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Norddeutsche Affinerie Hauptversammlung 2002

Norddeutsche Affinerie zerstört den Regenwald

„Die Norddeutsche Affinerie ist die sauberste KupferhĂŒtte der Welt, die Frage nach Umweltstandards ist damit fĂŒr uns eine Debatte der Vergangenheit.“ So möchte der Vorstand der grĂ¶ĂŸten KupferhĂŒtte Europas die Dinge gerne sehen. Kritische Aktio- nĂ€rinnen und AktionĂ€re vom Pazifik-Netzwerk und dem Förderkreis ,Rettet die Elbe‘ rĂŒckten das Bild in der Hauptversammlung am 04. April 2002 zurecht.

„GeĂ€ndert hat sich bei der Affi leider nichts zum Guten“, stellte ihr Sprecher Bernd Moritz klar – „trotz der AbsichtserklĂ€rung, fĂŒr die Menschen am OK-Tedi etwas tun zu wollen und trotz der großspurigen AnkĂŒndigung eines Dialogs mit den Kritikern.“ Zwar habe die Norddeutsche Affinerie den Bau eines SchulungsgebĂ€udes fĂŒr Health-Worker in Indonesien finanziert, „doch wer die VerhĂ€ltnisse in Papua Neu-Guinea kennt“, so Moritz, „der weiß, dass eine derartige, isolierte Maßnahme mehr dem Image der Affi nĂŒtzt als den Menschen vor Ort.“

Vielmehr hat die Affi ihre GeschĂ€ftspolitik verschĂ€rft: 14 Prozent des von ihr verarbeiteten Kupfererzes stammten im GeschĂ€ftsjahr 2002 aus Indonesien. Dort richten Kupferminen noch weitaus grĂ¶ĂŸeren Schaden an als am OK-Tedi. Giftige ErzrĂŒckstĂ€nde werden im Meer versenkt. Gewalt gegen Kritiker bis hin zum Mord an Regierungsgegnern ist nach wie vor an der Tagesordnung.

FĂŒr Werner Marnette, den Vorstandsvorsitzenden der Affi ist das kein Grund, vom business as usal abzuweichen: So leugnet er Hinweise auf Menschenrechtsverletz- ungen bei indonesischen Kupferminen und behauptet, auch in Indonesien wĂŒrden strenge UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfungen vorgenommen. Die ErtrĂ€ge der Mine OK-Tedi kĂ€men nach einem EigentĂŒmerwechsel ĂŒberwiegend sozialen und umweltrelevanten Zielen in Papua-Neuguinea zugute, versuchte er den AktionĂ€ren glaubhaft zu machen.

Menschenrechtsverletzungen in einem Land wie Indonesien zu ignorieren sei fĂŒr jeden aufmerksamen Zeitungsleser unglaubwĂŒrdig, kontert Henry Mathews vom Dachverband der Kritischen AktionĂ€re und lieferte aktuelle Beispiele: Die Ermordung von Papua im Umfeld der Grassbergmine in West Papua, den Mord am PrĂ€sidenten des Papuarats im November 2001, die SchĂŒsse auf Demonstranten gegen die Kupfermine Batu Hijjau östlich von Java 1999.

Auch ĂŒber Umweltstandards in Indonesien konnte er die versammelten AktionĂ€re aufklĂ€ren: „Bei Batu Hijjau kommt die Fischerei zum Erliegen, weil wegen der Einleitung der ErzrĂŒckstĂ€nde ins Meer auch wirtschaftlich bedeutsame Fischarten aussterben.“

„Weiße Elefanten“ statt echter Hilfe

Den Begriff „weiße Elefanten“, fĂŒhrte Marion Struck-Garbe vom Pazifik Netzwerk in die Hauptversammlung ein. So wird in Papua Neuguinea das genannt, was von vielleicht gut gemeinten Baumaßnahmen ĂŒbrig bleibt: leere GebĂ€ude wie Gesundheitsstationen, in denen sich nicht einmal „ein Fitzel-chen Pflaster“ findet. Solche Bauten fĂ€nden sich in großer Zahl in vielen Dörfern, berichtete Struck-Garbe, die fĂŒnf Jahre in Papua Neu Guinea lebte. Ihre Frage, wie die Nord-deutsche Affinerie sicherstelle, nicht fĂŒr „Weiße Elefanten“ gesorgt zu haben, ließ der Vorstand trotzdem unbeantwortet.

Die Behauptung, die ErtrĂ€ge der OK-Tedi Mine kĂ€men zukĂŒnftig ĂŒberwiegend sozialen und umweltrelevanten Zielen zugute, verwies Bernd Moritz vom Förderkreis ,Rettet die Elbe‘ ins Reich der Desinformation: „Den Minenbetreibern ging es allein darum, sich aus der Verantwortung zu stehlen, deshalb wurden die Anteile von der australischen BHP an einen obskuren Fonds mit Sitz in Singapur weiter-gereicht.“ Das sei ein „böses Spiel“ meinte Moritz, zu dem die Norddeutsche Affinerie gut Mi(e)ne mache.

„Sind wir Deutschen immer noch
fĂŒr alles Leid der Welt verantwortlich?“

Als Bernd Moritz der Affi vorwarf, in pharisĂ€erhafter Manier den edlen Spender zu spielen, sich ansonsten aber nicht um die Bedingungen des Kupferbergbaus zu scheren, kam im Saal Unruhe auf. „Gehört das, womit diese selbsternannten Weltverbesser uns belĂ€stigen, ĂŒberhaupt auf eine Hauptversammlung, und sind wir Deutschen immer noch fĂŒr alles Leid der Welt verantwortlich?“, meinte ein AktionĂ€r seinem Unmut Luft machen zu mĂŒssen.

Das konnte nicht unbeantwortet bleiben: Als Klaus Baumgardt von ,Rettet die Elbe‘ resĂŒmierte, dass es weder um alles Leid der Welt, noch um Deutschland, aber sehr wohl um Fragen gehe, die die langfristige Entwicklung der KupferhĂŒtten betreffen, hatten die Kritischen AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re die Aufmerksamkeit wieder auf ihrer Seite.


Bitte lesen Sie weitere HintergrĂŒnde zum Thema
und unseren Bericht ĂŒber die Affi HV 2000.