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Aktionstag gegen I.G. Farben 1998

Bundesweiter Aktionstag gegen
I.G. Farben erfolgreich abgeschlossen

Unter dem Motto „Die Profiteure der Zwangsarbeit müssen zahlen!“
haben am 18. Dezember 1998 bundesweit Betroffenenorganisationen
des Naziterrors und antifaschistische Gruppen protestiert.
Sie forderten die sofortige Auflösung des Frankfurter Firmenfossils
I.G. Farben AG i.A. und Entschädigungen für alle überlebenden
Zwangsarbeiter des NS-Regimes.

Büro der I.G. Farben in Frankfurt besetzt

Spektakulärste Aktion war die Besetzung des Büros der I.G. Farben AG in der Frankfurter Silberbornstraße. Zwölf Mitglieder von Betroffenenorganisationen des Naziterrors und antifaschistischer Gruppen hielten die Räume von 09:00 bis etwa 11:15 Uhr besetzt, bis sie durch ein Sondereinsatzkommando der Polizei geräumt wurden. Sie verlangten gegenüber der Presse die sofortige Auflösung der „Mordgesellschaft“ I.G. Farben und Entschädigungen für die überlebenden Zwangsarbeiter des früheren Chemiekartells und für deren Angehörige.

Zwölf Festnahmen – Journalisten behindert

Zu den Besetzern gehörten der Bundestags-Abgeordnete Carsten Hübner (PDS), der katholische Pater Gregor Böckermann von den ,Ordensleuten für den Frieden‘ und das Vorstandsmitglied der ,Coordination gegen BAYER-Gefahren‘, Axel Köhler-Schnura. Alle zwölf Besetzer wurden vorläufig festgenommen und in Handschellen abgeführt, gegen 15:00 Uhr aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Polizei hatte zahlreichen Journalisten den Zugang zu einer improvisierten Pressekonferenz der Besetzer verwehrt und diese durch die Räumung unterbrochen.

Gegen die Besetzer wurde Anzeige wegen Hausfriedensbruch, schwerem Hausfriedensbruch und Landfriedensbruch erstattet, gegen einige von ihnen auch wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die Frankfurter Polizei soll die Besetzer beschuldigt haben, einen Mitarbeiter der Firma „blutig geschlagen“ zu haben. Die Besetzer nannten diesen Vorwurf „absurd“.

Gedenktafel vor Willi-Brandt-Haus

Vor der SPD-Zentrale in der Berliner Wilhelmstraße installierten und enthüllten 50 Mitglieder des ,Berliner Bündnisses gegen IG Farben‘ und des Auschwitz-Komitees um 13:00 Uhr in Anwesenheit des Auschwitz-Überlebenden Hans Frankenthal eine Gedenktafel mit der Aufschrift „Millionen wurden im Nationalsozialismus von der deutschen Industrie versklavt. Die Überlebenden wurden bis heute nicht entschädigt. Wir fordern die sofortige Entschädigung aller ZwangsarbeiterInnen.“ Vertreter der SPD sahen „sicherlich keine Möglichkeit“, die Gedenktafel innerhalb des Parteihauses anzubringen.

Proteste in Braunschweig, Marburg und Mölln

Auf dem Kohlmarkt in Braunschweig protestierten ab 15:00 Uhr 30 Mitglieder des Antifaschistischen Plenums und zogen anschließend in einem „Spaziergang zu VW-Chef Piech“ vor dessen Privathaus zu einer weiteren Kundgebung.

Vor den Marburger Behringwerken, ehemaliger Mitgliedsfirma der I.G. Farben, verteilten ebenfalls ab 15:00 Uhr Mitglieder antifaschistischer Gruppen Flugblätter, wurden von der Polizei jedoch an größeren Protestaktionen gehindert. Für den späteren Nachmittag planen sie eine Kundgebung vor der Stadtverordnetenversammlung.

In der Möllner Fußgängerzone wurden vor der Rechtsanwaltskanzlei des neuen I.G. Farben Liquidators Volker Pollehn Flugblätter verteilt, die auf dessen Rolle bei der Verschleppung der Auflösung des Unternehmens hinwiesen. Gleichzeitig soll Pollehn gegenüber Medienvertretern die baldige Auflösung der I.G. Farben AG angekündigt haben. Eine Bestätigung hierfür war am Freitag Nachmittag nicht zu erhalten.