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Schwarze Sheriffs und blutige Aktien
„Es tut mir leid, wir wußten ja garnicht, wo wir hingeraten!“ Die junge Mitarbeiterin vom Lufthansa Party-Service war schon mit den
Nerven am Ende, als das Aktionärstreffen der I.G. Farben AG in Liquidation am 22. Dezember 1997 in Frankfurt/Main gerade erst begonnen hatte. Ihr und ihren Kolleginnen war es hochgradig peinlich, die alten und neuen
Profiteure des Blutkonzerns mit Imbiss und Getränken versorgen zu müssen.
Schockiert waren die Servicedamen durch heftige Tumulte und Handgreiflichkeiten, in denen die erste Stunde der Hauptversammlung
unterging. Saalschützer in den schwarzen Kampfuniformen der Sicherheitsfirma ,The Guards‘ hatten zur Eröffnung ein Dutzend Antifaschisten und Kritische Aktionäre aus dem Saal geschleift, die lautstark die Auflösung
der Fossilfirma verlangten. „Dieses Gesindel“, rief ein Altaktionär, solle man besser „aus dem Fenster schmeißen.“
Bereits vor dem Gebäude waren die nur knapp 150 angereisten Aktionäre von rund 250 wütenden Demonstranten empfangen worden, die die
Zugänge blockierten. Guards und Polizisten bahnten jedem Couponschneider einzeln den Weg durch die fest geschlossenen Sperrketten der Protestierenden. Zur Demo aufgerufen hatten neben dem Auschwitz-Komitee, der
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN und den Kritischen Aktionären auch der Frankfurter DGB und zahlreiche weitere Organisationen aus dem In- und Ausland.
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