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Deutsche Bank Hauptversammlung 2001

Kritische Aktionärin fordert
Schuldenstreichung für Südafrika

Die Rede der Kritischen Aktionärin Dorothea Kerschgens in der
Hauptversammlung der Deutschen Bank am 17. Mai 2001:

Ich vertrete als Kritische Aktionärin die Forderungen von Menschen aus dem Südlichen Afrika. Es ist eine Koalition von Kirchen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorgani- sationen. Gleichzeitig stehe ich für die Internationale Kampagne ‘Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika’.

"Entschädigung ist eine Forderung, deren Zeit gekommen ist", sagte vor kurzem Neville Gabriel auf der Konferenz: ‘Entschädigung jetzt, nicht erst in 50 Jahren’.
Er arbeitet als Generalsekretär für Jubilee 2000 in Südafrika und als Fachreferent
für Wirtschaftsfragen der Katholischen Bischofskonferenz.

Einige Fragen bewegen uns und die Menschen in Südafrika:

Wie wollen Sie der Bevölkerung Südafrikas und den engagierten Vertretern
der Entschuldungskampagne erklären, warum sie doppelt bezahlen sollen,
ja, doppelt bestraft werden sollen?

Damals in den 7oer und 80er Jahren als Kredite und Anleihen in Strukturen des Apartheidregimes flossen, die das menschenverachtende System stabilisierten. Wir gehen nicht so weit zu sagen, um das Regime zu stabilisieren, aber die Verlängerung von Apartheid haben sie in Kauf genommen. Doppelte Bestrafung indem heute Gelder der Regierung nicht genug in Prävention gegen HIV/Aids fließen können oder in nötige Infrastrukturmaßnahmen.

Was sagen Sie der Vertreterin Ntombi Musikare der Khulumani Support Group, die beklagt, dass Opfer von Apartheid noch nicht entschädigt wurden, weil der Regierung Geld fehlt, denn sie bezahlen Schulden aus Apartheidzeiten an deutsche Banken zurück, auch an die Deutsche Bank.

20 Prozent des Staatshaushalts werden zur Schuldentilgung aufgewendet. Sie können sich auf die südafrikanische Regierung berufen, die aussagt, die Schulden seien schon zurückgezahlt worden. Ich sage Ihnen, vielleicht wurden sie zurückbezahlt, aber nur um den Preis neu aufgenommener Kredite.

Was sagen Sie Vertretern der Nachbarländer z.B. dem ehemaligen Präsidenten Kenneth Kaunda, der in Bonn auf der genannten Konferenz schilderte, wie Sambia als Frontstaat litt und noch leidet. Nach der Unabhängigkeit Sambias war dieses Land eine der wichtigsten Unterstützer der Apartheidgegner. Diese Rolle musste Sambia aber mit dem Tod vieler Menschen, der Zerstörung von Infrastruktur und hohen Kosten bezahlen. Kosten, die heute noch in Form von Schulden und Rückzahlungsquoten in Millionenhöhe das Land belasten.

Forderungen, die sich aus den Fragen ableiten, sind:

  • Anerkennung der Apartheidschulden als "odious debt" als sittenwidrige Schulden
  • Anerkennung von apartheidverursachten Schulden und Schäden in den ehemaligen Frontstaaten
  • bedingungslose Streichung noch ausstehender Apartheidschulden
  • Rückzahlung der bereits beglichenen Apartheidschulden
  • Rückgabe der erwirtschafteten Profite in Form ausdrücklicher Wiedergutmachungszahlungen.

Die Deutsche Bank macht Geschäfte und Profite auf dem internationalen Parktett, deshalb ist es wichtig hier in der HV auch auf Fragen zu diesen Transaktionen zu antworten. Aus ihrem Geschäftsbericht geht hervor, dass sie für das Jahr 2000 Erträge aus globalen Unternehmen und Institutionen von 14.651 Millionen Euro hatten und damit außerordentlich erfolgreich waren.

In Ihrer Rede, Herr Dr. Breuer, vom Oktober 2000 anläßlich einer Ausstellungs- eröffnung, in der sie auf Corporate Citizenship und die Bedeutung für die Deutsche Bank eingingen, sagten Sie: "Wir wollen unseren Aktionären zur Kenntnis bringen, dass die Deutsche Bank sich nicht nur zur Gewinnmaxmimierung verpflichtet fühlt, sondern gleichermaßen verpflichtet in ihrer gesellschaftlichen Position hier und in den Märkten, in denen sie tätig ist. Gemeint ist das internationle Engagement in Europa, in den Vereinigten Staaten, in Südafrika, in Asien."

Wir nehmen sie ernst, Herr Dr. Breuer, in ihren Aussagen. Und wenn ich hier kritisch frage, spreche ich genau die Sorgen und Fragen an, die wir im Gespräch mit Menschen aus dem Südlichen Afrika hören. Ich bin sozusagen Sprachrohr für diejenigen, die hier nicht stehen können.

Wenn es ihnen mehr um konkrete Zahlen geht, bin ich gerne bereit, zu hören, welche Fakten und Zahlen sie unseren gegenüberstellen, die wir Ihnen schon mehrfach vorgelegt haben. Sie haben mit uns einen Dialog begonnen, das hebt sie gegenüber anderen Banken hervor. Wir sind froh über diesen Beginn, können aber noch nicht abschätzen, wie steinig dieser Weg sein wird, den wir gemeinsam vor uns haben.

In wenigen Wochen erinnnern wir an den 25. Jahrestag des Schüleraufstandes in Soweto, der am 16. Juni 1976 begann. Er war damals ein Signal in der Zeit der Resignation. Tote und zahlreiche Verletzte waren die Folgen, aber auch der ungebrochene Wille zur Gegenwehr gegen ein verhasstes Regime. Viele junge Menschen mussten anschließend ins Exil, andere arbeiteten politisch im Untergrund. Die damaligen Vertreter und Vertreterinnen dieses Schüleraufstandes und ihr Mitbürger haben es verdient, dass sie nicht nur den politischen Sieg davontragen. Sie haben es auch verdient, dass es mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit in ihrem Land gibt. Sie wissen, dass Südafrika nach Brasilien das Land mit den größten Einkommensgegensätzen ist.

In ihrer Publikation "Engagement heute - Verantwortung für morgen" veröffentlichen
sie unter der Überschrift ‘Ein offener Umgang mit der eigenen Vergangenheit’:
"Die Erklärung der Gegenwart bedarf einer Analyse der Vergangenheit" und verweisen auf das Historisches Institut der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank stellt sich ihrer Verantwortung, was ihre Geschäftstätigkeit während der Zeit des Nationalsozialismus betrifft. Haben sie den Mut, auch die Geschäftstätigkeit mit Apartheid-Südafrika kritisch zu hinterfragen und ihre Konsequenzen zu ziehen, gemäß ihrem Motto "Auch Geschichte schreibt Zukunft".

Helfen Sie durch konkrete Verhandlungen über Entschuldung
und Entschädigung zu mehr Gerechtigkeit im südlichen Afrika!
 


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