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Kritik zur KWS Hauptversammlung 1999

Die KWS auf dem Weg zum Weltkonzern

Die Hauptversammlung der Kleinwanzlebener Saatzucht AG am 20. Januar 1999 war gekennzeichnet durch eine Neustrukturierung des Konzerns, der sich mit neuem Namen, als KWS Saat AG, und der Möglichkeit, in Zukunft als reine Holding agieren zu können für die Zukunft rüsten will. Zu diesem Zweck wurde vom Konzern, der von Chile bis zur Volksrepublik China in immer mehr Ländern agiert, eine neue Tochter, die KWS-Mais GmbH für die Vermarktung von Mais und Ölsaaten gegründet. Da in diesem Zusammenhang neue Satzungen verabschiedet werden sollten, bot sich die Gelegenheit, mittels Gegenanträgen auf die Unzulänglichkeiten in den vorgestellten Entwurf hinzuweisen.

Nach den Lobesreden von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern auf das gute Betriebsergebnis bekam der Kritische Aktionär Ralf Baufeld vom Göttinger Arbeitskreis gegen Gentechnologie Gelegenheit, seine Gegenanträge auf der HV vorzustellen. Unter den Stichworten ,Nachhaltigkeit‘, ,Transparenz‘ und ,humanitäre Standards‘ schlug er vor, den Verzicht auf Risikotechnologien wie die Gentechnik, die Veröffentlichung der Verwendung von Fördermittel der öffentlichen Hand, bzw. die Vergabe von Parteispenden sowie die Festlegung von Arbeitsplatzqualität, Gleichbehandlung und Berücksichtigung von Menschenrechten bei Auslandsaktivitäten in den Gesellschaftsverträgen festzuschreiben.

Es blieb in diesem Zusammenhang jedoch bei vereinzelter Nachdenklichkeit innerhalb der HV, denn nur wenige Aktionäre unterstützten die entsprechenden Gegenanträge, zumal der Vorstand beteuerte, viele der angemahnten Punkte würden im Unternehmensleitbild berücksichtigt. Zweifler konnten sich da gelassen zurücklehnen und brauchten nicht aus der Stimmmehrheit ausscheren. Nach Ende der HV waren später schon vereinzelt nachdenkliche Töne zu hören, z.B. daß das Engagement in der VR China aufgrund der äußerst problematischen Menschenrechtslage diskussionswürdig sei.

Zu mehr Transparenz, was die Finanzierung angeht, wollte sich der Vorstand während der Versammlung nicht durchringen. Auf Nachfrage wurde bei Parteispenden lediglich mitgeteilt, das diese nicht an bestimmte Parteien gebunden seinen, sondern in einem gewissen Rahmen gestreut würden.

Weitere Gegenanträge wurden von Ralf Baufeld damit begründet, daß die Firma auf Gentechnologie in der Saatgutherstellung setzt. Die erste in diesem Zusammenhang beantragte Sorte ist eine genmanipulierte Zuckerrübe, die gegen das AGREVO-Totalherbizid LIBERTY (ehemals BASTA) resistent sein soll. Mit dieser ökologisch äußerst bedenklichen Technologie setzt sich der Konzern über alle Verbraucherinteressen, die in bisherigen Umfragen die Anwendung der Gentechnologie im Lebensmittelbereich mit überwiegender Mehrheit ablehnen, hinweg und begibt sich indirekt in wirtschaftliche Abhängigkeit zu AVENTIS, zu dem die HOECHST- und SCHERING-Tochter AGREVO nun gehört.

Größtenteils lief die HV in geordnetem demokratischen Stil ab, einzelne Mitglieder der Versammlung konnten jedoch nicht umhin, gegen die Kritischen Aktionäre zu polemisieren („… solche Leute sollten ihr Geld lieber in Bausparverträge stecken als Aktien zu kaufen …“). Diese in jovialem Stile vorgetragenen Äußerungen wurden jedoch ebenso wie die Mitteilungen, in welchen anderen HV's dieser Aktionär zugegen war, zur Kenntnis genommen und führten zu keinem Stimmungswechsel der Atmosphäre der HV. Vorstand und Aufsichtsrat sind sich ihrer mächtigen Mehrheit sicher.

Einige Gegenstimmen mehr rief lediglich der Antrag hervor, den Zusatz „vormals Rabbethge und Giesecke“ aus dem Konzernnamen zu streichen. Die betroffenen Familien stimmten dagegen, wenngleich sich die Gegenstimmenzahl auch hier nicht in ganzen Prozenten ausdrücken läßt.