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des Gegenantrags auch mitgeteilt und von Bayer entsprechend veröffentlicht wurden.
Dass unsere Argumente aber von Ihnen nicht wahr und ernst genommen werden, hĂ€ngt einfach damit zusammen: Sie passen nicht in ihr einzig am Profit ausgerichtetes WertgefĂŒge.
Sie alle, meine Damen und Herren, kennen den ehemaligen Bundesminister und GeneralsekretÀr der CDU, Dr. Heiner Geisler. Im Vorfeld
dieser Hauptversammlung erreichte uns ein Beitrag von ihm. Gerade weil das Management immer versucht, meine RedebeitrÀge mit Hinweis auf meine Mitgliedschaft in der Coordination gegen BAYER-Gefahren vom Tisch zu
wischen, ist es mir eine besondere Freude, Ihnen jetzt das Statement von Dr. Geisler zur Kenntnis bringen zu dĂŒrfen. Und ich schreibe diesen Beitrag nachdrĂŒcklich allen ins Stammbuch, die vorhin bei Vorstand und
BefĂŒrwortern der Abspaltung so zustimmungsfreudig applaudiert haben:
âUnter Berufung auf angebliche Gesetze des Marktes reden die ökonomischen und wissenschaftlichen Eliten einer anarchischen
Wirtschaftsordnung, die ĂŒber Leichen geht, das Wort. 100 Millionen von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen in Europa und den USA und drei Milliarden Arme, die zusammen ein geringeres Einkommen haben als die 400
reichsten Familien der Erde, klagen an: die Adepten einer Shareholder- Value-Ăkonomie, die keine Werte kennt jenseits von Angebot und Nachfrage, Spekulanten begĂŒnstigt und langfristige Investoren behindert. (...)
Die Arbeiter in den Industriestaaten und ihre Gewerkschaften, die angesichts der Massenarbeitslosigkeit mit dem RĂŒcken an der Wand stehen, fĂŒhlen sich anonymen MĂ€chten ausgeliefert, die von Menschen
beherrscht werden, deren Gier nach Geld ihre Hirne zerfrisst.
Die Menschen leben und arbeiten in einer globalisierten Ăkonomie, die eine Welt der Anarchie ist â ohne Regeln, ohne Gesetze, ohne
soziale ĂbereinkĂŒnfte. Eine Welt, in der Unternehmen, GroĂbanken und der ganze ,private Sektorâ unreguliert agieren können.
Wo bleibt der Aufschrei gegen ein Wirtschaftssystem, in dem groĂe Konzerne gesunde kleinere Firmen mit Inventar und Menschen
aufkaufen, als wÀren es Sklavenschiffe aus dem 18.Jahrhundert, sie dann zum Zwecke der Marktbereinigung oder zur Steigerung der Kapitalrendite und des Börsenwertes dichtmachen und damit die wirtschaftliche
Existenz von Tausenden mitsamt ihren Familien vernichten? Den Menschen zeigt sich die hÀssliche Fratze eines unsittlichen und auch ökonomisch falschen Kapitalismus, wenn der Börsenwert und die ManagergehÀlter
â an den Aktienkurs gekoppelt â umso höher steigen, je mehr Menschen wegrationalisiert werden."
Soweit das Statement des ehemaligen CDU-GeneralsekretÀrs Dr. Geisler. Ich kann diesem Statement persönlich beim besten Willen nichts
mehr hinzufĂŒgen â es trifft einfach zu.
Sie alle wissen â es war ja sogar schon in der BILD-Zeitung zu lesen â Bayer ĂŒbertrĂ€gt auf Lanxess Schulden in Milliardenhöhe. Das
ist Coup, mit dem sich Bayer ĂŒber die vom Bayer-Mann Heribert Zitzelsberger lancierte Steuergesetzgebung gnadenlos am SteuersĂ€ckel bereichert. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes unsozial.
Zugleich bedeutet diese Schuldenlast knallharte Erpressung der BeschÀftigten. Diese werden damit dauerhaft genötigt,
Kosteneinsparungen durch Mehrarbeit und Lohnverzicht, aber auch durch Verlust ihres Arbeitsplatzes zu leisten. Trotz aller schöner Worte droht tausenden BeschÀftigten der Abstieg in prekÀre ArbeitsverhÀltnisse
und in die Arbeitslosigkeit. LanXess-Vorstandsmitglied Ulrich Koemm hat bereits SchlieĂungen von Betriebsteilen und VerkĂ€ufe ankĂŒndigt.
Und da die Arbeit in der Regel nicht wegfÀllt, steigt der hohe Arbeitsdruck auf die Belegschaft weiter an. Neu eingestellte
BeschĂ€ftigte werden tariflich schlechter gestellt. Auch die Möglichkeit der Belegschaft, auf den Kurs des Unternehmens Einfluss aus zu ĂŒben, ist langfristig gefĂ€hrdet: Bei Aufsplitterung in immer kleinere
Einheiten fĂ€llt die tarifliche Mitbestimmung weg. In der LanXess-Belegschaft wird das, was hier lĂ€uft, so auf den Punkt gebracht: âverraten und verkauftâ â das ist der bittere Kommentar aus den Werken. Das
Gerede der Konzernleitung von Standortsicherung und BeschÀftigungsgarantien erweist sich als fadenscheinig und verlogen.
