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Norddeutsche Affinerie Hauptversammlung 2000

Kupferbergbau zerstört tropischen Regenwald

Norddeutsche Affinerie soll betroffenen Menschen helfen

Nachdem die Norddeutsche Affinerie Hamburg (NA) sich selbst zur umweltfreund- lichsten Kupferhütte der Welt erklärt hatte, rückten zwei Kritische Aktionäre vom Förderkreis ,Rettet die Elbe' dieses Bild in der Hauptversammlung am 04. April 2000 zurecht: Die NA kauft jährlich 90.000 Tonnen Kupferkonzentrat aus der Ok-Tedi Mine in Papua Neuguinea. Diese Mine spült 80.000 Tonnen giftiger Erzrückstände und 120.000 Tonnen Abraum in den Ok-Tedi Fluss – pro Tag!

Die Auswirkungen dieser Verseuchung, berichteten die Kritiker, zeigen sich im gesamten 1.000 Kilometer langen Fly-River System, im Golf von Neuguinea und sogar am Great Barrier Reef vor Australien. Unterhalb der auf 4.000 Metern Höhe gelegenen Mine sind bereits weite Flächen tropischen Regenwalds unwiederbringlich abgestorben.

Der Betrieb der Mine nach international üblichen Umweltstandards wäre zwar technisch möglich, würde ihren Betrieb wegen der geografischen Lage und der klimatischen Verhältnisse aber unwirtschaftlich machen.

”Die Umweltschäden durch die Ok-Tedi Mine können nur mit ihrer Schließung beendet werden”, stellte deshalb Bernd Moritz von ,Rettet die Elbe' in der NA Hauptversamm- lung fest. Zu diesem Ergebnis kämen auch mehrere unabhängige Studien.

Allerdings hätte die Schließung, so Moritz weiter, für die ansässigen Menschen verheerende wirtschaftliche Folgen. Die sozialen Auswirkungen des 1984 begonnenen Minenbetriebs würden eine Rückkehr zur vorherigen Lebensweise verhindern. Zahlungen der Minenbetreiber für Strukturmaßnahmen seien an den Minenbetrieb gebunden.

”Für dieses Dilemma tragen alle Abnehmer des Ok-Tedi Erzkonzentrats eine Mitverantwortung”, insistiert Moritz.  “Niemand verlangt, dass die Norddeutsche Affinerie allein aus der Mine aussteigen soll, aber sie muß sich für die Schließung einsetzen!”

Der Förderkreis ,Rettet die Elbe', seit 1999 Mitglied im Dachvervband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, beantragte in der Hauptversammlung, die NA solle ein Prozent ihres Bilanzgewinns zur Minderung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen zurückstellen.

Der Vorstand der NA hielt dies für unbegründet, da sich der Kupferbergbau der Mine im Einklang mit internationalen Standards befände. Pikanterweise berief sich der Vorstand dabei ausgerechnet auf die Weltbank. Diese kommt jedoch in ihrem Ok-Tedi Bericht vom 07. März 2000 zu dem Schluss, die Mine müsse aus ökologischen Gründen sofort geschlossen werden.

Nach Medienberichten bezieht die NA Kupfererzkonzentrat auch von der Freeport Grasberg Mine in West Papua, der indonesischen Häfte Neu Guineas. Dort werden die giftigen Erzrückstände und der Abraum ebenfalls direkt in die Flüsse geleitet. Die ökologischen und sozialen Folgen sind vergleichbar mit denen der Ok-Tedi Mine.

Die indonesische Armee hat den Widerstand der lokalen Bevölkerung gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen mit Waffengewalt gebrochen. Sie sichert bis heute den ungestörten Abbau von Kupfererz, das auch die NA verarbeitet. Für Bernd Moritz ist klar: “Jedes Bekenntnis der Norddeutsche Affinerie zu nachhaltiger Entwicklung bleibt damit die pure Heuchelei.”