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Der Damm würde eines der produktivsten Agrargebiete Zentralindiens überfluten und 40.000 Menschen von ihrem Land vertreiben. Die
Bevölkerung in der Maheshwar- Region führt deshalb einen beharrlichen Kampf gegen das Projekt. Innerhalb der letzten zwei Jahre haben tausende Menschen achtmal den Bauplatz besetzt, über Monate hinweg alle
Zufahrtsstraßen zur Baustelle blockiert und über viele Wochen einen Sitz- und Hungerstreik vor den Gebäuden der Landesregierung in Bhopal durchgeführt.
Ganze Dörfer haben beschlossen, sich eher ertränken als vertreiben zu lassen. Indische Tageszeitungen nennen die Bewegung gegen Maheshwar
und andere Großstaudämme am Narmada-Fluß inzwischen die “wichtigste Bewegung des zivilen Ungehorsams seit Gandhi”.
Auch in Deutschland hat diese Bewegung viel Aufmerksamkeit erfahren. Alle großen deutschen Tages- und Wochen-zeitungen haben das Projekt
eingehend kritisiert. Kamerateams des ZDF und der ARD waren vor Ort und haben anschaulich geschildert, welche Katastrophe der Staudamm für die lokale Bevölkerung bedeuten würde. Die deutsche
Entwicklungshilfe-Ministerin, Heidemarie Wieczorek-Zeul, hat das Projekt öffentlich kritisiert und die zwei deutschen Energieversorger Bayernwerk und VEW haben sich von einer Beteiligung an Maheshwar zurückgezogen.
Trotzdem halten Vorstand und Aufsichtsrat der HypoVereinsbank hartnäckig an dem Projekt fest und fügen damit dem angeschlagenen Ruf der
Bank weiteren Schaden zu. Die vom Dachverband gestellten Anträge, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern, erhielten deshalb besonders in der außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember 1999 großen
Beifall von vielen Aktionären. Einige übertrugen Heffa Schücking spontan ihre Stimmrechte.
Fadenscheinige Argumente
“Wir haben uns davon überzeugt, dass die Mehrheit der Bevölkerung im Projektgebiet den Maheshwar-Damm befürwortet”, versuchte sich der
Hypo-Vorstand aus der Affäre zu ziehen. Doch seine Weigerung, Schückings Fragen zur Wirtschaftlichkeit des Projektes zu beantworten, offenbarte seine Unkenntnis und Fahrlässigkeit.
So scheint dem Vorstand nicht bekannt zu sein, dass der einzige Abnehmer des Maheshwar-Stroms kurz vor dem Bankrott steht und dass der
indische Bundesstaat Madhya Pradesh seine Zahlungsgarantie für das Projekt widerrufen hat. Der Widerstand gegen den Damm beschränkt sich längst nicht nur auf die Bevölkerung im Überflutungsgebiet. Er umfasst auch
Gewerkschaften, Kleingewerbevereinigungen und Vertreter aller großen Parteien in Madhya Pradesh, die befürchten, dass das überteuerte und riskante Projekt den Bundesstaat in den wirtschaftlichen Ruin treiben könnte.
Die Auftritte in beiden Aktionärsversammlungen haben mich bestärkt, die Hypo- Vereinsbank in dieser Sache weiter zur Verantwortung zu
ziehen”, sagt Schücking kämpferisch. “Immer mehr Aktionäre teilen unsere Meinung, dass die Bank sich nicht an der Finanzierung von Bauvorhaben beteiligen darf, die zur Vertreibung der lokalen Bevölkerung oder zu
Menschenrechtsverletzungen führen.”
Zum Abschluß ihrer Rede am 17. Dezember erinnerte die Kritische Aktionärin an den Werbeslogan der HypoVereinsbank und forderte den
Vorstand auf: “Lassen Sie andere leben und kümmern Sie sich auch um die Details!”
redaktioneller Nachtrag:
Im Jahr 2000 verlautete inoffiziell, dass die deutsche Bundesregierung keine
Hermes-Bürgschaften für das Maheshwar-Projekt gewähren würde. Siemens und die HypoVereinsbank zogen ihre entsprechenden Anträge daraufhin
“freiwillig” zurück. Für die Bank hatte sich die Beteiligung an dem Projekt damit erledigt. Siemens will jedoch weiterhin Turbinen liefern.
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