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Beschluss der I.G. Farben HV 1999

Liquidatoren wollen
(kleine) Stiftung gründen

Tagesordnung der I.G. Farben
Hauptversammlung am 18. August 1999:

TOP 4: Gründung einer Stiftung

Die Liquidatoren und der Aufsichtsrat
schlagen vor, die Liquidatoren mit der
Gründung einer gemeinnützigen Stiftung
bürgerlichen Rechts unter Wahrung aller
Rechte der Gläubiger und Anteilschein-
inhaber der I.G. Farbenindustrie AG i.A.
zu beauftragen.

Erläuterung:

Die Stiftung soll von einem aus zwei Personen bestehenden Vorstand, der zunächst personengleich mit den Liquidatoren der I.G. Farbenindustrie AG i.A. sein soll, vertreten werden. Organe der Stiftung sollen neben dem Vorstand ein aus drei Personen bestehender Verwaltungsrat, der zunächst personengleich mit dem Aufsichtsrat der I.G. Farbenindustrie AG i.A. sein soll, und ein sobald wie möglich zu berufender Beirat, der aus mindestens fünf, höchstens neun Personen bestehen soll, sein. Die zu gründende Stiftung soll nach Möglichkeit zunächst mit DM 3 Mio. aus Mitteln der I.G. Farbenindustrie AG i.A. ausgestattet werden. Die aus dem Stiftungsvermögen zur Verfügung stehenden Erträge sollen vor allem dazu dienen, denjenigen Personen, die während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft unter Maßnahmen, an denen I.G. Farbenindustrie AG beteiligt oder für die sie mitverantwortlich war, leiden mußten und die bisher noch keine Entschädigung erhalten haben, eine angemessene Entschädigung auf freiwilliger Basis zu gewähren. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit der Stiftung soll daneben die Aufarbeitung der Geschichte der I.G. Farbenindustrie AG sein. Die Stiftung soll sich darüber hinaus anderen die Versöhnung fördernden Aktivitäten zuwenden.“

Dieser Antrag wurde mit großer
Mehrheit angenommen.

 

 

 

 

Kritische Aktionäre fordern
Betroffene als Stiftungs-Leitung

Zur Hauptversammlung der I.G. Farben
am 18. August 1999 beantragte der
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen
und Aktionäre zum Tagesordnungspunkt 4:

Abweichend vom Vorschlag der Liquida-
toren und des Aufsichtsrats werden die
Liquidatoren beauftragt, bis zum 01. Januar
2000 eine Stiftung zu gründen, in die das
gesamte Vermögen der I.G. Farben-
industrie AG i.A. eingebracht wird, die
von Vertreterinnen und Vertretern der
überlebenden Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter der I.G. Farben geleitet
wird, und deren Aufgabe es ist, alle Opfer
der I.G. Farben und deren Hinterbliebene
schnellstmöglich und in größtmöglichem Umfang zu entschädigen.

Begründung:

Das von den Liquidatoren und dem Aufsichtsrat vorgeschlagene Stiftungsmodell ist in seinem finanziellen Umfang in lächerlicher Weise unzureichend und in seiner personellen Besetzung beleidigend für die Opfer. Die veranschlagten drei Millionen Mark entsprechen gerade dem Betrag, den die I.G. Farbenindustrie AG i.A. in den sechziger Jahren vom seinerzeit eingerichteten Entschädigungsfonds zurückgefordert und zurückerhalten hat. Nur eine Stiftung, die über das gesamte Firmenvermögen verfügt, und mit deren Einrichtung die sofortige Auflösung der Firma einhergeht, kann annähernd Gerechtigkeit für die Opfer herstellen.

Dieser Antrag wurde mit großer
Mehrheit abgelehnt.