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RWE Hauptversammlung 2005

„Die Braunkohle liegt hinter uns!“

Kritische Aktionäre und Greenpeace warnen
die RWE-Aktionäre vor Fehlinvestitionen

Vor Fehlinvestitionen in klimaschädliche Braunkohle-Kraftwerke und vor dem Weiter-
betrieb der Atomkraftwerke warnten Kritische Aktionäre und Sprecher der Umwelt-
schutzorganisation Greenpeace in der RWE Hauptversammlung am 14. Mai 2005
in der Grugahalle Essen. Vor den versammelten Aktionären forderte ein Greenpeace-
Sprecher den Stromkonzern auf, statt dessen in klimafreundlichere Gas- und Dampf-
kraftwerke sowie in die Nutzung erneuerbarer Energien zu investieren.

„Der Anteil erneuerbarer Energien im Strom-
mix wird weiter wachsen“, erklärte Jonas Mey,
Energie-Experte von Greenpeace, auch im
Namen der vom Dachverband vertretenen
Aktionärinnen und Aktionäre. „Dann braucht
unser Energiesystem flexibel regulierbare
Kraftwerke“, so Mey, „die sich dem schwan-
kenden Strom aus Sonne und Wind anpassen
können. Braunkohle-Kraftwerke sind Dinosau-
rier der Vergangenheit. Sie sind schwerfällig
regulierbar. In einem Energiesystem mit viel
erneuerbaren Energien können sie nicht
wirtschaftlich betrieben werden.“

RWE ignoriere, dass die Bundesregierung bis
2020 einen Anteil von 20 Prozent erneuerbarer
Energien anstrebt. Der Konzern plane auf
Basis viel zu niedriger Prognosen fĂĽr den Aus-
bau der Windkraft. Deshalb sei es „gefährlich“,
warnte Mey, „die realen Entwicklungen zu
ignorieren – gefährlich für die Umwelt und
gefährlich für das Wohl derjenigen Aktionäre,
die in der RWE-Aktie eine langfristige Anlage
sehen.“ Heute noch zwei Milliarden Euro in das
Kraftwerk Neurath zu stecken, bedeute, „das
Geld in den Sand zu setzen“, sagte Mey.

Laut Angaben des Deutschen Instituts fĂĽr Wirt-
schaftsforschung drohen bis 2050 allein in
Deutschland Klimaschäden von mehr als 137

Greenpeace-Sprecher Jonas Mey schenkte dem
Konzernchef Harry Roels einen Kugelschreiber
mit der Aufschrift „Die Braunkohle liegt hinter uns!“

Milliarden Euro. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Regierungen und Versicherungs-
gesellschaften die Kosten für Klimaschäden nicht mehr tragen wollen und Verursacher
wie RWE zur Kasse bitten“, so Mey in seiner Rede.

Deswegen forderte der Umweltschützer die RWE vor den versammelten Aktionären
auf, im Sinne einer stabilen und vorausschauenden Finanzplanung des Unternehmens
in erneuerbare Energien und klimafreundlichere Gas- und Dampfkraftwerke zu inves-
tieren. „Das sind Sie nicht nur der Umwelt, das sind Sie vor allem Ihren Aktionären
schuldig“, appellierte Mey an Vorstandsvorsitzenden Harry Roels.
 

RWE eignet sich öffentliche Ressourcenwerte an

„Was ist das für eine Geschäftstätigkeit“, fragte der Kritische Aktionär Helmut Kohler,
„wenn man einen Schaden von 126 Milliarden Euro verursacht, um einen Bilanzgewinn
von 843 Millionen Euro zu verdienen?“ Auf diese enorme Summe errechnete Kohler
den Ressourcenwertverzehr des RWE Konzerns im vergangenen Geschäftsjahr durch
den Verbrauch von Kohle und Uran, die eigentlich der Allgemeinheit gehörten. So
betrage „der volkswirtschaftliche Schaden mindestens 110 Euro-Cent pro Kilowatt-
stunde Atomstrom.“ Bei Strom aus Windenergie betrage dieser Wert nur neun Cent,
betonte Kohler, „und die Ressource bleibt erhalten.“

Nachdem Vorstandschef Harry Roels die erneuerbaren Energien mehrfach diskreditiert
und auf „Versorgungssicherheit“ gepocht hatte, hielt ihm Dachverbands-Geschäfts-
führer Henry Mathews vor: „Bei ihren Atomkraftwerken ist es ja auch nicht weit her mit
der Versorgungssicherheit. Erst gestern mussten Sie dem hessischen Umweltminis-
terium wieder mal zwei technische Probleme in ihrem Schrottreaktor Biblis melden.
Wenn sie Sicherheit wollen, mĂĽssen sie auf Strom aus Biomasse setzen, denn den gibt
es auch, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.“ In Anspielung auf die
Fernsehserie „Derrick“ forderte Mathews den Konzernboss auf: „Harry, hol’ schon mal
den Klimaschutz nach!“


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