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Nun, vielleicht tut an dieser Stelle eine geistig-geistliche Lockerungsübung gut.
Ein Blick in die Schriften der jüdisch-christlichen Tradition fördert Erstaunliches zutage: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer – Gerechtigkeit nicht Almosen!“ Die Bibel fordert
den engagierten Gläubigen also auf, sein Seelenheil nicht ausschließlich in Gebet, Askese und Nächstenliebe, sondern auch und gerade in praktizierter Solidarität und
im Einsatz für gerechte Strukturen zu suchen. „Wer Ohren hat zum Hören, der höre!“
„Wir sammeln für die Reichen. Wir sammeln ,Brot für die Bank’“.
Wem gehört die Welt, so fragen wir. Und wir meinen mit den Worten des Psalmisten
sagen zu können: „Die Erde ist des Herrn“. Wir alle sind nur die Nutznießer und Hüter der Schöpfung. Leider verhalten wir uns nicht entsprechend. Vielen Menschen fehlt es
an den notwendigen Gütern; selbst große Industrienationen wie die unsrige stehen vor dem Bankrott. Irgendwo muss wohl ein großes Loch sein, in dem die vorhandenen
Reichtümer dieser Welt spurlos verschwinden.
Deshalb haben wir uns von der Initiative Ordensleute für den Frieden gedacht, dass
wir sammeln sollten. Aber nicht etwa für die Armen. Das geschieht ja schon und hilft doch nicht viel. Nein, wir sammeln für die Reichen. Wir sammeln „Brot für die Bank“! (Hält eine Sammelbüchse mit einer entsprechenden Aufschrift hoch.) Mehrere
Monate lang haben wir auf Frankfurts Straßen für Sie, Herr Ackermann, gesammelt: „Brot für die Bank“. Und wir möchten Ihnen jetzt das Ergebnis unserer Bemühungen
übergeben, insgesamt rund fünf Kilogramm Kleingeld. Und seien Sie gewiss, Herr Ackermann: Jeder gesammelte Cent ist ein Protest dagegen, dass die Armen immer noch die Reichen finanzieren!
Deutsche Bank HV 2004
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