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Deutsche Telekom Hauptversammlung 2004

FĂĽr die Belegschaft hat Ricke in der Hinterhand
den Hammer – den Klinkhammer

„Sie sind ein sympathischer Vorstandsvorsitzender, Herr Ricke“, schmeichelte der Kritische Aktionär Henry Mathews in der Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG am 18. Mai 2004 dem Konzernchef, „aber wenn ich an Ihre Personalpolitik denke, erinnert mich das an ein Bilderbuch aus meiner Kindheit, in dem ein freundlich lächelnder Herr Kindern Bonbons anbietet, aber hinter dem Rücken einen Knüppel versteckt. Sie, Herr Ricke, danken nach vorne sehr sympathisch den Beschäftigten für ihre Leistung, aber hinter dem Rücken halten Sie den Hammer – den Klinkhammer.“

Nach dieser Anspielung auf den im Vorstand für das Personal zuständigen Heinz Klinkhammer verging Kai-Uwe Ricke das anfängliche Lächeln. Die Hälfte seines Gesichts verschwand hinter seiner Hand, während Mathews die Personalpolitik zerpflückte:

„Bei fremden Männern muss man vorsichtig werden, wenn sie Kindern Bonbons anbieten. Bei Vorstandsvorsitzenden muss man vorsichtig werden, wenn sie sich selbst loben. Herr Ricke lobt sich selbst für die Einstellung von 4.000 Auszubildenden in diesem Jahr. Dafür hat er aber von der Gewerkschaft ver.di Zugeständnisse bei der Arbeitszeit volljähriger Azubis erzwungen, hat allen Auszubildenden das Weihnachts- geld gestrichen und will nur zehn Prozent von ihnen nach der Lehre in feste Jobs übernehmen. Deshalb hat der Vorstand keinen Grund, sich für diese unsoziale Aktion selbst zu loben!“

Seit der Privatisierung der Telekom habe der Vorstand zehntausende Arbeitsplätze vernichtet, erinnerte der Kritische Aktionär, allein im vergangenen Geschäftsjahr seien fast 7.500 Stellen gestrichen worden. Der „Beschäftigungspakt“ mit ver.di, für den sich der Vorstand ebenfalls selbst lobt, sei prinzipiell eine gute Idee, weil er Arbeitszeit- verkürzung vorsieht, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten.

„In der Praxis ist er aber eine Mogelpackung“, analysierte Mathews und rechnete vor: „120.000 Beschäftigte werden künftig nur noch 34 statt 38 Stunden pro Woche arbeiten, dafür aber keinen vollen Lohnausgleich erhalten. Das ergibt 480.000 Arbeitsstunden weniger pro Woche. Das entspräche 14.117 neuen Jobs zu 34 Wochenstunden. Der Vorstand will mit dem Pakt aber nur die Streichung von 10.000 Stellen verhindern und lässt sich dafür auch noch feiern. Im Ergebnis werden die Beschäftigten 6,6 Prozent weniger Lohn bekommen, müssen dafür aber 3,4 Prozent mehr Arbeit erledigen. Das ist Lohndumping! Der Telekom-Vorstand geht den ersten Schritt auf dem Weg Deutschlands zum Billiglohnland.“

Der völlig überzogene Personalabbau der vergangenen Jahre habe vor allem ältere, erfahrene Beschäftigte getroffen und habe damit wertvolle Kompetenz der Telekom vernichtet, erinnerte der Kritische Aktionär und folgerte unter Applaus der Anwesenden in der gute gefüllten KölnArena: „Dann darf man sich nicht wundern, wenn das Maut-System Toll-Collect nicht funktioniert, wenn der schlechte Service viele Kunden verärgert und wenn die Telekom mit der neuen UMTS-Technik viel später als die Konkurrenz an den Markt geht.“

Für die bei der Telekom beschäftigten Beamten forderte Mathews – wie eine Woche zuvor schon in der Hauptversammlung der Deutschen Post – das Urlaubsgeld nicht zu streichen und das Weihnachtsgeld nicht zu kürzen. Diese Einsparung habe die Bundesregierung für die beim Bund tätigen Beamten beschlossen, um die Staatskasse zu entlasten. Post und Telekom sollten auf diese Kürzung der Beamtenbesoldung verzichten, statt sich die eigenen Kassen zu füllen, verlangte der Kritiker und erhielt dafür lauten Zuspruch zahlreicher Belegschaftsaktionäre.

Die Mitarbeiterproduktivität – Mathews nannte sie „Ausbeutungskoeffizienten“ – sei
in den vergangenen drei Jahren von 199.000 auf 222.000 Euro pro Beschäftigtem gestiegen, zitierte Mathews aus dem Geschäftsbericht und fragte den Personal- vorstand: „Wann ist das Ende der Fahnenstange beim Auspressen der Beschäftigten erreicht?“

Der angesprochene Heinz Klinkhammer antwortete später, eine weitere Steigerung
der Produktivität sei „unerlässlich“ und dafür gebe es keine Obergrenze. Der Frage, wie viele Urlaubstage die Beschäftigten in den vergangenen drei Jahren wegen Überlastung der Betriebe verfallen lassen mussten, wich der Personalchef aus: „Konkrete Zahlen darüber liegen mir nicht vor.“ Das ,Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di´ hatte in seinem Betriebsblatt Magentat berichtet, dass im Februar vergangenen Jahres 700.000 Resturlaubstage aus 2002 noch nicht in Anspruch genommen worden waren.


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