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I.G. Farben Hauptversammlung 2002

Aufsichtsrat der I.G. Farben sollte abgelöst werden

Zwangsarbeiter und Antifaschisten protestierten
erneut
vor der Hauptversammlung

Die bisherigen Aufsichtsräte der I.G. Farben „in Auflösung“ sollten durch drei prominente
Vertreter ehemaliger Zwangsarbeiter ersetzt werden. Dies beantragte der Dachverband
der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zur Hauptversammlung des Unternehmens
am 18. Dezember 2002 in Frankfurt am Main. Kandidaten des Dachverbands waren:

Lothar Evers, Geschäftsführer des Bundesverbands
Information und Beratung für NS-Verfolgte
,

Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen
Auschwitz-Komitees
und Vorsitzender der
Begegnungsstätte Auschwitz, sowie 

Axel Köhler-Schnura, Vorstand der Coordination
gegen BAYER-Gefahren
und Sprecher der
Kampagne ,Nie wieder!'.

Der amtierende Aufsichtsrat habe die Auflösung der
Skandalfirma „über viele Jahre verschleppt und ange-
messene Entschädigungen für die Zwangsarbeiter
verhindert“, begründet der Dachverbands, den Antrag.
Die neuen Kandidaten böten hingegen „durch ihre
einschlägigen Engagements die Gewähr für eine
schnelle und gerechte Lösung des Problems“.
Dennoch blieben die Kandidaten in der Abstimmung
wie erwartet chancenlos.

Die „Liquidatoren“ (Vorstand) und der amtierende verkündeten in der Versammlung,
es sei ihr „Ziel, die Abwicklung spätestens im Jahre 2004 zu beenden.“ Ob und wann
sie die jüngst gegründete Entschädigungs-Stiftung der Firma mit nennenswerten Mitteln
ausstatten wollen, ließen sie jedoch im Dunkeln.

Der Kritische Aktionär Henry Mathews blieb unbeeindruckt vom Ziel 2004 und
erinnerte: „Die Firmenleitung verspricht seit Jahrzehnten die kurzfristige Auflösung, während die Opfer der I.G. Farben sterben, ohne Entschädigungen für ihr Leiden
erhalten zu haben.“ Deshalb sei eine Lösung nur von einem neu besetzten 
Aufsichtsrat zu erwarten.

Vor dem Hauptversammlungsgebäude demonstrierten erneut etwa 100 Menschen,
darunter überlebende Zwangsarbeiter, Kritische Aktionäre und Mitglieder zahlreicher
antifaschistischer Organisationen. 

„Wir sind überrascht und empört, dass die Liquidatoren die Auflösung der
I.G. Farben immer noch verschleppen“, entrüstete sich Peter Gingold, Sprecher
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). „Das Restvermögen der
I.G. Farben gehört den überlebenden Zwangsarbeitern und muß sofort ausgezahlt
werden“, fordert auch die Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in Deutschland, 
Esther Bejarano.

Zu der Demonstration aufgerufen hatten:

Auschwitz-Komitee   •   Berliner Bündnis gegen I.G. Farben   •        
Bonner Bündnis/Berliner Verhältnisse (BB/BV)   •   BuFaTa Chemie   •        
Coordination gegen BAYER-Gefahren   •   Dachverband der Kritischen      
Aktionärinnen und Aktionäre   •   fzs (freier zusammenschluss von       
studentInnenschaften)   •   Gruppe Casablanca (Köln)   •   gruppe offene      
rechnungen (Berlin)   •   Hochschulgruppe Kritische Linke Mainz   •         
Initiative Studierende im I.G. Farben-Haus (Frankfurt/Main)   •   Kampagne      
»Nie wieder!«   •   Kommunistische Antifa Mainz/Wiesbaden   •         
Marburger Bündnis gegen I.G. Farben   •   P.A.N.K (Postmoderne Antinationale      
KommunistInnen, Frankfurt/Main)   •   Sinistra!    •   VVN-BdA Hessen