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Dresdner Bank Hauptversammlung 1997

17 Änderungsanträge für die
Satzung der Dresdner Bank

Zur Hauptversammlung der Dresdner Bank am 23. Mai 1997 setzte der Dachverband
17 Anträge auf Satzungsänderung durch. Darunter fanden sich konkrete Vorschriften
zur Beschränkung der Bankenmacht gegenüber produzierenden Unternehmen,
Maßnahmen zur Förderung von Frauen und Schwerbehinderten in der Bank und
verschiedene Regelungen für mehr interne ,Aktionärsdemokratie‘ in den Haupt-
versammlungen der Dresdner Bank. Wie erwartet entfielen jedoch nur wenige
Stimmen auf diese Vorschläge.

Besonders hart griffen Redner
des Dachverbands den Vor-
stand für seine unsoziale Job-
vernichtungs- politik bei der
zwischenzeitlich gescheiterten
feindlichen Übernahme von
Thyssen durch Hoesch/Krupp
an.

Außerdem bevollmächtigten
die Kritischen Aktionäre Ver-
treterinnen der Umweltschutz-
organisation Urgewald, in der
Versammlung zu sprechen,
um die Führung der Dresdner
Bank für die Finanzierung
eines Staudammprojekts in
Chile anzugreifen, das sogar
die Weltbank wegen seiner
Umweltschädlichkeit abgelehnt
hatte.

Die Mitgliedsorganisation des
Dachverbands ,Leben und
Arbeiten im Gallus und Gries-
heim‘ LAGG beantragte, die
Dividende nur um einen Pfen-
nig weniger zu erhöhen, als
vom Vorstand vorgeschlagen
wurde. Der ,gesparte‘ Pfennig
sollte nach diesem Vorschlag
für die Entschädigung von
Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeitern verwendet
werden, von deren Arbeit die
Dresdner Bank in der Zeit des
Nationalsozialismus profitiere.

Vorstand und Aufsichtsrat lehn-
ten Entschädigungszahlungen
kategorisch ab und bestritten
jede Verantwortung der Bank
für frühere Verbrechen. Auch
die große Mehrzahl der anwe-
senden Aktionärinnen und
Aktionäre mochten nicht auf
den Pfennig mehr Dividende
verzichten.

Ausschnitte der Rede des Kritischen Aktionärs
Henning Kühn vor den Aktionären der Dresdner Bank
am 23. Mai 1997 in der Frankfurter Jahrhunderthalle:

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, die Dividende um 20 Pfennige pro Aktie zu erhöhen. Wir beantragen, die Dividende lediglich um 19 Pfennige zu erhöhen, also auf einen Pfennig Dividendenerhöhung zu verzichten, um sich wenigstens symbolisch der historischen Verantwortung für die Beteiligung der Dresdner Bank an den Verbrechen des NS- Regimes zu stellen. -- Einen Pfennig pro Aktie für die Zwangsarbeiter all der Firmen, an denen die Dresdner Bank Beteiligungen oder Mitverantwortung hatte

Es ist schlicht eine historische Tatsache, daß die Dresdner Bank an Zwangsarbeit und KZ, an Arisierung und Krieg verdiente. Nicht umsonst stellte die amerikanische Militärregierung 1945 fest: “Kein anderes führendes Kreditinstitut identifizierte sich so vollständig mit den Zielen der NSDAP, der Nazi-Regierung und der SS und keine Bank schlug aus ihren politischen Beziehungen so rücktsichtslos Profit.”

Es liegt mir fern, Sie persönlich für diese begangenen Verbrechen verantwortlich zu machen. Verantwortung tragen Sie allerdings für ihr heutiges Handeln.

Ein Beispiel für die Mitbeteiligung der Dresdner Bank an der Ausbeutung von Zwangsarbeitern sind die Frank-furter Adlerwerke. Hier besaß die Dresdner Bank das zweitgrößte Aktienpaket und kontrollierte den Aufsichtsrat. Ab 1944 wurde in den Adlerwerken das KZ Katzbach/Adlerwerke eingerichtet.

Wie Herr Sarrazin im Geschäftsbericht feststellt, erfreut sich das “Geburtstagskind” Dresdner Bank “bester Gesundheit”. Die KZ- Häftlinge in den Adlerwerken hingegen litten an Typhus, Ruhr und anderen Krankheiten, verhungerten, erfroren, starben an Entkräftung, wurden erschlagen, erschossen oder auf andere Weise ermordet. Von 1.600 Häftlingen dieses KZ überlebten 48 Menschen. 11 dieser Menschen leben heute noch.

Einen Pfennig für das Grauen, das sie erleben mußten.
Einen Pfennig für Hunger, Folter, Gefangenschaft und Sklavenarbeit.
Einen Pfennig für ihre Gesundheit, ihre Hoffnung, ihre Lebensfreude, die ihnen genommen wurde.
Einen Pfennig pro Aktie für eine wenigstens materielle Entschädigung für das, was ihnen angetan wurde.
Einen Pfennig pro Aktie, nur ein Bruchteil des Gewinns, den dieses Haus während des Nationalsozialismus aus ihrer Sklavenarbeit zog.

Die 17 Anträge zur Änderung der Dresdner Bank Satzung im Wortlaut.


Nachtrag:
Im März 2005 veröffentlichte die Mitgliedsorganisation LAGG
unter
http://kz-adlerwerke.frankfurt.org/de/geschichte.html
detaillierte Informationen über die Mitverantwortung der
Dresdner Bank für die Ermordung von Zwangsarbeitern.


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