|
Dem hessischen MinisterprĂ€sidenten Roland Koch mochte diese Wahrheit gar nicht schmecken. Weil das Land Hessen gröĂter AktionĂ€r der
Fraport AG ist, amtiert Koch als ihr Aufsichtsrats-Vorsitzender und leitet ihre Hauptversammlungen. Er und der Vorstand des Unternehmens wollen den Flughafen um eine weitere Startbahn erweitern.
Viele Anwohnerinnen und Anwohner im GroĂraum Frankfurt laufen Sturm gegen die damit verbundene zusĂ€tzliche LĂ€rmbelĂ€stigung. âWir
kaufen uns den Flughafenâ, beschloss deshalb eine ihrer BĂŒrgerinitiativen schon vor dem Börsengang der Fraport AG 2001 und rief alle Betroffenen auf, die Aktien der Firma zu zeichnen. Ausgestattet mit diesen Papieren konnten viele Betroffene nicht nur vor der Hauptversammlung demonstrieren, sondern auch drinnen als Kritische AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re das Wort ergreifen.
So warf Sascha Friebe von der ,Interessengemeinschaft Ăkoflughafenâ dem Vorstand vor, die
AusbauplĂ€ne auf eine angeblich notwendige Zahl von 656.000 Flugbewe- gungen pro Jahr zu grĂŒnden, jedoch keine verbindliche Obergrenze zu nennen. Der beabsichtigte Bau eines dritten Passagierterminals lasse
vermuten, dass der Vorstand heimlich eine weitere Steigerung plane, denn die bestehenden Terminals seien fĂŒr 656.000 Flugbewegungen ausreichend.
Die Chefs der Fraport âbelĂŒgen und betrĂŒgen die Menschen der Regionâ, zog Friebe sein Fazit und zog den Vergleich, dass der
Frankfurter Flughafen nach dem Willen des Vorstands kĂŒnftig soviel Sauerstoff verbrauchen solle, âwie alle Pflanzen in der Schweiz produzieren.
MinisterprĂ€sident Koch mĂŒhte sich, solche Argumente zu unterdrĂŒcken. Unliebsamen Rednern stellte er mehrfach das Mikrofon ab.
Verhindern konnte er dennoch nicht, dass der Kritische AktionĂ€r Wolfgang-Rudolf Lehmann den Konflikt um FluglĂ€rm, Abgase und Kerosinregen zuspitzte mit den Worten: âFraport befindet sich quasi im Kriegszustand
mit der Region.â
|