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RWE Hauptversammlung 2004

Zwölf Prozent der deutschen
Kohlendioxid-Emissionen stammen von RWE

Die Rede der Kritischen Aktion√§rin Regine G√ľnther
in der Hauptversammlung der RWE AG am 15. April 2004:

Wissenschaftler weltweit sagen uns, dass der von Menschen gemachte Treibhaus-
effekt die größte umweltpolitische Herausforderung dieses Jahrhunderts ist. Haupt-
verursacher f√ľr den Klimawandel ist der exorbitante Aussto√ü von Kohlendioxid - CO2.
Als Antwort auf diese Herausforderung werden derzeit weltweit neue Klimaschutz-
instrumente etabliert. Den größten Anteil an den vom Menschen erzeugten CO2-
Emissionen hat mit einem Drittel der Kraftwerkssektor. Deshalb wird dieser auch
von diesen Instrumenten in besonderer Weise betroffen sein.

Dies gilt versch√§rft f√ľr RWE,denn zw√∂lf Prozent der gesamten deutschen CO2- Emissionen gehen auf das Konto des Unternehmens und es ist damit der gr√∂√üte europ√§ische Einzelemittent.

Gerade deshalb muss RWE mit einer nachhaltigen Unternehmensstrategie, d.h. einer Risikomanagementstrategie, auf die neuen Klimaschutzinstrumente vorbereitet sein und sich schon heute neu ausrichten. RWE ist wegen seiner immensen Abhängigkeit von Kohle und hier speziell der Braunkohle in einer sehr prekären Situation. Da darf man sich nichts vormachen.

Eines der interessantesten neuen Instrumente zur Bek√§mpfung der  

Regine G√ľnther leitet beim WWF Deutschland den Energie-
und Klimabereich. In der RWE HV 2004 sprach sie mit
Vollmacht des Dachverbands der Kritischen Aktionäre.

Klimaerwärmung ist der so genannte Emissionshandel. Hierbei werden die klima-
sch√§dlichen CO2-Emissionen absolut gedeckelt und erhalten einen Preis. Das hei√üt: Die Atmosph√§re ist keine kostenlose M√ľllhalde mehr, sondern zuk√ľnftig muss der, der sie verschmutzt, auch daf√ľr zahlen. Die Tatsache, dass Kohlenstoff einen Preis erh√§lt, ist ein wesentliches Element, das das Wirtschaftlichkeitskalk√ľl vieler Industriezweige grundlegend ver√§ndert. Klimaschutzpolitik wird damit erhebliche Effekte auf die Stromerzeugungskosten, die Gro√ühandelspreise, die wirtschaftliche Attraktivit√§t von Brennstoffwechsel und die grunds√§tzliche Wirtschaftlichkeit von Kraftwerken zur Folge haben.

Damit, sehr geehrte Damen und Herren, wird die Menge des klimasch√§dlichen CO2, das ein Unternehmen ausst√∂√üt, zuk√ľnftig auch f√ľr die Bonit√§t des Unternehmens relevant. CO2 wird in den Unternehmensbilanzen auftauchen. √úber die Konsequenzen gibt es eine Reihe von Analysten-Reports. Ich m√∂chte mich auf die zentralen Ergebnisse der West-LB konzentrieren.

Die West-LB kommt in ihrem Report ‚ÄěVon Economics zu Carbonomics, Value Risk durch Klimawandel‚Äú aus dem Jahr 2003 u.a. zu folgenden Schl√ľssen:

  • ‚ÄěUnternehmen in Branchen mit einer hohen Klima-Exposure m√ľssen mit Bewertungsabschl√§gen rechnen.‚Äú RWE geh√∂rt hier zweifelsfrei dazu. Bei Elektrizit√§ts- und Gasversorgern h√§ngt dies insbesondere - so die West-LB - vom dem Energie-Mix ab. Gerade f√ľr Unternehmen, die stark von Kohle und √Ėlfeuerung abh√§ngen, bestehe die Gefahr, dass regulative √Ąnderungen hohe Kosten verursachen. Im Extremfall k√∂nnen kapitalintensive Umr√ľstungen bis hin zur Schlie√üung von Anlagen relevant werden. Ein Umschalten zu Erneuerbaren Energien und der Nutzung energieeffizienter, schadstoffarmer Technologien kann dagegen Chancen er√∂ffnen, von einem wachsenden Markt zu profitieren.

