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Die groĂe britische Friedensinitiative CND entschloĂ sich 1997 ebenfalls zum Siemens-Boykott und rief ihre Mitglieder landesweit auf,
keine Produkte des Konzerns mehr zu kaufen, solange er im AtomgeschÀft tÀtig ist.
In Deutschland gingen Atomkraftgegener im JubilĂ€umsjahr gleich an drei Aktionstagen bundesweit fĂŒr den Siemens-Boykott auf die StraĂe.
Am 26. April, am 12. Juli und am 11. Oktober informierten sie die Kundinnen und Kunden vor den Filialen der ElektrohĂ€user MediaMarkt, ProMarkt und Saturn ĂŒber den Zusammenhang von Atomkraftwerken und
Siemens-GerÀten.
Bei einer gutbesuchten Tagung der Evangelischen Akademie Arnoldshein im hessischen GieĂen wurde Siemens erneut zum öffentlichen Diskurs
ĂŒber den Boykott gezwungen. Pressesprecher Wolfgang Breyer muĂte sich fĂŒr den Atomkurs seines Unternehmens rechtfertigen. Der Theologe und Biologe Prof. GĂŒnter Altner kritisierte auf der Tagung das anhaltende
Atomengagement des Unternehmens. NachdrĂŒcklich sprach sich der 60-jĂ€hrige MitgrĂŒnder des Ăko-Instituts fĂŒr den Siemens-Boykott aus.
3000 demonstrierten fĂŒr EntschĂ€digung
Bereits am 08. Februar demonstrierten in Berlin 3.000 Menschen gegen die AtomgeschĂ€fte des Konzerns und fĂŒr EntschĂ€digungszahlungen an
die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die Siemens in der Zeit des Nationalsozialismus ausgebeutet hat.
FĂŒnf Tage spĂ€ter empfingen mehrere Polizei-Hundertschaften in Kampfuniformen die verdutzten Siemens-AktionĂ€re zur Hauptversammlung im
Berliner KongreĂzentrum ICC. Die Firma hatte den PolizeiprĂ€sidenten ĂŒberzeugt, daĂ Gewalttaten zu befĂŒrchten seien.
Echte Gefahr fĂŒr Siemens ging an diesem Tag jedoch nicht von den Demonstranten vor der Halle aus, sondern vielmehr von den kritischen
Informationen auf gelben FlugblĂ€ttern, die an 400 gasgefĂŒllten Luftballons in den Himmel stiegen. Sie waren unmittelbar vor dem ICC durch einen RiĂ in der Reaktorkuppel eines Atomkraftwerks in die AtmosphĂ€re
entwichen. â Die Demonstranten hatten den vier Meter hohen Reaktor aus Holz und Stoff nachgebaut (siehe Foto oben).
Als ein Vertreter des Dachverbands der Kritischen AktionÀrinnen und AktionÀre mehr als hundert Eintrittskarten zur Versammlung an die
Demonstranten verteilte, denunzierte ihn ein Siemens-Mitarbeiter bei der Polizei, er habe Eintrittskarten gefĂ€lscht. Dienstbeflissen aber ahnungslos bemĂŒhten sich uniformierte und zivile Beamte, den Kritischen
AktionĂ€r festzusetzen. Wenige Minuten spĂ€ter verpuffte der Vorwurf jedoch in einem GesprĂ€ch mit Siemens-Justitiaren: Der Dachverband vertrat ganz legal ĂŒber hundert AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re des Konzerns,
die am AtomgeschÀft nicht mehr mitverdienen wollen.
Internationale Redner in der Hauptversammlung
In der Hauptversammlung selbst hatte Vorstandschef Heinrich von Pierer MĂŒhe, sich Gehör zu verschaffen. Mehrere Sprechchöre
unterbrachen seine Rede mit Slogans wie âSiemens-RavensbrĂŒck: Das war Mord â EntschĂ€digung sofort!â und mit einem ,die-inâ symbolischer Strahlenopfer. Zahlreiche Rednerinnen und Redner aus WeiĂrussland,
der Slowakei, den USA, aus Ăsterreich und Deutschland begrĂŒndeten die Forderungen nach Atomausstieg und EntschĂ€digungen. Von Pierer und Aufsichtsratschef Hermann Franz wiesen beiden Anliegen jedoch erneut die
kalte Schulter.
Zur offiziellen JubilĂ€umsfeier im Oktober hatte Siemens 3.000 FĂŒhrungskrĂ€fte des Konzerns aus aller Welt nach Berlin einfliegen
lassen. Auch sie wurden beim Betreten des Festsaals von atomkritischen Demonstanten empfangen. Die Ărzteorganisation IPPNW und der Koordinationskreis Siemens-Boykott hatten ein Transparent mit ihrer
Ausstiegsforderung an einem Zeppelin unĂŒbersehbar in den Berliner Himmel gehievt.
WĂ€hrend sich im ICC Firmenoffizielle und Bundeskanzler Helmut Kohl in Festreden ergingen, sprachen sich der Direktor des MĂŒnchner
Max-Planck-Instituts, Prof. Hans Peter DĂŒrr, und der Strahlenbiologe Prof. Edmund Lengfelder in einem Presse- gesprĂ€ch der IPPNW gegen die Atomkraftnutzung und fĂŒr den Siemens-Boykott aus. Aufstichtsratschef
Hermann Franz hatte eine Einladung zu diesem GesprÀch ausgeschlagen.
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