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Satzung der Stiftung I.G. Farben

„Kleckerstiftung“ für „Härtefälle“ hat kein Geld

Zweifelhafter Verdienst der letzten Liquidatoren Bernhardt und Pollehn ist die Gründung einer eigenen I.G. Farben Stiftung zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Beschlossen wurde deren Gründung von der Hauptversammlung am 18. August 1999. Nach deren Beschluss sollte die Stiftung seinerzeit mit drei Millionen D-Mark aus dem Firmenvermögen ausgestattet werden.

In der Hauptversammlung 2000 verkündeten die Liquidatoren, die Stiftung sei vor wenigen Tagen gegründet worden, verfüge aber „zunächst“ nur über ein Kapital von 500.000 D-Mark, weil die Firma keine höheren Mittel zur Verfügung habe. In den Folgejahren prozessierten Aktionäre gegen die „Verschleuderung“ des Firmenvermögens an die Zwangsarbeiter-Stiftung, was laut Liquidator Bernhardt dazu führte, dass über die halbe Million Mark hinaus keine weiteren Beträge in die Stiftung eingebracht werden durften. Dies habe auch ein extra eingeholtes Rechtsgutachten bestätigt, ergänzt Pollehn. Hätten sich die Beiden darüber hinweg gesetzt und den Drei-Millionen-Beschluss der Hauptversammlung erfüllt, wären sie von geldgierigen Aktionären wahrscheinlich auch persönlich in die Haftung genommen worden, und „ich wollte nicht mein Eigenheim aufs Spiel setzen“, wirbt Pollehn um Verständnis.

Gemäß dem Beschluss der Hauptversammlung 1999 und der weiterhin geltenden Verfassung der Stiftung (siehe unten) bilden die Liquidatoren zugleich deren Vorstand. Diese Vorstandsfunktionen behalten sie trotz der Insolvenz des Unternehmens im November 2003 weiterhin inne, denn rechtlich ist die Stiftung unabhängig. Auch Insolvenzverwalterin Amend bestätigt: „Die (...) Stiftung der I.G. Farben ist von der Insolvenz nicht betroffen.“ Gehälter oder sonstige Zuwendungen aus dem Stiftungsvermögen erhalten Bernhardt und Pollehn nach eigenen Angaben nicht, wollen die Posten aber nicht räumen. Auf die Forderung, die Stiftungsleitung an überlebende Zwangsarbeiter oder deren Vertreter zu übertragen, reagierten sie in ihrer Pressekonferenz mit Schulterzucken. „Darüber haben wir noch nicht nachgedacht“, grinste Pollehn.

Ihr Vermögen darf die Stiftung nicht angreifen, sondern lediglich erwirtschaftete Zinsen ausgeben. Mit den geringen Erträgen aus heute knapp 256.000 Euro ließen sich Entschädigungen nicht auszahlen, gestehen die Liquidatoren ein, weshalb die Stiftung auch noch keinerlei Zahlungen geleistet habe. Gleichzeitig wird Volker Pollehn nicht müde zu betonen, selbst angesichts der so genannten Bundesstiftung habe eine „kleine Kleckerstiftung“ wie die der I.G. Farben durchaus ihre Berechtigung, weil sie „zahlreiche Härtefälle“ entschädigen könnte, wenn sie denn Geld hätte. „Etwa 50 bis 100“ entsprechende Ersuche aus aller Welt seien bereits bei ihm eingegangen, sagte er dem Dachverband, „besonders viele aus Belgien“. Geprüft habe er die Einzelfälle noch nicht, denn Entschädigungsanträge könne die Stiftung ohne Geld sowieso nicht bearbeiten.

Sein Kollege Otto Bernhardt betont, das „wertvolle Archiv“ der I.G. Farben sei an die Stiftung übertragen worden und könne „möglicherweise in ein oder zwei Jahren für die Forschung geöffnet werden.“ Über den Inhalt des Archivs ist öffentlich wenig bekannt, aber Pollehn spielt seine Bedeutung auf Nachfrage herunter. Es befinde sich in „chaotischem“ Zustand und die amerikanischen Besatzer hätten nach dem Krieg „schon alles durchgewühlt.“ Seinerzeit seien die meisten Unterlagen auch kopiert bzw. in andere Archive überführt worden. „Von Berlin bis Koblenz finden sie alles wieder“, versichert Pollehn, „sogar in der Bundestagsbibliothek.“ Außerdem könne die Stiftung das Firmenarchiv auch wieder verlieren, wenn die Insolvenzverwalterin seine Rückübertragung an das Unternehmen durchsetzen würde. Diesen Gedanken scheint er jedoch selbst für eher abwegig zu halten.

Ob die Stiftung mit ihren geringen Mitteln und ohne Personal die Betreuung des Archivs gewährleisten kann, bleibt ungewiss. Selbst ihre künftige Adresse ist unklar, denn Bernhardt kann nur „hoffen, dass die Insolvenzverwalterin uns die Räume noch einige Zeit lässt.“ Andernfalls müsste die Stiftung das Archiv aus dem bisherigen Büro der I.G Farben in der Frankfurter Silberbornstraße auslagern – wohin auch immer.
 

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