|
Post-Vorstand setzt Rekorde beim Lohn-Dumping
35 Prozent weniger für Filialbeschäftigte
Die Beschäftigten in den Filialen der Deutschen Post verdienen heute im Durchschnitt nur noch 22.000,- Euro im Jahr; noch vor kurzem
waren es 34.000,– Euro. Diese dramatischen Zahlen nannte der Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel in der Hauptversammlung am 06. Juni 2002 auf Fragen von Kritischen Aktionären. Das Lohndumping um mehr als 35
Prozent ist der „Erfolg“ mehrfacher Umstrukturierungen, die der Vorstand durchgeführt hat.
Seit 1997 hatte das Unternehmen etwa 400 frühere Postämter in Filialen seiner Tochterfima McPaper umgewandelt und dafür 75 Millionen
Euro ausgegeben. Später wurden die meisten dieser Geschäftsstellen wieder mit dem üblichen Post-Design ausgestattet, was laut Zumwinkel nur 200.000,- Euro gekostet haben soll. Diese einmaligen Kosten
„rechnen“ sich für den Profithunger des Mehrheitseigentümers Bundesrepublik Deutschland, denn die Personalausgaben wurden durch die zweifache Umfirmierung auf Dauer minimiert.
Tarifverhandlungen sind für Zumwinkel nur „Rituale“
Ulla Lötzer und Henry Mathews sprachen als Vertreter des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre im Namen von 1.552
Inhaberinnen und Inhabern der „Aktie Gelb“. Viele davon sind Belegschaftsaktionäre „und das ist uns Verpflichtung“, bekräftigte Mathews. Deshalb forderten er und Lötzer den Vorstand auf, in den während
der Hauptversammlungs-Woche laufenden Tarifverhandlungen endlich ein Arbeitgeber-Angebot vorzulegen.
Vorstandschef Zumwinkel wiegelte ab. Tarifverhandlungen seien aus seiner Sicht nur „gewisse Rituale“ ließ er wissen, und „da legt
man nicht am ersten Tag ein Angebot auf den Tisch.“ Die Kritischen Aktionäre solidarisierten sich dennoch mit der gewerkschaftlichen Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn für die Post-Beschäftigten – zumal die
BezĂĽge des Vorstands im letzten Jahr um 11,5 Prozent gestiegen waren.
Unter Applaus des Publikums empfahl Dachverbands-Sprecher Mathews dem Konzernboss: „Arbeiten sie mal einen Tag als Briefträger!“
Diesen Vorschlag griff Zumwinkel jedoch nicht auf. Auch mit dem Durchschnittsverdienst eines Postzustellers von 24.000,– Euro im Jahr schien er sich nicht anfreunden zu wollen.
Bitte Lesen Sie auch unsere ausfĂĽhrlichen Berichte und Dokumentationen ĂĽber die Post Hauptversammlung 2001 und den Aufruf zu unserer Kampagne aus dem Jahr 2001 gegen den Jobkiller Staat AG.
|