieb. Die nächste Generation ist jedoch bereits in der Erprobung: Hybridantriebe mit Erdgasantrieb. Das weltweit erste Hybrid-Fahrzeug, welches mit Erdgas fährt, wurde Ende 2005 auf der „Auto Zürich Car Show“ vorgestellt. E.ON Ruhrgas testet zusammen mit E.ON Sverige schon seit längerem den Erdgas-Hybridantrieb am Toyota Prius. Die gemessenen Kohlendioxid-Emissionen waren um fast 20 Prozent niedriger. Eine zweimonatige Testphase über 3.200 Kilometer verlief ohne Komplikationen, die Umschaltung zwischen Benzin, Erdgas und Strom funktionierte reibungslos.

Die nächste Innovation im Bereich der Antriebe zeichnet sich demnach heute schon ab: Erdgas als Kraftstoff wird in die Hybridtechnologie integriert. In beiden Technologiefeldern hinkt DaimlerChrysler dem Wettbewerb hinterher – was sich grundlegend ändern muss, will man nicht anderen Autokonzernen weiterhin die ökologische Führungsposition überlassen.


Jürgen Grässlin, Freiburg, beantragt

zu Punkt 4 der Tagesordnung:

Die Mitglieder des Aufsichtsrats werden nicht entlastet.

Begründung:

Die DaimlerChrysler AG hat ihre so genannte „Ad-hoc-Meldung“ zum vorzeitigen Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Jürgen E. Schrempp nach Ansicht der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC, Arndtstraße 31, 70197 Stuttgart, Tel. 0711-608396; www.kritischeaktionaere.de und www.juergengraesslin.com) deutlich zu spät publik gemacht. Dieses folgenschwere Versäumnis hat offensichtlich der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper maßgeblich zu verantworten, der frühzeitig und lange vor allen anderen Aufsichtsräten über Schrempps Rücktrittsabsichten informiert worden ist.

Nachdem Herr Schrempp seine Entscheidung getroffen hatte, den bis zum Jahr 2008 (!) befristeten Vertrag wider früherer Aussagen nicht zu erfüllen, beriet er sich nach der Hauptversammlung am 6. April 2005 mit seiner Ehefrau und Vorsitzendensekretärin Lydia Schrempp, dem Aufsichtratsvorsitzenden Hilmar Kopper und Hartmut Schick, Leiter der DC-Öffentlichkeitsarbeit.

Bereits Mitte Mai 2005, also mehr als zwei Monate (!) vor der öffentlichen Bekanntmachung, diskutierte Herr Schrempp seine Überlegungen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper. Am 1. Juni 2005 konfrontierte Schrempp die beiden Aufsichtsräte Lynton R. Wilson und Robert J. Lanigan mit seinen Rücktrittsabsichten. Zwei Wochen danach informierte Herr Schrempp seinen Nachfolger Dieter Zetsche. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kommt zu dem Schluss, dass spätestens seit dem 10. Juli 2005 (siehe manager magazin vom April 2006) eine Insiderinformation gemäß § 13 WpHG vorgelegen habe. Legt man die o.g. Chronologie zu Grunde, so muss ich annehmen, dass die so genannte „Ad-hoc-Meldung“ noch früher hätte publiziert werden müssen.

Am 16. Juli 2005 wurde ich selbst telefonisch von einem Informanten über den wohl in Kürze bevorstehenden Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Schrempp in Kenntnis gesetzt. Herr Kopper aber veranlasste noch immer nicht die notwendige „Ad-hoc-Meldung“ zur Information der Aktionäre, Beschäftigten und Öffentlichkeit.

In den Tagen danach informierte Herr Schrempp Herrn Erich Klemm, den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden und Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats, über die Absicht, seinen Vertrag nicht zu erfüllen, ebenso wurden weitere Führungspersonen informiert. Augenscheinlich am 27. Juli 2005 – elf Tage (!) nach meiner Kenntnis der bevorstehenden Rücktrittsankündigung Schrempps – wurde Eckhard Cordes, der amtierende Vorsitzende der Mercedes Car Group und erklärte Kronprinz, von Herrn Schrempp über die geplanten Personalangelegenheiten informiert. Allein diese Tatsache zeigt den desaströsen Umgangstil in der Führungsebene der DaimlerChrysler AG.

Am 28. Juli 2005 – zwölf (!) Tage nach meiner Kenntnis der bevorstehenden Rücktrittsankündigung Schrempps - publizierte DC um 10.32 Uhr die so genannte „Ad-hoc-Meldung“ zum geplanten Schrempp-Rücktritt am 31. Dezember 2005. Selbst an diesem Tag hatten Nachrichtenagenturen vorzeitig über Rücktrittsgerüchte berichtet. Die Tatsache, dass sich der Aufsichtsrat bei Herrn Schrempp nicht einmal für dessen zehnjährige Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender bedankt hat, kann angesichts seiner desaströsen Arbeitsplatz- und Kapitalvernichtungspolitik durchaus nachvollzogen werden.

Doch die Folgen des Strategie- und Kommunikations-Desasters im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Schrempp-Rücktritt sind verheerend: Eckhard Cordes hat das Unternehmen umgehend verlassen. Anteilseigner klagen jetzt in Musterverfahren auf Schadensersatz ihrer in Unkenntnis der Sachlage zu früh und damit unter Wert verkauften Aktien und werden ihre Prozesse mit hoher Wahrscheinlichkeit – und meines Erachtens völlig zu Recht – gewinnen. Mit dem pekuniären Schaden einher geht der weitere Verlust des Renommees der DaimlerChrysler AG.

Aus diesem Grund fordern die Kritischen AktionärInnen:
ROTE KARTE, HERR KOPPER! Treten Sie sofort zurück!


Presseinformation zur DaimlerChrysler HV 2006

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