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Deutsche Telekom Hauptversammlung 1999

Es brennt bei der Deutschen Telekom

Dachverband kritisiert irrationale Personalpolitik des Vorstands

Eine “völlig irrationale Personalpolitik” warf Henry Mathews vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre dem Management der Deutschen Telekom in der Hauptversammlung am 27. Mai 1999 in Köln vor.

“Während die Telekom Rekordgewinne einspielt, wird die Belegschaft weiter ausgedünnt”, wetterte Mathews. “Gleichzeitig sind die verbliebenen Beschäftigten gezwungen, dauerhaft und in großem Umfang Überstunden zu leisten, damit Serviceaufträge von Kunden wenigstens in halbwegs angemessener Zeit ausgeführt werden können.”

Mathews kritisierte, dies führe zu unzufriedenen Beschäftigten und unzufriedenen Kunden, was die Wettbewerbs-fähigkeit der Deutschen Telekom gefährde. Der Telekom-Vorstand sei ein “Jobkiller erster Ordnung.”

Belegschaftsaktionäre decken Skandale auf

Nachdem die Telekom entsprechende Gegenanträge der Kritischen Aktionäre mit der Einladung zur Hauptversammlung veröffentlichen mußte, meldeten sich zahlreiche Belegschaftsaktionäre und Betriebsräte beim Dachverband, um ihre Stimmrechte zu übertragen und um über die Lage in ihren Betrieben zu berichten.

So wurde bekannt, dass die Telekom langjährig Beschäftigte mit enormen Abfindungssummen zum Verlassen des Unternehmens drängt, während sie ihre Arbeitsplätze gleichzeitig im internen Stellenvermittlungssystem PMS neu ausschreibt. Die Stellen werden dann mit Beschäftigten besetzt, die für ihre neue Aufgaben erst eingearbeitet werden müssen.

Ebenso berichteten Beschäftigte, dass in verschiedenen Unternehmensbereichen qualifizierter Nachwuchs fehlt, weil die Telekom die Zahl ihrer Lehrstellen drastisch reduziert hat.

Überstunden in vielen Niederlassungen

Gut informiert durch die Belegschaft konnte Dachverbands-Sprecher Mathews dem Telekom-Vorstand zahlreiche konkrete Beispiele für die überzogene Personalreduktion vorhalten: “In der Niederlassung Kassel sind 54.000 Überstunden aufgelaufen, in Hamburg 30.000, in Bonn 32.000 und in Uelzen fast 34.500.

Gleichzeitig hat die Unternehmensleitung an diesen Standorten bei den Betriebsräten weitere Überstunden beantragt. Das belegt, wie krass der Vorstand mit seiner sogenannten Personalanpassung über das Ziel hinausgeschossen ist.”

Mathews berichtete von hohen Krankenständen in vielen Niederlassungen, die eine direkte Folge der chronischen Überlastung der Beschäftigten seien. Die aktuelle ÜberstundenFlut sei auch nicht durch die längst abgeschlossene Umrüstung auf digitale Vermittlungsstellen oder durch die ebenfalls erledigte Erstversorgung der neuen Bundesländer zu erklären.

Schwache Ausreden des Vorstands

Personalvorstand Heinz Klinkhammer mußte zugeben, dass die Telekom von 1996 bis 1998 etwa 550 Millionen Mark Abfindungen gezahlt hat, um sich von 10.000 Beschäftigten zu trennen. Jedoch würden alle Personalmaßnahmen “in engem Schulterschluß mit den Sozialpartnern” und “ausschließlich sozialverträglich” umgesetzt.

“Sie haben ein glänzendes Geschäftsergebnis mit einer Gewinnsteigerung von 33 Prozent vorgelegt”, konterte Mathews, “aber gleichzeitig haben sie die Belegschaft um sechs Prozent reduziert und 13.000 Arbeitsplätze vernichtet.” Viele anwesende Belegschaftaktionäre quittierten diese Feststellung mit anhaltendem Applaus.

Bundesregierung steht in der Pflicht

“Der deutsche Staat ist nach wie vor größter Aktionär der Deutschen Telekom”, erklärte Mathews am Rande der Hauptversammlung gegenüber Journalisten. “Deshalb muß sich ein sozialdemokratischer Bundeskanzler fragen lassen, wie er die großangelegte Arbeitsplatzvernichtung bei diesem Unternehmen dulden kann.”