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Kritik an der Fraport AG

Frankfurter Flughafen soll nicht weiter wachsen

Anwohner und Kritische AktionÀre protestieren in der ersten Fraport HV

„Das ganze Reglement ist hochgradig defizitĂ€r“, fasste der Rechtsanwalt Rainer Geulen die Genehmigungslage des grĂ¶ĂŸten deutschen Flughafens Frankfurt am Main zusammen. Im Auftrag der von FluglĂ€rm geplagten Stadt Offenbach sprach er am 26. Juni 2002 in der ersten Hauptversammlung der Betreibergesellschaft Fraport AG seit ihrem Börsengang. Der Frankfurter Flughafen sei „nie planfestgestellt“ worden, berichtete Geulen den erstaunten AktionĂ€rinnen und AktionĂ€ren. Vielmehr sei das ehemalige Flugfeld aus dem Zweiten Weltkrieg ĂŒber Jahrzehnte nur nach Baurecht erweitert worden und verfĂŒge deshalb bis heute ĂŒber keine LĂ€rm-Emissions-Richtlinie.

Dem hessischen MinisterprĂ€sidenten Roland Koch mochte diese Wahrheit gar nicht schmecken. Weil das Land Hessen grĂ¶ĂŸter AktionĂ€r der Fraport AG ist, amtiert Koch als ihr Aufsichtsrats-Vorsitzender und leitet ihre Hauptversammlungen. Er und der Vorstand des Unternehmens wollen den Flughafen um eine weitere Startbahn erweitern.

Viele Anwohnerinnen und Anwohner im Großraum Frankfurt laufen Sturm gegen die damit verbundene zusĂ€tzliche LĂ€rmbelĂ€stigung. „Wir kaufen uns den Flughafen“, beschloss deshalb eine ihrer BĂŒrgerinitiativen schon vor dem Börsengang der Fraport AG 2001 und rief alle Betroffenen auf, die Aktien der Firma zu zeichnen. Ausgestattet mit diesen Papieren konnten viele Betroffene nicht nur vor der Hauptversammlung demonstrieren, sondern auch drinnen als Kritische AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re das Wort ergreifen.

So warf Sascha Friebe von der ,Interessengemeinschaft Ökoflughafen‘ dem Vorstand vor, die AusbauplĂ€ne auf eine angeblich notwendige Zahl von 656.000 Flugbewe- gungen pro Jahr zu grĂŒnden, jedoch keine verbindliche Obergrenze zu nennen. Der beabsichtigte Bau eines dritten Passagierterminals lasse vermuten, dass der Vorstand heimlich eine weitere Steigerung plane, denn die bestehenden Terminals seien fĂŒr 656.000 Flugbewegungen ausreichend.

Die Chefs der Fraport „belĂŒgen und betrĂŒgen die Menschen der Region“, zog Friebe sein Fazit und zog den Vergleich, dass der Frankfurter Flughafen nach dem Willen des Vorstands kĂŒnftig soviel Sauerstoff verbrauchen solle, „wie alle Pflanzen in der Schweiz produzieren.

MinisterprĂ€sident Koch mĂŒhte sich, solche Argumente zu unterdrĂŒcken. Unliebsamen Rednern stellte er mehrfach das Mikrofon ab. Verhindern konnte er dennoch nicht, dass der Kritische AktionĂ€r Wolfgang-Rudolf Lehmann den Konflikt um FluglĂ€rm, Abgase und Kerosinregen zuspitzte mit den Worten: „Fraport befindet sich quasi im Kriegszustand mit der Region.“