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Siemens Hauptversammlung 1997

Siemens-FĂŒhrung diffamiert Kritische AktionĂ€re

Es war nicht neu, dass sogenannte „verantwortungsbewusste Manager“ in den
Hauptversammlungen ihrer Unternehmen vor einem breiten Publikum lieber nicht
nach den ökologischen und sozialen Problemen gefragt werden, die sie verursachen.
Was sich aber Vorstand und Aufsichtsrat der Siemens AG zur Hauptversammlung
am 13. Februar 1997 in Berlin leisteten, hatte eine fatale neue QualitÀt von
Diffamierung.

Im Vorfeld der Versammlung ĂŒberzeugten sie den Berliner PolizeiprĂ€sidenten davon,
dass GewalttĂ€tigkeiten linker Chaoten zu befĂŒrchten seien. Die AktionĂ€rinnen und
AktionÀre wurden deshalb von vielen hundert Polizistinnen und Polizisten in
Kampfuniformen empfangen.

Ein anonymer Siemens-Vertreter denunzierte den GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Dachverbands
der Kritischen AktionĂ€rinnen und AktionĂ€re, Henry Mathews, gegenĂŒber der Polizei,
er wĂŒrde Eintrittskarten illegal weitergeben und sogar gefĂ€lschte Eintrittskarten.

verteilen. Aufsichtsrats-Vorsitzender Hermann
Franz phantasierte in der Versammlung, der
Dachverband habe Eintrittskarten „an bekannte
Mitglieder der Berliner Hausbesetzer-Szene
verteilt.“ Die Öffentlichkeits-Abteilung des Kon-
zerns versuchte in ihrer Hauspostille „Siemens-
Welt“ noch Wochen nach der Versammlung,
den vom Dachverband vertretenen AktionÀren
einen „Missbrauch“ des Aktienrechts anzu-
dichten.

Was war die Triebfeder hinter diesen Über-
reaktionen? FĂŒrchteten die Herren Konzern-
chefs um Ihr Leben? War die innere Sicherheit
der Republik gefĂ€hrdet? Drohte „unappetit-
liches Pack“ die Podien zu stĂŒrmen?
Mitnichten! – Die ErklĂ€rung ist viel einfacher:

  • Mit der Forderung nach dem Ausstieg
    aus allen AtomgeschÀften vertrat der
    Dachverband 1997 mehr als einhundert
    Siemens-AktionÀrinnen und -AktionÀre
    vertreten – mehr als je zuvor.
     
  • Der Dachverband und seine Mitglieder
    sprachen in der Hauptversammlung 1997
    fĂŒr ein Aktienkapital von etwa 19 Millio-
    nen Mark – vielfach mehr als je zuvor.
     
  • Auch immer mehr Belegschaftsaktio-
    nÀrinnen und -aktionÀre lassen sich vom
    Dachverband vertreten, weil sie den
    Atomkurs ihres Arbeitgebers nicht mehr
    mitverantworten wollen.
     
  • Kompetente Rednerinnen und Redner
    von auslÀndischen Umweltorganisationen
    unterstĂŒtzten den Dachverband im Namen
    der von ihm vertretenen AktionÀrinnen und
    AktionĂ€re mit engagierten BeitrĂ€gen – in
    voller Übereinstimmung mit dem Aktienrecht.
     
  • Ebenfalls in voller Übereinstimmung mit
    dem Aktienrecht bevollmÀchtigte der Dach-
    verband im 150. JubilÀumsjahr der Firmen-
    grĂŒndung Mitglieder antifaschistischer
    Organisationen, die – zuweilen auch
    lautstark – daran erinnerten, dass Siemens

150 Jahre Siemens
sind kein Grund zum Feiern!

FĂŒr die sofortige EntschĂ€digung aller ehemaligen
Zwangsarbeiter des Siemens-Konzerns und fĂŒr die
sofortige Schließung aller atomtechnischen Betriebe
des Unternehmens setzen sich Kritische AktionÀre,
Atomkraftgegner, antifaschistische Organisationen
und HinterbliebenenverbÀnde ein. Vor und in der
Siemens Hauptversammlung am Donnerstag im
Berliner ICC werden sie Ihren Forderungen mit
Protesten und GegenantrÀgen Nachdruck verleihen.