Auch fĂŒr den Umwelt- und Verbraucherschutz ist LanXess eine neue Gefahr. LanXess wird â da als Profitbringer einzig auf die harte,
weltweit verfemte, die Existenz des Planeten gefĂ€hrdende Chlorchemie als Produkt angewiesen â gegen jeden gesunden Menschenverstand all das weiter vermarkten, wogegen alle Welt Sturm lĂ€uft: Hormonaktive bzw.
hochtoxische Produkte wie Weichmacher, Phosgen, Chlorbenzole, Isocyanate und Nitrotoluole.
Das umfangreiche Wortgeklingel im Abspaltungs- und Ăbernahmevertrag zu Haftungsfragen und UmweltschĂ€den weist bereits darauf hin: FĂŒr
Regierungen, Kommunen, Organisationen und Personen wird es kĂŒnftig noch schwieriger, AnsprĂŒche fĂŒr entdeckte und unentdeckte Altlasten und Umwelt- und GesundheitsschĂ€den durchzusetzen.
Wir alle hier im Saal werden heute, wenn der Vorschlag des Vorstands zur Abspaltung nicht abgelehnt wird, Zeugen wie das so funktioniert,
was der âSternâ in Millionen- auflage in seiner Ausgabe vom 24.10.2004 den âPutsch von ganz obenâ nennt: Bei der Abspaltung von LanXess geht es um eine groĂ angelegte Umverteilung von unten nach oben. Mehr
als 73 Millionen Aktien sollen hier heute verschenkt werden. 95 Prozent dieser Aktien wird sich eine kleine Elite von institutionellen und anderen GroĂaktio- nĂ€ren aneignen. Aber auch die Masse der Klein- und
KleinstaktionÀre werden mit je einer Neuaktie auf zehn Altaktien bedacht. Je nach Kurswertentwicklung geht es hier um einen Betrag von schÀtzungsweise 300 Millionen bis einer Milliarde Euro, der ohne jede
Gegenleistung der AktionÀre deren Vermögen steigert. Dieser Umbau geht nicht nur voll zum Nachteil der Belegschaften, er geht auch auf Kosten des Sozialstaates und der arbeitenden Menschen im Land insgesamt.
Sie hier im Saal sind ĂŒberwiegend KleinaktionĂ€rinnen und KleinaktionĂ€re. Sie sind vielfach einfache Belegschaftsangehörige oder
ehemalige BetriebsbeschĂ€ftigte. Doch den Ton hier geben die GroĂaktionĂ€re und Banken mit ihrem Depotstimmrecht an. Und diese GroĂaktionĂ€re und Banken bzw. Investmentgesellschaften haben im Gegensatz zu den
BeschÀftigten und den KleinaktionÀren kein ethisches, kein soziales und auch kein ökologisches Gewissen.
Aber Sie, meine Damen und Herren KleinaktionÀre, Sie, die Sie als Gewerkschafts- kollegen und -kolleginnen wissen, wie es an den
ArbeitsplÀtzen und hinsichtlich der Familienbudgets aussieht, Sie haben ein soziales und ökologische Gewissen. Sie wissen noch, wie Moral und Ethik buchstabiert werden.
Deshalb fordere ich Sie auf, zeigen Sie den GroĂaktionĂ€ren, VorstĂ€nden und AufsichtsrĂ€ten, was Sie von ihnen halten. Auf jeder
Hauptversammlung stimmen mehre Tausend KleinaktionĂ€rinnen und KleinaktionĂ€re mit uns. Trotz dieser Zahlen macht dies aufgrund der BesitzverhĂ€ltnisse der GroĂaktionĂ€re rein mathematisch keinerlei Mehrheiten aus.
Stimmen Sie aber bitte trotzdem â oder gerade deshalb â mit NEIN. Setzen Sie mit Ihren Aktien ein Zeichen fĂŒr soziale Sicherheit, Umweltschutz und Menschenrechte. Gegen Profitgier und Menschenverachtung.
Entsprechend unser Gegenantrag: Stimmen Sie dem Abspaltungsvertrag nicht zu.
Ich stehe hier beauftragt von Hunderten von KleinaktionÀren und KleinaktionÀrinnen mit Gewissen, die bereits im Vorfeld dieser
Hauptversammlung der Coordination gegen BAYER-Gefahren und dem Dachverband der Kritischen AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re ihre Aktien ĂŒbertragen haben. Tun Sie Ihre Aktien
dazu, stĂ€rken Sie das Signal fĂŒr Soziale Sicherung, Umweltschutz und Menschenrechte!
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