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HEW Hauptversammlung 1997

Kritische Aktionäre setzen HEW unter Zugzwang

GuD-Strom ist konkurrenzfähig mit Atom-Strom

Neue Zahlen zum Wirtschaftlichkeitsvergleich von Strom aus abgeschriebenen Atomkraftwerken und Strom aus neu errichteten Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken (GuD) legte die Dachverbands-Mitgliedsgruppe AIDA zur Hauptversammlung der Hamburgischen Electricitäts-Werke HEW am 19. Juni 1997 vor.

„Die Zahlen lassen den HEW kaum Spielraum“, freute sich AIDA-Sprecherin Liane Melzer. „GuD-Kraftwerke produzieren im gleichen Preisbereich wie die laufenden

Atomkraftwerke der HEW. In einer solchen
Situation verlangt die Satzung den Ausstieg
aus der Atomenergie.“

Vorgestellt wurden die Berechnungen von
den Physikern Paul Grosse-Wiesmann und
Axel Bühler. „Ein neues GuD-Kraftwerk ist
heute für einen Bruchteil der Investitions-
kosten eines Atom- oder Kohlekraftwerks
zu haben und in weniger als zwei Jahren
betriebsbereit“, erläuterte Grosse-Wies-
mann.

Möglich gemacht habe dies der Fortschritt
bei der GuD-Technologie in den vergange-
nen zehn Jahren, der neben kräftigen Stei-
gerungen beim Wirkungsgrad der Anlagen

„Ein neu gebautes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk
könnte die Kilowattstunde Strom im Grundlastbetrieb
für rund 6,5 Pfennige produzieren.“
(AIDA-Berechnung zum ,HEW - New Energy‘ Konzept)

„Eine Kilowattstunde im Grundlastbereich kann heute in
Brunsbüttel zu 7 bis 8 Pfennig erzeugt werden, während
eine Erzeugung aus Importkohle mit 13 bis 14 Pfennig
zu Buche schlägt.“
(Manfred Timm, Vorstandssprecher der HEW)

„Die vorhandenen Kernkraftwerke schneiden auch bei
den gesamten Erzeugungskosten mit 9 bis 10 Pfennig
je Kilowattstunde nach wie vor gut ab.“
(Joachim Grawe, Hauptgeschäftsführer des VDEW)

auch für beachtliche Preissenkungen sorgte. Die GuD-Technik sei weltweit auf dem Vormarsch. Bei den Kraftwerks-Neubauten halten GuD-Anlagen heute bereits einen Marktanteil von über 40 Prozent.

GuD-Kraftwerken als Übergangs-Technologie kommt auch eine besondere Rolle im AIDA-Konzept ,HEW – New Energy: Eine Vision für eine moderne HEW‘ zu. „Die große Flexibilität der GuD-Kraftwerke würde der HEW neue Handlungsspielräume eröffnen“, versichert Axel Bühler. „Das wäre ein großer unternehmerischer Gewinn, besonders unter den zu erwartenden Marktbedingungen. Die laufenden Atomkraft- werke blockieren dagegen die überfällige Modernisierung der HEW.“

Das Konzept ,HEW – New Energy‘ verknüpft den Ausstieg aus der Atomenergie mit einem Einstieg in neue, zukunftsträchtige Geschäftsfelder wie zum Beispiel Offshore- Windstrom. Die Stromerzeugung durch Windkraftanlagen in flachen Meeresgebieten wird weithin als Wachstums- und Exportmarkt der Zukunft eingeschätzt. „Erste Studien schätzen das jährliche Windstrompotential allein in der Nordsee auf mindestens das zehn- bis hundertfache des Verbrauchs in Hamburg“, sagte Grosse-Wiesmann.

Das beim Abschalten und Abwickeln der Atomkraftwerke gewonnene Know-How könnten die HEW nach Überzeugung der AIDA-Experten in ihr neues Geschäftsfeld ,Stilllegung und Entsorgung von Atomanlagen‘ einbringen.

Der beschlossene Atomausstieg in Schweden gibt nach Axel Bühlers Überzeugung zusätzlichen Rückenwind: „HEW und und die schwedische Sydkraft sind bereits über gegenseitige Aktienbeteiligungen miteinander verbunden. Mit Stillegung des eigenen Atomkraftwerks Barsebäk 1998 befindet sich Sydkraft in einer ähnlichen Situation wie die HEW. Eine intensive Zusammenarbeit beider Unternehmen bietet sich also an.“

„HEW – New Energy wäre ein Unternehmen“, summiert Liane Melzer, „das mit Erzeugung und Vertrieb von Strom aus erneuerbaren Energieträgern Geld verdient, den Klimaschutz vorantreibt und Arbeitsplätze in der Region schafft.“


    redaktioneller Hinweis:

    Zwei Jahre nach Veröffentlichung der AIDA-Berechnungen bestätigte ein
    offizielles Gutachten im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde die Zahlen.

    Informationen über dieses Gutachten hat die Behörde jedoch schon nach
    kurzer Zeit wieder aus dem Internet gelöscht.