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stellen, das, auĂer dem Nazi-Regime, wie kein anderes von der UN in zahlreichen Resolutionen als âVerbrechen gegen die Menschheitâ
geÀchtet worden ist.
Deshalb ist die ehrliche und umfassende Aufarbeitung Ihrer Verflechtung mit der Apartheid solch ein exemplarischer Testfall, der weit
ĂŒber eine historische Aufarbeitung der Vergangenheit hinausgeht. Denn hier handelt es sich um ein Regime, in dem sich nicht nur schwere Menschenrechtsverletzungen zugetragen haben, sondern eines, das auf der
systemischen Diskriminierung einer Mehrheit durch eine Minderheit beruhte. Es handelte sich völkerrechtlich um ein illegitimes Regime, das der groĂen Mehrheit der Bevölkerung ihr Recht auf Selbstbestimmung
verwehrte.
Es handelte sich um ein so genanntes âodious regimeâ, um in der Sprache der zwei Harvard Professoren Michael Kremer und Sema
Jayachandran, Mitarbeiter im Internationalen WÀhrungsfonds zu reden, das international zu Àchten und zu isolieren ist. Diese renommierten Wissenschaftler haben in ihrem international stark beachteten Beitrag zum
Aufbau von Global Governance Strukturen vorgeschlagen, solche Regime u.a. mit Kreditsanktionen zu belegen. Finanzinstitute, welche solche zu Àchtende Regime finanzierten, wÀren vorgewarnt, dass sie riskierten,
ihre Gelder nicht zurĂŒck zu bekommen. Gleichzeitig brĂ€uchten nachfolgende demokratische Regierungen keine EinbuĂe ihrer KreditwĂŒrdigkeit auf den FinanzmĂ€rkten befĂŒrchten, da diese Regime öffentlich als
âverabscheuungswĂŒrdigâ gebrandmarkt worden seien. Wir behaupten, dass dieses von Kremer und Jayachandran entworfene Zukunftsszenario im Falle des Apartheidregimes schon vorweggenommen wurde.
Deshalb wirft die Finanzierung des Regimes der Apartheid durch die Deutsche Bank und viele andere einige grundsÀtzliche Fragen von
corporate und global governance auf, fĂŒr Sie als Bank, aber auch fĂŒr Sie alle als AktionĂ€re der Bank:
- Wie weit darf eine Bank ein systemisch verbrecherisches und
völkerrechtlich illegitimes Regime mitfinanzieren?
- Wo liegt die Grenze, an der GeschÀfte mit solchen Regimen eine
Mitverantwortung und Mit-Haftung fĂŒr die von letzteren betriebene strukturelle Diskriminierung und UnterdrĂŒckung bedeuten?
- Inwieweit bin ich als AktionÀr oder AktionÀrin mitverantwortlich
fĂŒr das, was mit meinem Geld geschieht? Wann darf es nicht
heiĂen: âGeschĂ€ft ist GeschĂ€ftâ?
Wo fÀngt bei der Zusammenarbeit mit international geÀchteten Regimen wie dem der Apartheid das an, was wir aus dem Privatrecht als
âungerechte Bereicherungâ kennen? Der NobelpreistrĂ€ger Desmond Tutu, der Vorsitzende der sĂŒdafrikanischen âWahrheits- und Versöhnungskommissionâ, hat in seiner offiziellen ErklĂ€rung vom Januar diesen
Jahres an das New Yorker Gericht, vor dem die gegenwÀrtigen Klagen von Apartheidopfern verhandelt werden, noch einmal zu bedenken gegeben, dass es sich bei all denen, die an ihren GeschÀften mit der Apartheid
verdienten, um solch einen Fall von âungerechter Bereicherungâ handelt.
Dieses Thema der âungerechten Bereicherungâ findet auch ErwĂ€hnung an zentraler Stelle des sechsten Bandes des endgĂŒltigen
Abschlussberichts der sĂŒdafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission, der am 21. MĂ€rz letzten Jahres veröffentlicht wurde, und an dessen grundlegender Formel âDurch Wahrheit und EntschĂ€digung zur
Versöhnungâ wir uns in unseren GesprĂ€chen mit Ihnen orientiert haben. Und damit komme ich zu meinen abschlieĂenden Fragen:
Die Frage der historischen Aufarbeitung
Ihrer Verflechtung mit der Apartheid
Hier haben Sie erste positive Signale gesetzt. In ihrer Antwort, Herr Dr. Ackermann, auf meine
diesbezĂŒgliche Anfrage auf der Hauptversammlung im vorigen Jahr, stellten Sie eine historische Aufarbeitung durch eine interne Arbeitsgruppe des Historischen Instituts der Bank, in Aussicht. Nach Informationen aus
Ihrem Hause ist diese Arbeitsgruppe seit Juni 2003 an der Arbeit, eine umfassende Dokumentation aller GeschĂ€fte der Deutschen Bank mit SĂŒdafrika bis zur Beendigung der Apartheid im Jahre 1994 zu erstellen.
