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I.G. Farben Hauptversammlung 2001

Gespenstisch-braunes Treiben

Die I.G. Farben hat ihre Auflösung angekündigt. Allerdings ist das lediglich ein taktischer Winkelzug, um öffentlichen Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen. In der Hauptversammlung am 17. September 2001 wehte der selbe Geist wie eh und je. Es war ein gespenstisch-braunes Treiben.

Versammlungsleiter diffamiert Proteste

Vor dem Saal ein großes Polizei-Aufgebot, im Saal ein privater Sicherheitsdienst. Die Versammlung selbst irreal und erschreckend wie immer. Vorstand, Aufsichtsrat und viele Aktionäre zeigten unverhohlen ihre rechte Gesinnung, einer zog durch die Halle und machte Geschäfte mit dem Verkauf von Original I.G. Farben Aktien.

Aufsichtsratsvorsitzender Ernst Krienke brüstete sich, seit mehr als 20 Jahren der Kritik an der I.G. Farben zu trotzen, beschimpfte mit herabwürdigenden Worten Medien, Kritiker, Demonstranten, und ließ direkt zu Beginn eine Gruppe von 20 Antifa-Aktivisten aus dem Saal prügeln. „Liquidator“ Volker Pollehn verstieg sich sogar dazu, die Demonstranten in die Nähe der Terroristen von New York zu rücken. Die Gegenanträge des Dachverbands, der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) und anderer wurden mit großer Mehrheit abgelehnt – bei nur etwa 26 Prozent anwesendem Kapital.

Kritiker erzwingt Gedenkminute

Doch die Rechten konnten sich nicht feiern. Auch in diesem Jahr stand die Hauptver- sammlung ganz im Zeichen der Forderungen nach sofortiger Auflösung und Entschädigung der Opfer. CBG-Vorstandsmitglied Axel Köhler-Schnura konnte die Unverbesserlichen zwingen, sich – erstmals in der Geschichte der I.G. Farben – von den Plätzen zu erheben und der Opfer ihrer hundertausendfachen Morde zu gedenken. Der Widerwillen stand den „Liquidatoren“, Aufsichtsräten und Aktionären überdeutlich ins Gesicht geschrieben. Von Reue und Sühne war nichts zu spüren.

Ausgestattet mit dem nötigen Aktienpaket im Nennwert von einer Million Reichsmark setzte die CBG eine Abstimmung über die Auflösung der I.G. Farben offiziell auf die Tagesordnung. Das Ergebnis der Abstimmung sprach für sich: Der Antrag wurde von der „überwältigenden“ Mehrheit der Aktionäre abgelehnt

Die Gesellschaft versuchte sich mit Finten der öffentlichen Medienkritik zu entziehen. Doch die Einrichtung der seit Jahren angekündigten Stiftung der I.G. Farben konnte als das entlarvt werden, was sie ist: eine Scheinstiftung, ein windiger Versuch, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen.

Kein Geld fĂĽr Zwangsarbeiter

Die I.G. Farben weigert sich bis zum heutigen Tag, in die Bundesstiftung zur Entschädigung der Zwangsarbeiter einzuzahlen, hat wenige Tage vor der Hauptversammlung schnell eine eigene Stiftung gegründet, in deren Satzung die Entschädigung der Opfer keine Rolle spielt. Zudem hat sie die Stiftung mit einem lächer- lichen Betrag von lediglich 500.000 Mark ausgestattet, deren Rendite nicht einmal die laufenden Kosten der Stiftung tragen kann. Zum Vergleich: Die „Liquidatoren“ verdienen jährlich 600.000 Mark.

Auch die Ankündigung, die Gesellschaft würde aufgelöst, entpuppte sich als pures Geschwätz, um den Medien und der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen. Weder wurde ein Beschluss zur Auflösung gefasst, noch ein verbindlicher Termin genannt.

„Für die I.G. Farben wird es keine Ruhe
geben“, kündigte CBG-Vorstand Axel
Köhler-Schnura an, „denn die Aktien dieser

Fotos: Arbeiterfotografie Köln

Gesellschaft sind getränkt mit dem Blut von Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden, mit dem Blut der vielen Millionen Kriegsopfer, mit dem Blut der gemeuchelten KZ-Häftlinge, mit dem Blut der gequälten Opfer der Menschenversuche. Diese Mordgesellschaft muss aufgelöst werden, das Vermögen muss den Opfern und ihren Hinterbliebenen zur Verfügung gestellt werden

Die Existenz dieser Gesellschaft sei eine Schande, sagte Köhler-Schnura, „wie es auch eine Schande ist, dass mit Volker Pollehn ein CDU-Bundestagsabgeordneter als Liquidator der I.G. Farben die Fortexistenz dieser Gesellschaft betreiben und sich ungestraft als rechtsradikaler Gesinnungsfreund gerieren kann.“ Pollehn sei es auch zu verdanken, dass die I.G. Farben die protestierenden Antifaschisten angezeigt hat und für deren Bestrafung eintritt.

 

Bericht ĂĽber die Hauptversammlung 2001
mit umfangreichen Hintergrundinformationen
von Hans G. Helms in der Jungen Welt