"Siemens muß sich der Verantwortung aus der
Ausbeutung von zehntausenden Zwangsarbeiterinnen
und Zwangsarbeitern stellen und sofort EntschÀdigun-
gen zahlen", verlangte die Sprecherin des ,Aktions-
bĂŒndnis 150 Jahre Siemens', Christine Krause am
Dienstag vor der Presse in Berlin. Siemens habe wÀhrend der NS-Zeit mehr als ein Drittel der Beleg-
schaft aus Kriegsgefangenen, zwangsverpflichteten
Fremdarbeitern, jĂŒdischen und nichtjĂŒdischen Zwangs-
arbeitern und KZ-HĂ€ftlingen rekrutiert, von denen viele
verhungert oder "durch Arbeit vernichtet" worden seien.
Nur auf massiven Druck habe Siemens zwei Jahr-
zehnte spĂ€ter geringe Summen an gut 2.000 Über-
lebende gezahlt.

Henry Mathews vom ,Dachverband der Kritischen
AktionÀrinnen und AktionÀre' betonte: "Rund 100
KleinaktionÀrinnen und KleinaktionÀre haben uns
beauftragt, mit den Stimmen ihrer Siemens-Aktien
im Wert von 1,9 Millionen Mark gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen, solange
er an den AtomgeschÀften des Konzerns festhÀlt und
EntschĂ€digungen fĂŒr die Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter verweigert. Und mit dem gleichen
Auftrag vertreten wir eine Siemens-AktionÀrin, deren
Aktienpaket mehr als 17 Millionen Mark schwer ist."

Siemens baut derzeit an Atomreaktoren im baye-
rischen Garching, im slowakischen Mochovce und im
russischen Sosnovy Bor. Bis zum Jahr 2000 will der
Konzern eine Baugenehmigung fĂŒr den ersten Reaktor
des neuen Typs EPR durchsetzen.

(Presse-Information des Dach-
verbands vom 11. Februar 1997)

    bis heute nicht alle Menschen entschÀdigt hat, die wÀhrend der Nazidiktatur
    als unbezahlte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter fĂŒr den Konzern
    schuften mussten.

  • FĂŒnf Fernsehteams und mehr als 30 Journalistinnen und Journalisten hatten
    sich schon zwei Tage vor der Hauptversammlung auf der Pressekonferenz der
    Kritischen AktionÀre gedrÀngelt, um unsere Kritik am Siemens-Vorstand vorab
    zu erfahren. (Ein Siemens-Spitzel hatte sich auch eingeschlichen.)
     
  • Zur Aktion der Kritischen AktionĂ€re vor dem HauptversammlungsgebĂ€ude
    kamen etwa ein Dutzend Pressefotografen und zahlreiche Kamerateams, um
    zu dokumentieren, wie 400 gasgefĂŒllte Ballons mit kritischen Informationen ĂŒber
    Siemens „durch einen Riss in der Reaktorkuppel eines (aus Stoff nachgebauten)
    Atomkraftwerks in die AtmosphĂ€re entwichen.“
     
  • Am Samstag vor der Hauptversammlung demonstrierten in Berlin etwa 3.000
    Menschen gegen die rĂŒcksichtslose GeschĂ€ftspolitik des Siemens-Vorstands.

Diese Entwicklung ist die wahre Triebfeder fĂŒr die hĂ€rtere Gangart der Atom-Manager
gegen die Kritik der Kritischen AktionÀrinnen und AktionÀre. Menschen, die wirksam
fĂŒr eine atomkraftfreie Zukunft eintreten, werden in der Bundesrepublik Deutschland
schon seit Jahrzehnten kriminalisiert. – Das Haus Siemens hat sich im 150. Jahr
seines Bestehens in die Reihe der Kriminalisierer eingereiht.