Meine Frage an den Vorstand: Welche Nachhaltigkeitsstrategie hat RWE um einen anspruchsvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und durch Fehlinvestitionen Schaden von den Aktionären abzuwenden, und zwar nicht nur kurzfristig?
In ihrem Gesch√§ftsbericht 2003 schreiben Sie: ‚ÄěKlimaschutz bleibt das Topthema‚Äú. Richtig! Dass Sie aber nur auf den Einsatz neuer Kohlekraftwerks-Technologie setzen, wird nicht ausreichen.

  • Des Weiteren, so die West-LB, ist die Managementstrategie von besonderer Relevanz. Die langen Investitionszyklen in der Branche verringern die Flexibilit√§t, so dass ein vorausschauendes Risikomanagement und fr√ľhzeitiges Engagement in zukunftstr√§chtigen Technologien essentiell wird. Als Vorreiter werden im WEST-LB Report Endesa, Entergy, Public Service Enterprice Group und Duke Energy genannt. RWE wird hier nicht erw√§hnt.

Meine Frage an den Aufsichtsrat: Muss man daraus schlie√üen, dass ‚Äď salopp gesagt ‚Äď die Hausbank von RWE davon ausgeht, dass RWE in Sachen Klimawandel kein seri√∂ses Risikomanagement betreibt?

Kommen wir zum Emissionshandel zur√ľck. Seit nun gut 14 Tagen ist die Ausgestaltung des deutschen so genannten Nationalen Allokationsplans bekannt. Es ist kein Geheimnis, dass nicht nur die Umweltverb√§nde sowohl mit der darin formulierten Zielsetzung als auch mit der Struktur nicht zufrieden waren und ihn als zu schwach ansehen. Gerade deshalb ist davon auszugehen, dass diese Struktur den Unternehmen keine Planungssicherheit geben wird, sondern schon sehr bald nachgesteuert werden muss, will man in der Frage des Klimawandels nicht von einem vollst√§ndigen Politikversagen ausgehen. Um diese Planungssicherheit zu erhalten, ist es von immenser Relevanz, dass die zuk√ľnftigen Reduktionsziele von der Politik als wichtige Leitplanken festgelegt werden. Dies muss aber gerade von Unternehmen wie RWE auch eingefordert werden.

Zwei weitere Fragen an den Vorstand:

Setzen Sie sich offensiv f√ľr die Festlegung anspruchsvoller Reduktionsziele nach 2012 ein, um Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und um Fehlentscheidungen im Kontext der Kraftwerksparkerneuerung zu vermeiden, die sehr empfindlich dem shareholder value schaden k√∂nnten?

Der Nationale Allokationsplan sieht in der so genannten √úbertragungsregelung vor, dass Unternehmen die Zertifikate einer stillgelegten Altanlage 4 Jahre lang auf eine neu errichtete Anlage √ľbertragen k√∂nnen.  Dies bedeutet, dass die Investitionskosten eines hocheffizienten Gaskraftwerkes zu 42 Prozent nur durch die √ľbersch√ľssigen Zertifikate finanziert werden k√∂nnten. Substituiert man die alte Anlage aber durch ein hocheffizientes Braunkohlekraftwerk, w√ľrden nur 6 Prozent refinanziert. Deshalb fordern wir, zuk√ľnftig in jegliche Investitionen in Braunkohleanlagen zu verzichten. Wie wollen Sie eine Entscheidung f√ľr eine neue Braunkohleanlage Ihren Aktion√§ren erkl√§ren, die kurzfristig viel Geld verl√∂ren und langfristig ein hohes Risiko tragen, dass es sich um ein ‚Äěstranded investment‚Äú handelt?


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