Home
Aktuelles
Konzernkritik
Kampagnen
Mitglieder
Jahresberichte
Stimmrechte
Termine
Links
Volltext-Suche
Kontakt
Deutsche Lufthansa Hauptversammlung 1999

Flüchtlinge sterben in Lufthansa-Flugzeugen

Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG reagierten gereizt, als in ihrer Hauptversammlung am 16. Juni 1999 wieder Kritische Aktionärinnen und Aktionäre auftraten. Lange lag der letzte Auftritt von Mitgliedern der Anti-Apartheid-Bewegung zurück, die der Fluggesellschaft in den achtziger Jahren Verbindungen zum Südafrikanischen Rassistenregime vorgeworfen hatten.

Nun standen Vertreter der Menschenrechtsorganisation ,kein mensch ist illegal‘ mit Vollmachten vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre am Rede- pult und protestierten gegen den gewaltsamen Tod des sudanesischen Flüchtlings Aamir Ageeb während des Linienflugs LH 558 am 28. Mai 1999. Sie forderten von der Lufthansa, das lukrative Geschäft mit der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber sofort zu beenden.

Ageeb war bei seiner Abschiebung nach Kairo erstickt worden. Beamte des Bundes- grenzschutzes hatten den 30-jährigen „ruhiggestellt“, an Händen und Füßen gefesselt und in den Sitz gedrückt. Aus Angst, seinen Verfolgern im Sudan in die Hände zu fallen und wie sein Bruder als politischer Gefangener im Gefängnis zu landen, hatte er sich verzweifelt gegen seinen Zwangstransport gewehrt.

Der Sudanese war nicht das erste Opfer der brutalen Abschiebepraxis. So starb bereits im August 1994 der Nigerianer Kola Bankola in einer Lufthansa-Maschine an einer Beruhigungsspritze. Viele Flüchtlinge, deren Widerstand mit Fesseln, Knebeln und Beruhigungsspritzen gebrochen werden sollte, wurden schwer verletzt. Für die Lufthansa ist der Umsatz mit den „Schüblingen“ ein lukratives Geschäft. Mehrere Millionen Mark verdient das deutsche Vorzeigeunternehmen jährlich an diesem Hilfsdienst für den Staat.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Schlede mochte eine Debatte über das unange- nehme Thema nicht dulden. Als Leiter der Hauptversammlungen stellte er allen drei Kritischen Aktionären das Mikrofon ab und verwies sie vom Redepult. Erst als die Kritiker mit juristischen Konseqenzen drohten, konnten sie ihre Reden fortsetzen.

Vorstandsvorsitzender Jürgen Weber stritt eine Mitschuld der Lufthansa an den Todes- fällen ab. Die deutschen Gesetze verpflichteten jede Fluggesellschaft zum Rücktrans- port von abgelehnten Asylbewerbern, die in ihren Maschinen ins Land gekommen seien. Auf Nachfrage der Kritischen Aktionäre mußte Weber jedoch eingestehen, dass Flugkapitäne die Beförderung von Passagieren verweigern dürfen, „wenn Sicherheit und Ordnung gefährdet sind“ oder „wenn der Fluggast unangenehm auffällt.“

Schuldig blieb der Vorstandschef eine Antwort auf die Frage, warum die Lufthansa
ihre Kapitäne nicht grundsätzlich anweist, jede Beförderung von gefesselten Menschen aus Sicherheitsgründen abzulehnen.