Wann können wir mit ersten Ergebnissen rechnen? Werden diese veröffentlicht? Beabsichtigen Sie, diese
Dokumentation auszuweiten auf eine wissenschaftliche Untersuchung durch unabhĂ€ngige Historiker, wie Sie es im Falle der Aufarbeitung der Rolle der Deutschen Bank im Dritten Reich getan haben? WĂŒrden zu solch einer
wissenschaftlichen Aufarbeitung auch Wissenschaftler von unserer Seite und aus SĂŒdafrika hinzugezogen?
FortfĂŒhrung und Konzentrierung der GesprĂ€che
Seit 1999 suchen wir das GesprÀch mit Ihnen. Die zeitweilig unterbrochenen GesprÀche wurden am 16. Dezember im letzten Jahr anlÀsslich
der Ăbergabe der gesammelten Unterschriften an die Adresse der fĂŒnf deutschen beklagten Unternehmen Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank, Daimler Chrysler und Rheinmetall, wieder aufgenommen.
Sind Sie bereit, einen Schritt weiter zu gehen, und in einem internen FachgesprÀch mit Experten Ihres Hauses strittige Punkte zu
diskutieren, die wir in unseren drei einschlÀgigen Recherchen zur Sprache gebracht haben? Darunter vor allem: die Kredite an den öffentlichen Sektor des Apartheidstaats; die Kredite an die staatlichen Unternehmen
ESCOM und ISCOR u.a.; die Rolle der Deutschen Bank im Technischen Komitee ab 1986, und hier besonders die Frage, inwieweit die Deutsche Bank die dort vorhandenen SpielrÀume genutzt hat, auf das Ende der Apartheid
hinzuarbeiten, wie Sie immer wieder behaupten.
Ihre Bereitschaft zu einer öffentlichen Debatte zur Bewertung
der Ergebnisse der historischen Aufarbeitung
Sind Sie bereit, sich an einer öffentlichen Debatte zu beteiligen, in der anhand des exemplarischen Falles der Finanzierung des
Apartheidregimes, die Grenzen von einer ethisch verantwortbaren Kreditfinanzierung von repressiven, illegitimen und diktatorischen Regimen ausgelotet werden können?
Könnten Sie sich vorstellen, dass sich Ihre Alfred Herrhausen Gesellschaft fĂŒr internationalen Dialog dieses aktuellen Themas annimmt
und eine internationale Fachkonferenz dazu organisiert? Unter Beteiligung von Vertretern der verschiedenen Interessensgruppen und renommierter Völkerrechtler?
Letzte, aber entscheidende Frage: Ihre Beteiligung an EntschÀdigung
Wie weit sind Sie bereit, unabhÀngig von den Klagen in New York, sich an der EntschÀdigung der Apartheidopfer zu beteiligen? Im Film,
der als Vorspann zur Hauptversammlung gezeigt wurde wie auch auf S. 14 des Jahresberichts, zeigen Sie Nelson Mandela als Schirmherren eines Ihrer Projekte im Rahmen der Africa Foundation.
Inwieweit sind Sie bereit, ĂŒber wohltĂ€tige Projekte hinaus, sich mit anderen an der EntschĂ€digung der Opfer der Apartheid zu
beteiligen; dies in einem rechtlich abgesicherten Rahmen, der mit den legitimierten Vertretern der Opfer der Apartheid auszuhandeln wÀre? Dies legt der Abschlussbericht der Wahrheits- und Versöhnungs- kommission
den sĂŒdafrikanischen und auslĂ€ndischen NutznieĂern der Apartheid nahe. Die Opfer der Apartheid wollen keine Almosen, sie wollen ihr Recht auf EntschĂ€digung!
âLeistung aus Leidenschaftâ? Ja. âLeidenschaft, die Werte schafftâ? Ja.
Deshalb aber auch: Leidenschaft in der Aufdeckung der Wahrheit, die freimacht; und Leidenschaft in der Ăbernahme Ihrer historischen Verantwortung. Die wĂŒnsche ich Ihnen!
Deutsche Bank HV 2004
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